Datenschutz & Cookies
Wir verwenden auf unserer Website Cookies und ähnliche Technologien, um grundlegende Funktionen sicherzustellen, Inhalte zu optimieren, Statistiken zu erstellen sowie – sofern du zustimmst – personalisierte Inhalte und Werbung anzuzeigen. Dabei können personenbezogene Daten wie IP-Adresse, Geräteinformationen oder Nutzungsverhalten verarbeitet werden.
Du kannst der Nutzung einzelner Kategorien jederzeit widersprechen oder deine Einwilligung anpassen. Ausführliche Informationen findest du in unserer Datenschutzerklärung und in den Cookie-Einstellungen.
Durch die weitere Nutzung der Website erklärst du dich – soweit technisch erforderlich – mit der Verwendung von Cookies einverstanden.

Wetten, dass… Vetternwirtschaft gewinnt?

Wie die Kaulitz Zwillinge zeigen, dass Gatekeeping Realität ist
Wetten, dass… Vetternwirtschaft gewinnt?

Wenn Bill und Tom Kaulitz plötzlich die altgediente Kultsendung Wetten, dass..? moderieren, darf man für einen kurzen, aber intensiven Moment überlegen, ob die beiden heimlich zu den neuen Monarchen der deutschen Unterhaltungslandschaft gekrönt wurden und zwar mit Zwillingskrone, Blitzlichtgewitter und vertraglich geregeltem Nostalgiebonus. Man könnte fast meinen, irgendwo im ZDF-Keller sei ein geheimer Thron aufgestellt worden, auf dem steht: Bekannt schlägt Befähigung, Reichweite schlägt Risiko.

Natürlich ließe sich das Ganze auch wohlwollend als mutige Verjüngung verkaufen, als cleverer Versuch, lineares Fernsehen mit Podcast-Aura und Instagram-Glamour zu beatmen. Aber ehrlicher wäre es, kurz innezuhalten und anzuerkennen, was hier eigentlich passiert. Die Medienbranche liebt ihre vertrauten Gesichter wie andere Leute ihre alten Sofas, durchgesessen, aber man weiß eben, wo man sitzt.

Gatekeeping ist dabei kein theoretischer Begriff aus medienkritischen Seminaren, sondern gelebter Alltag. Vetternwirtschaft ist kein Skandal, sondern ein Geschäftsmodell. Wer einmal drin ist, bleibt drin. Wer draußen steht, darf zuschauen und sich anhören, dass leider gerade kein Platz sei. Neue Talente? Spannend, aber bitte mit Bekanntheitsgarantie. Frische Ideen? Gerne, solange sie von Menschen kommen, die man schon aus mindestens drei anderen Formaten kennt.

Bill und Tom Kaulitz und die Logik des sicheren Einschaltquoten-Teppichs

Sender wie das ZDF wollen vor allem eines: Quoten. Wer wird gesehen? Wer bringt die Zuschauer dazu, auf Play zu drücken oder den Fernseher einzuschalten? Die Antwort: Menschen, die die meisten Klicks schon mitbringen. Bill und Tom Kaulitz, mit ihren Tokio-Hotel-Vergangenheiten und Social-Media-Followern und Heidi Klum im Schlepptau, sind wie ein eingeschlagenes Brett im Einmaleins der Medienlogik. Laut „Südwest Presse“ wurde ihr Engagement offiziell bestätigt und das ist ein Beweis, dass bekannte Namen Trumpf sind.

Gatekeeping oder einfach nur praktisch?

Und selbstverständlich kann man das als Vetternwirtschaft sehen. Wer schon Verbindungen hat, bekommt Chancen. Wer unbekannt ist, schaut eben von der Seitenlinie zu, wie die Stars auf der Bühne glänzen. Man kann hier auch von einem klassischen Gatekeeping-Effekt sprechen: Nur wer Netzwerke, Management und Reputation besitzt, bekommt die begehrten Slots.

Neue Talente? Echte Chancen gibt es kaum!

Für Nachwuchstalente fühlt sich die Medienbranche an wie ein endloses Tetris Spiel auf höchster Geschwindigkeit, nur dass die Steine von Anfang an falsch fallen. Talent allein reicht nicht, es ist eher eine nette Hintergrundmusik, während Connections, Glück und jahrelange Leidensfähigkeit die eigentlichen Spielregeln bestimmen. Wer jung, unbekannt und tatsächlich begabt ist, darf sich erst einmal durch Castingshows schleifen lassen, Inhalte kostenlos ins Internet kippen oder hoffen, algorithmisch versehentlich entdeckt zu werden.

Währenddessen spazieren etablierte Stars wie selbstverständlich auf die großen Bühnen, nicht weil sie dort hingehören, sondern weil sie dort schon immer standen. Prime Time wird nicht vergeben, sie wird vererbt, weitergereicht, abgesichert. Die Vorstellung, ein völlig neues Gesicht könnte ohne Rückhalt, Management und strategisch platzierte Bekanntschaften plötzlich eine große Samstagabendshow moderieren, ist schlichtweg naiv. Oder wäre subversiv.

Das System belohnt nicht das Beste, sondern das Bekannteste. Alles andere wird höflich ignoriert, leise aussortiert oder so lange vertröstet, bis es von selbst verschwindet. Leistung ist kein Eintrittsticket, sondern maximal eine Fußnote.

Es ist ein bisschen wie Monopoly, nur ohne Startgeld und ohne faire Regeln. Die Startspieler besitzen bereits alle Straßen, alle Hotels und am besten gleich die Bank. Die Neuen würfeln trotzdem tapfer weiter, zahlen Miete für jede Idee und dürfen froh sein, wenn sie überhaupt über Los gehen. Häuser bauen ist nicht vorgesehen. Gewinner stehen von Anfang an fest.

Warum wir es weitersehen werden

Es ist aber nicht alles finster: Das Publikum liebt Starpower. Selbst die kritischsten Zuschauer werden wohl einschalten, weil sie die Kaulitz-Zwillinge kennen. Quoten = Geld, Geld = weitere Shows, Shows = Stars. Ein Teufelskreis, der so zuverlässig funktioniert wie der nächste Zinseszins. 

“Hoffnungsvoller” Blick in die Zukunft

Vielleicht sollten wir alle einfach akzeptieren: In der Unterhaltungsbranche gilt der Grundsatz: „Bekanntheit schlägt Talent, mindestens 7:2“. Wer weiß, vielleicht moderieren die Kaulitz-Zwillinge irgendwann auch Tatort oder die Bundestagswahl. Hauptsache, sie bringen die Klicks. 

Neue Talente? Doch, doch, natürlich, die werden dringend gebraucht. Jemand muss schließlich die Kaffeetassen hinter der Kamera tragen, Kabel sortieren und dabei dankbar lächeln. Der große Durchbruch kommt dann ganz sicher, man muss nur fest genug daran glauben. Am besten still, geduldig und ohne Honorar.

Alternativ dürfen sie sich auf TikTok austoben und versuchen, zwischen Tanzchallenges und Produktplatzierungen ein virales Video zu basteln. Vielleicht entdeckt sie ja jemand aus der Branche. Währenddessen moderieren die immer gleichen Gesichter die großen Shows, erzählen etwas von Nachwuchsförderung und klopfen sich selbst auf die Schulter.

Das ist kein Ausrutscher und kein bedauerlicher Zustand, das ist der ganz normale Alltag der heutigen Medienlandschaft. Ein System, das Hoffnung als Beschäftigungstherapie verteilt und Chancen so knapp hält wie Sendeplätze zur besten Zeit. Wer es nicht schafft, war am Ende eben nicht leidenschaftlich genug. Oder einfach nicht bekannt genug.

Fazit zu den Kaulitz-Brüdern, der Vetternwirtschaft und dem Gatekeeping

Ob man es Gatekeeping, Vetternwirtschaft oder einfach „praktische Einschaltquote“ nennt, spielt am Ende kaum eine Rolle. Das System belohnt zuverlässig das Bekannte und sauber Vernetzte, während Unbekannte um jeden noch so kleinen Auftritt kämpfen dürfen. Und kämpfen werden. Hartnäckig, hoffnungsvoll und meistens vergeblich. Die Aussicht auf Erfolg ist überschaubar, aber Hoffnung ist bekanntlich billig und gut zu verwalten.

Wer schaut aber dieser Wahrheit schon gern ins Gesicht? 

Neue Gesichter haben es heute extrem schwer, Fuß zu fassen, ganz gleich, wie talentiert sie sind. Talent ist nett, aber das war es dann auch. Bekanntheit dagegen ist verlässlich. Sie lässt sich berechnen, absichern und vermarkten.

Und nein, damit sind nicht ein paar tausend Follower gemeint. Die garantieren weder Einschaltquoten noch Relevanz. Wer traurig um Likes und Follower bei Instagram bettelt, wird davon nicht plötzlich erfolgreich, sondern höchstens gut dokumentiert beim Scheitern. Das ist der Branche auch bewusst.

Aber irgendwo ist das ja auch beruhigend. Das Fernsehen lebt schließlich von Überraschungen, nur bitte nicht von echten. Stattdessen rätseln wir Woche für Woche gespannt, welches vertraute Gesicht als Nächstes aus der VIP Schublade gezogen wird. Ein bisschen Spannung muss sein. Auch wenn am Ende doch wieder alle schon wissen, wie es ausgeht.

Quelle: YouTube, Südwestpresse, ZDF

Avatar-Foto

Mia Lada-Klein

Mia ist Redakteurin beim Paranoyd Magazin. Als absolute Spezialistin für Interviews und Reviews verbindet sie ihr Literaturstudium mit ihrer Leidenschaft für das geschriebene Wort. Mia blickt auf eine langjährige Zusammenarbeit mit diversen Magazinen zurück und ist ein wahrer Interview-Profi, der fundiertes Fachwissen mit authentischen Einblicken in die Musikszene vereint.

Ähnliche Beiträge