W.A.S.P.: Blackie Lawless kämpft mit seiner Kindheit

Blackie Lawless bei der Show vor begeistertem Publikum © Marc Blessing

Wenn Blackie Lawless über seine Vergangenheit spricht, dann wird schnell klar: Hier entsteht kein gewöhnliches Rockbuch. Der Frontmann von W.A.S.P. arbeitet seit inzwischen fünf Jahren an seiner Autobiografie – und sie fordert ihn mehr als jedes Album zuvor.

Der Arbeitstitel: „Tales From The Square Mile“. Und schon jetzt deutet alles darauf hin, dass dieses Werk weit über klassische Touranekdoten hinausgehen wird.

Blackie Lawless: Fünf Jahre Arbeit an einem Lebenswerk

Was ursprünglich als persönlicher Rückblick geplant war, entwickelte sich für Lawless schnell zu einem deutlich größeren Projekt. Der Sänger beschreibt den Schreibprozess als extrem intensiv – teilweise investiert er Stunden, um wenige Absätze zu perfektionieren.

Der Grund: Es geht nicht nur um Erinnerungen, sondern um historische Zusammenhänge, persönliche Entwicklungen und den Einfluss von Hollywood auf die gesamte Musikindustrie.

Lawless selbst sagt, dass das Buch längst nicht mehr nur seine eigene Geschichte erzählt. Vielmehr beleuchtet es ein ganzes System – von den frühen Filmstudios bis hin zu den Strukturen moderner Plattenfirmen.

„Tales From The Square Mile“: Mehr als nur eine Rock-Biografie

Der Titel des Buches ist dabei bewusst gewählt. Die „Square Mile“ steht für das Umfeld in Hollywood, in dem Lawless lebte und das ihn nachhaltig geprägt hat.

Dieses Umfeld, so erklärt er, habe nicht nur ihn selbst beeinflusst, sondern ganze Generationen von Künstlern. Die Verbindungen zwischen Film- und Musikindustrie ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch.

Besonders spannend: Blackie Lawless spricht von zahlreichen unerwarteten Entdeckungen und kuriosen Zufällen, die ihm während der Recherche begegnet sind. Genau diese Details sollen das Buch von klassischen Musikerbiografien abheben.

Kindheit als größter emotionaler Kraftakt

Der schwierigste Teil des Buches war für Blackie Lawless jedoch ein ganz anderer: seine Kindheit.

Durch den Job seines Vaters musste er ständig umziehen und besuchte insgesamt 13 verschiedene Schulen. Ein Leben als Außenseiter, geprägt von ständigen Neuanfängen und sozialem Druck.Diese Erfahrungen haben ihn stärker geprägt, als ihm lange bewusst war. Beim Schreiben wurde ihm klar, wie tief diese Zeit in seiner Persönlichkeit verankert ist.

Er beschreibt diesen Prozess als eine Art Selbstanalyse – intensiv, teilweise schmerzhaft, aber letztlich auch befreiend.

Schreiben als Selbstfindung

Für Lawless ist das Buch mehr als nur ein Rückblick. Es ist eine Reise in die eigene Vergangenheit – ein Versuch, Zusammenhänge zu verstehen und Entwicklungen nachzuvollziehen.

Er vergleicht das Schreiben mit einer therapeutischen Erfahrung: Man glaubt, Erinnerungen zu kennen, doch erst beim tiefen Eintauchen erkennt man ihre wahre Bedeutung.Dabei entsteht ein vielschichtiges Bild eines Lebens, das sich über Jahrzehnte hinweg verändert hat – mit all seinen Höhen, Fehlern und Wendepunkten.

W.A.S.P. 2026 Tour: Klassiker im Fokus

Parallel zur Arbeit am Buch stehen W.A.S.P. weiterhin auf der Bühne. Die Band hat ihre „1984 To Headless“ Tour 2026 angekündigt.

Dabei konzentriert sich die Setlist auf die ersten vier Alben:

  • „W.A.S.P.“ (1984)
  • „The Last Command“ (1985)
  • „Inside The Electric Circus“ (1987)
  • „The Headless Children“ (1989)

Als Special Guest ist KK’s Priest mit dabei.

Start ist am 10. September 2026 in den USA, das Finale steigt am 31. Oktober. Eine Europa-Tour ist für 2027 geplant.

Ein Buch, das tiefer geht als erwartet

„Tales From The Square Mile“ verspricht keine klassische Rockstory voller Klischees. Stattdessen entsteht hier ein vielschichtiges Werk über Identität, Erinnerung und die Mechanismen einer ganzen Branche.

Und vielleicht ist genau das der Grund, warum dieses Buch so lange braucht: Es ist kein Schnellschuss – sondern ein echtes Lebensprojekt.

Marc Blessing paranoyd

Marc Blessing

Marc ist Webmaster, Chefredakteur und Fotograf des Paranoyd Magazins. Als Spezialist für News, Hausfotograf des LKA Longhorns und IMAGO-Contributor verbindet er tiefgreifende Rock-Expertise mit technischem Know-how. Marc liefert authentische Konzertberichte, professionellen Content sowie pointierte Kolumnen und bildet von Beginn an das journalistische und technische Fundament vom Paranoyd-Magazin.

Ähnliche Beiträge

Paranoyd Magazin

Ihre Zufriedenheit ist unser Ziel, deshalb verwenden wir Cookies. Mit diesen ermöglichen wir, dass unsere Webseite zuverlässig und sicher läuft, wir die Performance im Blick behalten und Sie besser ansprechen können. Cookies werden benötigt, damit technisch alles funktioniert und Sie auch externe Inhalte lesen können. Des Weiteren sammeln wir unter anderem Daten über aufgerufene Seiten, getätigte Käufe oder geklickte Buttons, um so unser Angebot an Sie zu verbessern.   Datenschutz Erklärung