Gut ein Jahr nach dem letzten Konzert von SUM 41 im Januar 2025 in Toronto hat Frontmann Deryck Whibley im Podcast The Joe Vulpis Podcast erstmals ausführlicher erklärt, wie es ihm heute mit dem Abschluss dieses Kapitels geht.
Der Sänger sagte, die Zeit seitdem fühle sich gleichzeitig kurz und lang an. Erinnerungen seien zwar jederzeit präsent, doch er schaue bewusst nach vorne und denke nur selten zurück. Für ihn steht inzwischen das aktuelle Leben im Mittelpunkt.
Besonders klar wurde er beim Thema Touralltag. Die Bühne und die Songs liebe er weiterhin, doch das jahrelange Unterwegssein vermisse er überhaupt nicht. Über 25 Jahre spielte die Band praktisch jedes Jahr rund zehn Monate auf Tour. Schlafmangel, Krankheiten unterwegs und die lange Trennung von Familie hätten ihn am Ende stark belastet.
Was er dagegen weiterhin schätzt, ist das Auftreten vor Publikum. Die Live-Momente und die Verbindung zu den Fans seien für ihn unersetzlich geblieben, auch wenn der permanente Tourbetrieb kein Teil seines Lebens mehr sein soll.
Warum die Entscheidung so lange dauerte
Auch über die interne Dynamik der Gruppe sprach Whibley offen. Als Bandkopf habe er viele unterschiedliche Persönlichkeiten koordinieren müssen. Konflikte, Emotionen und verschiedene Prioritäten gehörten dauerhaft dazu. Rückblickend habe ihn diese Erfahrung sogar auf das Vatersein vorbereitet, weil er gelernt habe, Verantwortung für Menschen zu übernehmen.
Der Entschluss, SUM 41 zu beenden, entstand langsam. Zwei Jahre lang habe er entsprechende Gedanken verdrängt, bevor er akzeptierte, dass sie einen Grund hatten. Erst danach sprach er mit den anderen Mitgliedern. Als die Abschiedstour schließlich öffentlich gemacht wurde, empfand er vor allem Erleichterung.
Eine Pause kam für ihn bewusst nicht infrage. Er wollte keinen einfachen Rückweg offenhalten, sondern einen klaren Schnitt machen, um wirklich neue Wege zu gehen.

Ganz ohne kreative Projekte lebt Whibley dennoch nicht. Kurz vor Weihnachten startete er seine eigene Modemarke „Walking Disaster“, ein Vorhaben, das er bereits 2008 vorbereitet hatte. Kleidung könne Menschen ähnlich wie Musik ein gutes Gefühl geben und Identität vermitteln. Genau solche Beiträge zur Kultur seien ihm heute wichtig.
Sein genauer nächster Karriereweg steht noch nicht fest. Stattdessen konzentriert er sich auf kreative Ideen und Projekte, die für ihn persönlich Bedeutung haben.
Das finale Album „Heaven :X: Hell“ erreichte Platz 37 der kanadischen Albumcharts sowie Platz 23 der US Rock- und Alternative-Charts. Neben Whibley gehörten zuletzt Jason „Cone“ McCaslin, Dave „Brownsound“ Baksh, Tom Thacker und Frank Zummo zur Band.
Bereits 2024 veröffentlichte der Musiker außerdem seine Autobiografie „Walking Disaster: My Life Through Heaven And Hell“, in der er offen über seine Karriere, Suchtprobleme und seine persönliche Entwicklung schrieb.
Quelle: The Joe Vulpis Podcast
Marc Blessing
Marc ist Webmaster, Chefredakteur und Fotograf des Paranoyd Magazins. Als Spezialist für News, Hausfotograf des LKA Longhorns und IMAGO-Contributor verbindet er tiefgreifende Rock-Expertise mit technischem Know-how. Marc liefert authentische Konzertberichte, professionellen Content sowie pointierte Kolumnen und bildet von Beginn an das journalistische und technische Fundament vom Paranoyd-Magazin.

