Die Abschiedstour von Sepultura war ursprünglich die Idee von Gitarrist Andreas Kisser. Das hat Sänger Derrick Green nun in einem Gespräch mit TotalRock beim Bloodstock Open Air 2026 bestätigt. Gleichzeitig machte Green deutlich, dass die aktuelle Tour nach derzeitigem Stand tatsächlich den letzten Abschnitt der Bandgeschichte markiert.
Für Sepultura sei dabei nicht eine Krise oder ein gesundheitliches Problem der Grund für den Abschied gewesen. Vielmehr habe irgendwann der richtige Zeitpunkt gekommen gewirkt, um selbst zu entscheiden, wann Schluss sein soll.
Andreas Kisser brachte die Idee auf
„Es kam tatsächlich von Andreas“, erklärte Derrick Green im Gespräch mit Neil Jones von TotalRock. Der Gedanke an eine Abschiedstour sei von Kisser ausgegangen und habe angesichts der Situation der Band einfach Sinn ergeben.
Sepultura hatten zu diesem Zeitpunkt bereits jahrzehntelang denselben Kreislauf durchlaufen: neue Songs schreiben, ins Studio gehen, Musik veröffentlichen und anschließend über einen langen Zeitraum auf Tour gehen. Irgendwann sei bei den Musikern der Wunsch entstanden, diesen Ablauf nicht endlos fortzusetzen.
Für Green steht dabei die Freude an der Musik im Mittelpunkt. Sepultura sollte nichts sein, das die Musiker nur noch tun, weil sie es tun müssen. Vielmehr wollte die Band aufhören, solange sie noch gemeinsam Spaß an ihrer Musik hat.
Aufhören, solange alles noch funktioniert
Genau darin sieht Derrick Green einen wichtigen Punkt der Entscheidung. Die Musiker wollten nicht erst durch gesundheitliche Probleme oder andere äußere Umstände dazu gezwungen werden, ihre Karriere zu beenden.
Stattdessen wollte Sepultura selbst bestimmen, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Green beschreibt es als besondere Möglichkeit, die eigene Geschichte auf einem hohen Niveau zu beenden, wenn alle Beteiligten noch miteinander funktionieren.
Der Abschied ist für die Band trotzdem emotional. Während der laufenden Tour hätten immer wieder Fans gefordert, dass Sepultura weitermachen sollen. Gerade diese Reaktionen machten die Entscheidung nicht einfacher.
Green betont dennoch, dass die Band die richtige Entscheidung getroffen habe. Es sei eine besondere Situation, selbst kontrollieren zu können, wann man sich verabschiedet.
Derrick Green: „This is our last tour“
Auf die Feststellung, dass sich der Abschied von Sepultura im Gegensatz zu manchen anderen Farewell-Tourneen tatsächlich endgültig anfühle, stimmte Green zu.
„This is our last tour“, erklärte der Sänger. Gleichzeitig machte er deutlich, dass niemand vorhersagen könne, was irgendwann in der Zukunft passieren wird. Entscheidend sei das, was die Band jetzt entschieden habe. Damit bleibt Green bei der Formulierung bewusst vorsichtig. Für die aktuelle Abschiedstour ist der Endpunkt jedoch festgelegt.
Sepultura hatten ihre weltweite Abschiedstour „Celebrating Life Through Death“ bereits Ende 2023 angekündigt. Der erste Termin fand am 1. März 2024 in Belo Horizonte statt.
Mehr als 80 Länder auf der Abschiedstour
Warum die Abschiedstour über einen so langen Zeitraum läuft, erklärt Green auch mit der Geschichte der Band. Sepultura haben im Laufe ihrer Karriere in mehr als 80 Ländern gespielt. Für einen angemessenen Abschied habe es deshalb Zeit gebraucht, möglichst viele Regionen noch einmal zu erreichen.
1984 in Belo Horizonte gegründet, entwickelte sich Sepultura von einer brasilianischen Underground-Band zu einem international bekannten Namen im Metal. Alben wie „Beneath The Remains“, „Arise“, „Chaos A.D.“ und „Roots“ prägten wichtige Phasen der Bandgeschichte.
Die Abschiedstour ist entsprechend nicht als kurzer Rückzug angelegt, sondern als weltweite Feier der Geschichte von Sepultura.
Das letzte Konzert findet in São Paulo statt
Der endgültige Termin steht inzwischen fest: Sepultura spielen ihr letztes Konzert am 7. November 2026 in der Mercado Livre Arena Pacaembu in São Paulo. Die Show bildet den Abschluss der „Celebrating Life Through Death“-Tour.
Für die finale Veranstaltung sind Metal Allegiance, Krisiun und Sacred Reich bestätigt. Darüber hinaus werden weitere Gäste erwartet. Auch die ehemaligen Sepultura-Mitglieder Jean Dolabella und Jairo Guedz sollen an der Feier beteiligt sein.
Damit bekommt die Abschiedstour einen klaren Endpunkt: Am 7. November soll in São Paulo das letzte Konzert der aktuellen Sepultura-Ära stattfinden.
Eine letzte EP war ursprünglich gar nicht geplant
Auch musikalisch hat Sepultura inzwischen einen Schlusspunkt gesetzt. Am 24. April 2026 erschien mit „The Cloud Of Unknowing“ die letzte Studioveröffentlichung der Band über Nuclear Blast. Die EP enthält vier Songs und wurde mit Schlagzeuger Greyson Nekrutman aufgenommen. Nuclear Blast bezeichnet die Veröffentlichung ausdrücklich als die letzte aufgenommene Musik von Sepultura.
Interessant ist die Entstehungsgeschichte: Während der Abschiedstour war zunächst keine weitere Studioaufnahme vorgesehen. Nach dem Ausstieg von Schlagzeuger Eloy Casagrande und dem Einstieg von Greyson Nekrutman entstand jedoch noch einmal der Wunsch, gemeinsam neue Musik aufzunehmen.
„The Cloud Of Unknowing“ wurde damit zu einem letzten kreativen Kapitel der Band. Vier neue Songs, bevor die Abschiedstour endgültig in ihre letzte Phase geht.
Auch ein Live-Album ist geplant
Die Geschichte der Abschiedstour soll außerdem in einem umfangreichen Live-Projekt festgehalten werden. Sepultura sammeln Aufnahmen aus 40 verschiedenen Städten für ein geplantes Live-Album.
Damit soll nicht nur ein einzelner Konzertabend dokumentiert werden. Vielmehr möchte die Band die unterschiedlichen Stationen und Momente ihrer letzten Tour musikalisch festhalten.
Ein Abschied aus eigener Entscheidung
Die aktuellen Aussagen von Derrick Green zeigen vor allem eines: Sepultura hören nicht deshalb auf, weil ihnen die Möglichkeiten ausgegangen sind.
Die Band möchte selbst bestimmen, wann der gemeinsame Weg endet. Andreas Kisser brachte die Idee für die Abschiedstour auf, und die übrigen Musiker sahen offenbar den richtigen Zeitpunkt gekommen, diesen Gedanken umzusetzen.
Dass die Entscheidung angesichts der Reaktionen der Fans nicht leichter geworden ist, verschweigt Green dabei nicht. Gerade weil die Konzerte weiterhin funktionieren und die Fans die Band nicht gehen lassen wollen, wird der Abschied emotional.
Trotzdem bleibt der aktuelle Plan bestehen. Sepultura konzentrieren sich auf die letzten Stationen ihrer „Celebrating Life Through Death“-Tour und auf das finale Konzert am 7. November in São Paulo.
Ob irgendwann in ferner Zukunft noch einmal etwas unter dem Namen Sepultura passieren könnte, lässt Derrick Green offen. Für den Moment aber gilt: Das ist die letzte Tour von Sepultura.
Quelle: TotalRock
Marc Blessing
Marc ist Webmaster, Chefredakteur und Fotograf des Paranoyd Magazins. Als Spezialist für Rock und Metal News sowie Hausfotograf des LKA Longhorns verbindet er Szenekenntnis mit technischem Know-how. Er liefert authentische Konzertberichte, professionellen Content und prägt seit Beginn Qualität, Glaubwürdigkeit und digitale Stärke des Paranoyd Magazins.

