IGNEA geben den nächsten Vorgeschmack auf ihr kommendes Studioalbum „Monumental“. Mit „Prefab“ veröffentlicht die ukrainische Modern-Metal-Band die dritte Single der Platte, die am 23. Oktober 2026 über Napalm Records erscheint. Für den neuen Song haben sich IGNEA Unterstützung von Andy LaPlegua von Combichrist geholt.
„Prefab“ verbindet Metal mit Industrial- und elektronischen Elementen. LaPleguas Stimme bildet dabei den Gegenpart zu Sängerin Helle Bohdanova und verstärkt die düstere Atmosphäre des Songs. Inhaltlich fügt sich die Single eng in das Konzept von „Monumental“ ein, das sich mit Nostalgie und ihren unterschiedlichen Seiten beschäftigt.
Bei „Prefab“ stehen vor allem Architektur und kollektive Erinnerung im Mittelpunkt. Konkret geht es um vorgefertigte sozialistische Wohnbauten und darum, welche Erinnerungen und Gefühle bis heute mit ihnen verbunden sind.
Zwischen Plattenbauten, Erinnerungen und falscher Nostalgie
Helle Bohdanova erklärt die Idee hinter dem Song:
„‚Prefab‘ reflektiert die düstere Seite der Nostalgie – vorgefertigte sozialistische Gebäude, die ursprünglich dazu da waren, jedem ein Dach über dem Kopf zu ermöglichen. Doch wie viele sozialistische Ideale war das Konzept im Kern fehlerhaft: uniform, industriell, ohne Raum für Individualität und persönliche Entscheidungen, wodurch Menschen sich im eigenen Zuhause wie Ameisen fühlen.
Überbleibsel dieser Architektur sieht man noch über ganz Europa verteilt, von der Ukraine über Polen hin nach Deutschland und Frankreich. Während wir persönliche Erinnerungen an sie haben, ist die Nostalgie doch im besten Fall bittersüß und hat ihre Wurzeln in Armut und dem autoritären Regime.
Als Ukrainer:innen aus einem post-sowietischen Land sind wir inmitten der physischen Reste eines Systems aufgewachsen, das eine glorreiche Zukunft versprochen hat und dann das Gegenteil lieferte. Noch seltsamer ist, wie viele Leute sich auch heute noch zu Teilen des Lebens in der Sowjetunion hingezogen fühlen, obwohl sie um seine Mängel wissen. Es geht nicht nur uns so – viele Leute aus dem Westen romantisieren die Sowjet-Ästhetik genauso und zeigen damit Nostalgie für eine Vergangenheit, in der sie nie gelebt haben.
Im Video zu ‚Prefab‘ wollen wir das Gefühl eines engen, gleichförmigen Raumes rüberbringen, der das typische sowjetische Apartment, in dem sich nur die Mieter änderten.
Als wir das Demo zu ‚Prefab‘ gebaut haben, konnten wir Andys Gesang quasi schon im Hinterkopf hören, daher sind wir froh, dass er eingewilligt hat, uns seine Stimme zu leihen. Was ist cooler, als Combichrist als Teil eines Industrial-Metal-Songs auf dem Album zu haben?
Schaltet euch in den ‚cementery for serial dreams‘ und versucht, nicht zu headbangen!“
Das dazugehörige Video greift diese Idee auf und soll die Enge und Gleichförmigkeit der damaligen Wohnungen vermitteln. Dass Andy LaPlegua auf dem Song zu hören ist, war für IGNEA offenbar schon früh eine Wunschvorstellung. Seine Stimme hatten sie laut Bohdanova bereits beim Erstellen des Demos im Kopf.
„Monumental“ blickt auf eine Vergangenheit voller Gegensätze
„Monumental“ ist bereits das zweite Werk, das IGNEA während des Krieges in ihrer Heimat aufgenommen haben. Ein Großteil der Aufnahmen entstand im Winter 2025/26 in Kyiv, während die Stadt mit eisigen Temperaturen und Stromausfällen zu kämpfen hatte.
Helle Bohdanova beschreibt die Idee hinter dem Album so:
„Im 17. Jahrhundert galt Nostalgie als tödliche Krankheit – und in gewisser Weise ist sie das bis heute. Sie ist ein universelles Gefühl, das uns alle begleitet und uns in eine Vergangenheit zurückzieht, die rückblickend oft sanfter erscheint, als sie tatsächlich war – besonders in den schwierigen Momenten der Gegenwart.
Ein großer Teil dieses Albums wurde von der modernistischen Architektur inspiriert: monumentalen Betonbauten, die einst als Symbole des Fortschritts und einer besseren Zukunft errichtet wurden und heute langsam dem Verfall preisgegeben sind. Sie wirken wie Zeitkapseln – Denkmäler unerfüllter Hoffnungen und Visionen. Orte, an denen die einst erträumte Zukunft nie Wirklichkeit wurde, deren Echo jedoch noch immer durch die Ruinen und leuchtenden Mosaike nachhallt.“
Neun neue Songs umfasst „Monumental“. Nach „Dreams of Lands Unseen“ von 2023 beschäftigen sich IGNEA diesmal mit verschiedenen Formen persönlicher und kollektiver Erinnerung. Die Themen reichen von den großen Weltraumvisionen während des Kalten Krieges bis zu verfallenden Städten und vergessener modernistischer Architektur.
Sämtliche Texte stammen von Helle Bohdanova, während Keyboarder Yevhenii Zhytniuk die Musik schrieb, teilweise gemeinsam mit Bohdanova. Für Mix und Mastering war Jacob Hansen verantwortlich. Musikalisch treffen technische Riffs und Industrial-Einflüsse auf atmosphärische Momente, Chöre und melodische Passagen.
„Monumental“ erscheint am 23. Oktober 2026 über Napalm Records.
- Darkness
- Dreams of Lands Unseen
- Presence of the Past
- Prefab (feat. Combichrist)
- What Buildings Dream of
- I am in Hell
- Between No Longer and Not Yet
- Harmony Manufactured (feat. Hiraes)
- Nadir
Tine Blessing
Tine ist die Inhaberin und Chefredakteurin des Paranoyd Magazins. Als Herz und Kopf des Magazins hält sie alle Fäden zusammen, schreibt leidenschaftliche Reviews und berichtet über aktuelle Szene-News. Zudem ist sie als Konzertfotografin schwerpunktmäßig im Raum Stuttgart aktiv.

