Die französische Neo-Industrial-Formation HORSKH meldet sich mit einem Paukenschlag zurück. Mit ihrer neuesten Single „Hyperhuman“ liefert die Band nicht nur einen Song, sondern ein audiovisuelles Manifest, das tief in die Abgründe der menschlichen Existenz im digitalen Zeitalter blickt.
Der Track dient als intensiver Vorbote für das kommende Studioalbum, das für September 2026 angekündigt ist und über die Labels Wire Control sowie Blood Blast das Licht der Welt erblicken wird. Wer die bisherige Entwicklung des Trios verfolgt hat, weiß, dass hier keine leichte Kost zu erwarten ist, doch „Hyperhuman“ hebt die Intensität noch einmal auf ein neues Level.
HORSKH definieren die Grenzen zwischen Mensch und Maschine neu
Inhaltlich begibt sich die Band in philosophisch instabiles Gelände. Die zentrale Frage von „Hyperhuman“ ist so simpel wie erschreckend: Was bedeutet es im Jahr 2026 eigentlich noch, ein Mensch zu sein? In einer Ära, die von rasanter technologischer Evolution und einer zunehmend verzerrten Wahrnehmung der Realität geprägt ist, erschaffen HORSKH ein Klangbild, das diese innere Zerrissenheit perfekt einfängt. Es ist eine Atmosphäre, die gleichermaßen hypnotisch und bedrohlich wirkt – ein tanzbarer Albtraum, der den Hörer direkt in den Kaninchenbau zieht.
Musikalisch bleibt sich das Trio dabei treu und verfeinert dennoch sein Rezept. Treibende Beats, die an die Hochphase des Industrial erinnern, treffen auf dichte, fast schon klaustrophobische Soundflächen. Es ist dieser cineastische Ansatz, der die Musik von HORSKH so besonders macht; sie existiert nicht nur im Gehörgang, sondern erzeugt sofort Bilder im Kopf. Die Einflüsse von Größen wie Nine Inch Nails oder die düstere Ästhetik von Carpenter Brut sind spürbar, doch HORSKH kopieren nicht – sie kanalisieren diese Energie in etwas völlig Eigenes.
Sänger Bastien Hennaut bringt die Essenz des neuen Tracks auf den Punkt: „I really like this track because it has a danceable vibe that’s both melancholic and aggressive. It creates a tension that fits well with the world of HORSKH.“ Diese Spannung ist in jeder Sekunde von „Hyperhuman“ greifbar. Es ist dieser Kontrast aus Melancholie und Aggression, der den Song so unvorhersehbar macht. Man möchte sich dazu bewegen, spürt aber gleichzeitig den kalten Hauch einer futuristischen Dystopie im Nacken.
Ein visueller Rausch und weitere Projekte
Das offizielle Musikvideo zu „Hyperhuman“ unterstreicht diesen Anspruch. Mit einer Ästhetik, die zwischen Cyberpunk-Noir und klinischer Kälte schwankt, wird die Musik visuell perfekt übersetzt. Es ist ein düsterer, futuristischer Trip, der den Song nicht nur begleitet, sondern ihn vervollständigt. HORSKH beweisen hier einmal mehr, dass sie das Konzept einer Band als Gesamtkunstwerk verstanden haben. Hier wird nichts dem Zufall überlassen; jedes Sample, jeder Synthesizer-Layer und jeder Frame des Videos dient der Erzeugung dieser ganz speziellen, beklemmenden Stimmung.
Dass die Band derzeit vor Kreativität strotzt, zeigt auch ein Blick auf ihre jüngsten Aktivitäten abseits der eigenen Single. Erst am 13.03.2026 veröffentlichten sie einen Remix für die US-Noise-Rock-Instanz HEALTH. Diese Kollaboration macht absolut Sinn, teilen beide Acts doch die Vorliebe für die Verschmelzung von organischer Wut und elektronischer Präzision. Es unterstreicht die Vielseitigkeit, mit der HORSKH mittlerweile in der internationalen Szene agieren. Sie sind längst kein Geheimtipp mehr, sondern eine feste Größe für alle, die Musik jenseits der Wohlfühlzone suchen.
Mit der Mischung aus Industrial, Metal, Grunge und Electronic haben HORSKH eine Nische besetzt, die sie mit „Hyperhuman“ nun konsequent ausbauen. Wenn die Single ein verlässlicher Gradmesser für das im September erscheinende Album ist, dann steht uns ein Herbst bevor, der klanglich ebenso schwarz wie faszinierend werden wird. Man darf gespannt sein, wie die Band die Themen Identität und Transformation auf Longplayer-Distanz weiterdreht.
Marc Blessing
Marc ist Webmaster, Chefredakteur und Fotograf des Paranoyd Magazins. Als Spezialist für News, Hausfotograf des LKA Longhorns und IMAGO-Contributor verbindet er tiefgreifende Rock-Expertise mit technischem Know-how. Marc liefert authentische Konzertberichte, professionellen Content sowie pointierte Kolumnen und bildet von Beginn an das journalistische und technische Fundament vom Paranoyd-Magazin.


