Mehr als vier Jahrzehnte nach der Gründung bleibt Bad Religion eine der wichtigsten Stimmen des politischen Punkrocks. In einem neuen Interview mit Sonar FM in Chile hat Bassist Jay Bentley nun offen darüber gesprochen, warum es ihn eher traurig als stolz macht, dass viele Texte der Band heute aktueller wirken denn je.
Alte Songs, aktuelle Realität
Auf die Frage, ob Fans glücklich oder deprimiert sein sollten, weil ältere Bad-Religion-Songs noch immer so relevant sind, antwortete Bentley deutlich: deprimiert. Sänger Greg Graffin habe auf der Bühne oft darauf hingewiesen, dass manche Songs über 35 Jahre alt seien und trotzdem perfekt in die Gegenwart passen. Für Bentley ist das kein Grund zum Feiern, sondern ein Zeichen dafür, dass sich gesellschaftlich zu wenig verbessert hat.
Er machte klar, dass er lieber auf neue Musik verzichten würde, wenn die Welt dafür weniger Krisen, Spaltung und soziale Probleme hätte. Kunst aus Missständen zu erschaffen sei nicht das eigentliche Ziel.
Nicht Politik, sondern Menschlichkeit
Spannend ist auch sein Blick auf die Texte der Band. Laut Bentley ging es Bad Religion nie nur um Präsidenten, Regierungen oder Tagespolitik. Viel wichtiger sei die Frage gewesen, wie es sich anfühlt, heute Mensch zu sein. Themen wie Familie, Existenzängste, Krankheit, soziale Ausgrenzung oder Zukunftssorgen seien universell – unabhängig davon, ob jemand in Berlin, Santiago oder Saudi-Arabien lebt.
Damit unterstreicht Bentley erneut das humanistische Fundament der Band, das sich seit Klassikern wie No Control oder Recipe For Hate durch das gesamte Werk zieht.
Neues Album nur mit echtem Sinn
Auch zur Zukunft der Band gab es ein Update. Erste Songideen für einen Nachfolger des 2019 erschienenen Albums Age Of Unreason existieren offenbar bereits. Bentley erklärte jedoch, dass sich die Band zuerst fragen müsse, wie ein neues Album klingen soll und welche Aussage es überhaupt haben soll.
Einfach nur Album Nummer 18 zu veröffentlichen, ohne echte Vision, komme für die Band nicht infrage. Qualität und Relevanz seien wichtiger als reine Produktivität.
Kritik an Social Media und gesellschaftlichem Rückschritt
Besonders deutlich wurde Bentley beim Thema gesellschaftliche Entwicklung. Er sieht aktuell eine ideologische Rückwärtsbewegung – und macht dafür vor allem Smartphones und soziale Medien verantwortlich. Desinformation, Manipulation und blinder Fanatismus hätten dadurch ein völlig neues Ausmaß erreicht.
Genau deshalb bleibt Bad Religion auch 2026 relevant. Die Band verbindet rasante Songs mit intelligenten Inhalten und spricht Themen an, die weit über Schlagzeilen hinausgehen. Nicht einzelne Politiker stehen im Mittelpunkt, sondern menschliche Schwächen, gesellschaftliche Mechanismen und die Frage, was Menschen weltweit verbindet.
Quelle: Sonar FM
Marc Blessing
Marc ist Webmaster, Chefredakteur und Fotograf des Paranoyd Magazins. Als Spezialist für Rock und Metal News sowie Hausfotograf des LKA Longhorns verbindet er Szenekenntnis mit technischem Know-how. Er liefert authentische Konzertberichte, professionellen Content und prägt seit Beginn Qualität, Glaubwürdigkeit und digitale Stärke des Paranoyd Magazins.

