Seit März 2026 steht Lauren Hart am Mikrofon von Arch Enemy. Nach dem Abschied von Alissa White-Gluz musste sich die schwedische Melodic-Death-Metal-Band nicht nur auf eine neue Stimme einstellen, sondern auch auf die Reaktionen ihrer Fans. Nach den ersten Monaten mit der neuen Sängerin fällt das Zwischenfazit von Schlagzeuger Daniel Erlandsson und Gitarrist Michael Amott ausgesprochen positiv aus.
In einem Interview mit der EMP Backstage Club Area, das während des diesjährigen Summer Breeze Festivals geführt wurde, sprach Erlandsson über die bisherigen Konzerte mit Hart. Die ersten gemeinsamen Shows fanden im März in China statt, anschließend ging es nach Japan. Bereits beim ersten Auftritt habe sich gezeigt, dass die Fans die neue Sängerin angenommen hätten.
„From the first show, it seemed like the fans really embraced her and liked her“, erklärte Erlandsson. Auch bei den anschließenden Konzerten in Europa habe sich diese Reaktion fortgesetzt.
Michael Amott beschreibt Hart ebenfalls als jemanden, der schnell in das bestehende Gefüge gefunden habe. Sie sei eine natürliche und sympathische Person, zudem selbst großer Fan der Formation. Besonders hilfreich sei gewesen, dass sie die Songs bereits kannte und entsprechend vorbereitet war.
Die Zusammenarbeit entstand überraschend schnell
Dass Lauren Hart schließlich am Mikrofon der schwedischen Formation landete, entwickelte sich offenbar schneller als zunächst erwartet. Laut Amott musste alles sehr kurzfristig organisiert werden, nachdem bereits mehrere Festivalauftritte bestätigt waren.
Ursprünglich habe sogar die Überlegung bestanden, lediglich für den Sommer eine Sängerin zu verpflichten und anschließend zu sehen, wie sich die Situation entwickelt. Dann nahm die Band Kontakt zu Hart auf. Die Sängerin schickte Aufnahmen, auf denen sie Material der Musiker interpretierte – und überzeugte damit unmittelbar.
Anschließend ging es direkt ins Studio. Das Ergebnis war „To The Last Breath“, die erste Studioaufnahme mit Hart. Der Song erschien im Februar 2026 und damit noch vor ihrem ersten gemeinsamen Konzert.
Amott räumt ein, dass die Geschwindigkeit des gesamten Prozesses auch für die Musiker überraschend war. Gleichzeitig habe sich die Zusammenarbeit bislang sehr gut entwickelt.
Lauren Hart bringt ihren eigenen Stil mit
Unweigerlich wird Hart aufgrund ihrer kraftvollen Growls mit früheren Sängerinnen der Gruppe verglichen. Besonders häufig fällt dabei der Name Angela Gossow.
Amott erkennt gewisse Ähnlichkeiten an, betont aber gleichzeitig, dass Hart ihren eigenen Weg gehe. Sie bringe ihre eigene Persönlichkeit mit und könne nach seiner Einschätzung die unterschiedlichen musikalischen Epochen der Band sehr gut abdecken.
Für den Gitarristen ist deshalb entscheidend, dass die neue Frontfrau nicht auf eine frühere Sängerin reduziert wird. Hart habe ihre eigenen stimmlichen Qualitäten und passe gleichzeitig zu den unterschiedlichen Phasen der Bandgeschichte.
Live konnte die Sängerin diesen Eindruck inzwischen mehrfach unter Beweis stellen. Ihr erstes Konzert mit den Schweden fand am 27. März 2026 in Peking statt. Ihr erstes Europa-Konzert folgte am 17. Juli beim Area 53 Festival im österreichischen Leoben.
Beim Summer Breeze Festival in Dinkelsbühl feierte Hart anschließend ihr Festivaldebüt bei dem deutschen Metal-Großevent. Vor einem voll gefüllten Infield lieferte sie eine energiegeladene Show ab und präsentierte Material aus verschiedenen Epochen der Bandgeschichte.
Keine Rückkehr von Angela Gossow
Im Zusammenhang mit der neuen Besetzung kamen erneut Gerüchte über eine mögliche Rückkehr von Angela Gossow auf. Michael Amott stellt allerdings klar, dass eine Rückkehr der ehemaligen Sängerin nicht zur Debatte stand.
„It wasn’t really an option“, erklärte der Gitarrist.
Gossow hatte die Gruppe 2014 nach 13 Jahren als Sängerin verlassen. Ihre Nachfolgerin wurde Alissa White-Gluz. Die ehemalige Frontfrau ist der Formation allerdings weiterhin eng verbunden und arbeitet hinter den Kulissen als Business-Managerin.
Gossow war auf sämtlichen Alben der Gruppe von „Wages Of Sin“ aus dem Jahr 2001 bis einschließlich „Khaos Legions“ von 2011 zu hören. Anschließend veröffentlichte die Band vier Studioalben mit White-Gluz: „War Eternal“ (2014), „Will To Power“ (2017), „Deceivers“ (2022) und „Blood Dynasty“ (2025).
Arch Enemy arbeitet bereits an neuer Musik
Während die aktuelle Besetzung weiter auf Tour unterwegs ist, richtet sich der Blick bei den Schweden bereits auf neue Musik.
Amott und Erlandsson arbeiten nach eigener Aussage ohnehin kontinuierlich an neuen Ideen. Die beiden schreiben auch zwischen Tourneen regelmäßig neue Songs und arbeiten an Demos, anstatt erst nach einer längeren Pause wieder mit dem Songwriting zu beginnen.
Im September steht zunächst eine kurze Pause auf dem Programm. Im Oktober und November will die Band anschließend in den USA touren. Parallel sollen vorhandene Demos weiterentwickelt werden. Laut Erlandsson ist außerdem geplant, schon bald wieder ein Studio zu beziehen und neues Material aufzubauen.
Einen konkreten Veröffentlichungstermin für ein neues Album gibt es derzeit nicht. Auch weitere Details zu möglichen Aufnahmen mit Hart wurden bislang nicht bekannt gegeben.
Für Lauren Hart schließt sich ein Kreis
Für die Sängerin selbst ist ihre neue Aufgabe etwas Besonderes. Ihre Verbindung zu Arch Enemy reicht bis in ihre Jugend zurück. Als sie „Wages Of Sin“ aus dem Jahr 2001 hörte, war sie zunächst überrascht, dass die extremen Vocals von einer Frau stammten.
Ihre Freunde zeigten ihr damals die Musik der Band und spielten deren Songs selbst. Hart wollte es schließlich ebenfalls ausprobieren und begann dadurch, ihre eigene Stimme im Extreme Metal zu entwickeln.
Ihr erster Auftritt mit der Formation am 27. März in Peking wurde für die Sängerin zu einem besonderen Moment. Hart bezeichnete die Show später als „dream come true“ und als Beginn einer neuen Zukunft. Besonders die Reaktion des Publikums habe sie überwältigt.
Gleichzeitig hatte sie ursprünglich damit gerechnet, dass sie sich den Rückhalt der Fans erst erarbeiten müsse. Stattdessen sei ihr von Anfang an viel Offenheit und Zuspruch entgegengebracht worden.
Nach den ersten Monaten mit Lauren Hart fällt die Bilanz innerhalb der Band damit eindeutig positiv aus. Die Sängerin wurde laut Erlandsson bereits beim ersten Konzert von den Fans angenommen. Gleichzeitig arbeiten Amott und Erlandsson weiter an neuen Demos und bereiten die nächsten Studioaktivitäten vor.
Quelle: EMP
Marc Blessing
Marc ist Webmaster, Chefredakteur und Fotograf des Paranoyd Magazins. Als Spezialist für Rock und Metal News sowie Hausfotograf des LKA Longhorns verbindet er Szenekenntnis mit technischem Know-how. Er liefert authentische Konzertberichte, professionellen Content und prägt seit Beginn Qualität, Glaubwürdigkeit und digitale Stärke des Paranoyd Magazins.
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