Die New Yorker Thrash-Institution ANTHRAX stellt die Nerven ihrer Anhängerschaft auf eine harte Belastungsprobe. Eigentlich sollte das neue, noch unbetitelte Studioalbum der Legenden bereits im Mai 2026 die Gehörgänge massieren, doch nun wurde bestätigt: Der Release verschiebt sich nach hinten. Markiert euch den September 2026 im Kalender, denn erst dann wird das neue Album und damit der lang ersehnte Nachfolger zum 2016er-Meilenstein „For All Kings“ serviert.
ANTHRAX im Studio von Dave Grohl: Akribie statt Massenware
Ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt für den Frühling dennoch bestehen: Um die quälende Wartezeit zu versüßen, wird die erste Single inklusive eines bildgewaltigen Musikvideos bereits im Mai das Licht der Welt erblicken. Dass die Truppe um Riff-Lord Scott Ian keine halben Sachen macht, unterstreicht schon die Wahl des Aufnahmeortes. Die Arbeiten fanden unter anderem im heiligen Studio 606 von Dave Grohl in Kalifornien statt – ein Ort, der für organischen und druckvollen Sound steht wie kaum ein zweiter. An den Reglern saß erneut Jay Ruston, der bereits den modernen Klassikern „Worship Music“ und „For All Kings“ ihren unverwechselbaren Stempel aufgedrückt hat.
Drummer-Ikone Charlie Benante bezog in einem Interview mit dem australischen Everblack Podcast Stellung zur Verzögerung. Laut dem Taktgeber war der Schritt unumgänglich, um an den allerletzten Nuancen zu feilen und den strategisch perfekten Zeitpunkt für den weltweiten Release abzupassen. In einer Zeit, in der Platten oft lieblos auf den Markt geworfen werden, wirkt diese Detailversessenheit wie ein echtes Qualitätsversprechen an die Fans. Nach einer Dekade des Wartens kommt es auf diese paar Monate nun auch nicht mehr an, wenn das Ergebnis am Ende die Wände zum Wackeln bringt.
Jede Nummer eine Waffe: Die Band strotzt vor Selbstbewusstsein
Wenn man den vollmundigen Aussagen der Musiker Glauben schenkt, erwartet uns im September nichts Geringeres als ein akustischer Überfall. Die Bandmitglieder zeigen sich ungewöhnlich euphorisch über das neue Material. Benante betonte mit Nachdruck, dass es auf dieser Platte keinen Platz für Füller gibt: „Jeder Song auf diesem Album steht für sich. Einer ist genauso stark wie der nächste.“ Eine Ansage, die bei einer Band mit dieser Diskografie die Erwartungen in schwindelerregende Höhen treibt.
Auch Scott Ian schlägt in die gleiche Kerbe und verglich das Album sinngemäß mit einer geladenen Waffe, die nur darauf wartet, endlich auf die Menschheit losgelassen zu werden. Bisher durfte nur ein verschwiegener Kreis das komplette Werk hören, doch die interne Begeisterung scheint regelrecht überzukochen. Es ist spürbar: Die Truppe brennt auch nach über 40 Jahren Bandgeschichte noch lichterloh.
Warum wir zehn Jahre auf neues Futter warten mussten
Die Frage, warum seit dem letzten Langspieler eine gefühlte Ewigkeit vergangen ist, beantwortet Scott Ian gewohnt direkt und ohne Umschweife. „Es war eine fatale Kombination aus extrem ausgedehnten Tourzyklen und der globalen Zwangspause durch die Pandemie.“ Rechnet man die reine Netto-Arbeitszeit zusammen, kommt man laut Ian auf etwa drei Jahre – ein Zeitraum, der für eine Produktion dieser Größenordnung heutzutage fast schon den Standard markiert. Paranoyd bleibt für euch natürlich am Ball, ob dieser Perfektionismus am Ende den hohen Thron des Thrash Metal verteidigen kann.
Interessant ist zudem eine mutige Entscheidung bezüglich der Tracklist: Es wird diesmal keinerlei Cover-Songs auf dem Album geben. Obwohl die Band im Studio intensiv mit Material von Van Halen experimentierte und live gerne Black Sabbath zitiert, haben es diese Aufnahmen nicht durch das strenge interne Sieb geschafft. Der Fokus liegt zu 100% auf eigenen, frischen Kompositionen. Erste Teaser, die während der gemeinsamen Tour mit Megadeth und Exodus angespielt wurden, sorgten bereits für einen massiven Flächenbrand in den sozialen Medien. Für die kommenden Shows, unter anderem in Australien, verdichten sich die Hinweise, dass die Band die Live-Kostproben sogar noch ausweiten wird.
Nach zehn Jahren der Funkstille steht fest: Anthrax sind nicht zurückgekommen, um Gefangene zu machen. Die Symbiose aus der Erfahrung von Jay Ruston, dem Vibe von Dave Grohls Studio und dem unbändigen Hunger der New Yorker lässt Großes erahnen. Der Mai bringt den ersten Schlag, der September den finalen Knockout.
Quelle: Everblack Podcast
Marc Blessing
Marc ist Webmaster, Chefredakteur und Fotograf des Paranoyd Magazins. Als Spezialist für News, Hausfotograf des LKA Longhorns und IMAGO-Contributor verbindet er tiefgreifende Rock-Expertise mit technischem Know-how. Marc liefert authentische Konzertberichte, professionellen Content sowie pointierte Kolumnen und bildet von Beginn an das journalistische und technische Fundament vom Paranoyd-Magazin.





