Stuttgart, 10.01.2026: Ein Punkrocktag, der bereits am Nachmittag begann, internationale Überraschungen bereithielt und in einem intensiven Gemeinschaftserlebnis gipfelte: ZSK, Rogers und Rumkicks verwandelten das Wizemann in einen Ort, an dem Kinderkonzert, politische Haltung, Nahbarkeit und pure Energie nahtlos ineinandergriffen. Von einer speziellen Show für die jüngsten Fans über spontanen Support aus Südkorea bis hin zu einem kraftvollen Finale mitten im Publikum, zeigte dieser Abend eindrucksvoll, wie Punkrock Generationen verbinden kann.
Punk begann am Nachmittag
Ein gewöhnlicher Konzertbericht würde vermutlich mit kaltem Wetter, Warteschlangen und dem Warten auf den Einlass beginnen. Doch bei ZSK greift das für mich zu kurz – denn dieser Tag begann schon viele Stunden früher.
Bereits gegen 14:30 Uhr herrschte reges Treiben vor dem Wizemann-Areal. Zwischen Tourbussen und Cluballtag standen auffallend viele Kinder mit ihren Eltern. Der Grund: Parallel zur eigentlichen „Feuer und Papier“-Tour spielte die Band eine zusätzliche Show speziell für Kids zwischen ein und zwölf Jahren. Popcorn, Konfetti, kleine Schatztüten und vor allem richtig laute Musik sorgten dafür, dass Punkrock hier zum ersten Live-Erlebnis wird. Nach dem Konzert gab es noch ein Meet & Greet – ein besonderer Auftakt für einen ohnehin besonderen Tag.

Credit: Philipp Schadegg
Überraschung aus Südkorea: Rumkicks
Am Abend übernahm dann der reguläre Konzertbetrieb – allerdings nicht ohne Überraschung. Kurzfristig wurden Rumkicks aus Südkorea als zusätzlicher Support angekündigt. Punk aus Südkorea? Ich war neugierig, aber auch skeptisch.
Die Zweifel waren jedoch schnell verflogen. Die drei Musikerinnen entpuppten sich als wahre Energiebündel und eröffneten den Abend mit melodischem Punkrock, der sofort zündete. Besonders sympathisch: Die Sängerin überraschte immer wieder mit deutschen Ansagen. Rumkicks sind weit mehr als nur ein Warm-up und holten mich – und den restlichen Club – von der ersten Minute an ab.

Credit: Philipp Schadegg
Rogers: Punkrock aus Düsseldorf
Danach wurde es Zeit für die Rogers. Neben der musikalischen Wucht nutzten sie die Bühne auch für politische Statements und klare Worte. Der Sänger sprach offen über seine psychische Gesundheit und ermutigte insbesondere Männer, sich mit ihrer eigenen Psyche auseinanderzusetzen. Ein wichtiger Moment, der spürbar ernst genommen wurde.
Musikalisch saß jeder Song, doch spätestens bei „Kreuzberger Nächte sind lang“ gab es kein Halten mehr. Eine scheinbar endlose Polonaise zog sich durch den gesamten Club. Als Outro setzten harte Elektrobässe einen überraschenden, aber wirkungsvollen Schlusspunkt.
ZSK: Mehr als nur ein Konzert
Mit ZSK erreichte der Abend schließlich seinen Höhepunkt. Ein powervoller Opener inklusive Konfetti setzte direkt ein Ausrufezeichen, bevor Frontmann Joshi keine Sekunde zögerte und in die Menge sprang, um von dort weiterzusingen.

Credit: Philipp Schadegg
Was folgte, fühlte sich für mich weniger wie ein klassisches Konzert an, sondern eher wie ein Fest des Zusammenhalts. Kaum eine andere deutsche Punkrockband versteht es so gut, Fannähe zu leben: Crowdsurfen des Sängers, Songs mitten im Publikum, Kletteraktionen auf die Bühne und der direkte Sprung zurück in die Menge – alles ist Teil dieser Show. Dabei wirkte nichts aufgesetzt, sondern ehrlich und ungezwungen.
Gemeinschaft, Politik und ein großes Finale
Natürlich blieb es nicht unpolitisch. Gemeinsam mit Rogers wird „Sommer ohne Nazis“ performt – ein Moment, der deutlich macht, dass Haltung an diesem Abend kein Beiwerk, sondern fester Bestandteil war.
Zum großen Finale kehrte noch einmal die Sängerin von den Rumkicks zurück und sprang ebenfalls in die Menge. Ein starkes, verbindendes Schlussbild. Am Ende verließ ich das Wizemann, wie viele andere auch, mit einem sichtbaren Grinsen und dem Gefühl, Teil von etwas Besonderem gewesen zu sein. Ein rundum gelungener Abend, der zeigte, wie Punkrock Generationen verbinden kann.
ZSK
Rogers
Rumkicks
Philipp Schadegg
Philipp Schadegg Gastfotograf und Gastredakteur aus Fellbach. Für das Paranoyd Magazin begleitet er Konzerte und Festivals – authentisch, nah dran und unabhängig. Mit seinem erfahrenen Blick für die Live-Atmosphäre und unabhängigem Journalismus.
































