Vaentis im Wizemann: Intime Club-Atmosphäre, maximale Metalcore-Eskalation!

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Stuttgart, 23.01.2026 – Tour-Stopp „Invocation 01 – The Awakening 2026der Metalcore Band Vaentis (ehemals Neverland in Ashes) im Wizemann. Für den Tour-Support sind Dishonor und Artemis Rising mit am Start. Auch ohne volles Haus wurde der Abend im Wizemann alles andere als halbherzig.

Schon beim Betreten des Studios im Wizemann fiel mir auf, dass der Raum an diesem Abend leider nicht ganz ausverkauft war. Das änderte jedoch nichts daran, wie viel Einsatz alle Bands auf der Bühne zeigten. Im Gegenteil: Gerade diese etwas intimere Atmosphäre ließ den Abend persönlicher wirken und machte deutlich, dass eigentlich alle spielenden Acts deutlich mehr Publikum verdient gehabt hätten.

Dishonor – Voller Wucht nach vorne

Den Auftakt machten Dishonor – und zwar ohne Umschweife. Von der ersten Minute an eröffneten sie mit voller Wucht und schafften es, das Publikum sofort mitzunehmen. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten: Mitwippen, Nicken, erste Bewegungen im Pit. Dishonor ließen keinen Zweifel daran, dass man von ihnen in Zukunft noch einiges erwarten darf.

Besonders stark fand ich, wie souverän sie ihre vergleichsweise kurze Spielzeit nutzten. Die rund 25 Minuten vergingen wie im Flug. Als Abschluss gab es mit einem Cover von Slipknots „Psychosocial“ noch einen echten Stimmungsgarant, der den Saal endgültig auf Betriebstemperatur brachte.

Artemis Rising – Electro trifft Metal

Was danach folgte, überraschte mich mehr, als ich erwartet hätte. Artemis Rising zeigten eindrucksvoll, wie gut elektronische Musik und Metal tatsächlich zusammenpassen können. Hartes, lang gezogenes Growling traf hier auf treibende Hardstyle-Beats – und das funktionierte erstaunlich gut.

Spätestens bei „Pump Up the Jam“ in einer Metalcore-Version war klar, dass diese Mischung kein Gimmick, sondern ein durchdachtes Konzept ist. Sänger Daniel überzeugte mit einer enormen Bühnenpräsenz und hielt den Kontakt zum Publikum konstant aufrecht. Für mich war das Fazit eindeutig: Ein mega Auftritt mit einem Mix aus Metalcore, Hardstyle und Drum & Bass, den ich so bisher noch nicht gehört hatte – und der definitiv Lust auf mehr machte.

Vaentis – Druck, Tiefe und Eskalation

Als Vaentis schließlich die Bühne betraten, war der Boden mehr als bereitet. Von der ersten Minute an spielte die Band enorm druckvoll. Die beiden Sänger ergänzten sich perfekt: melodische Passagen und tiefgründige, kraftvolle Vocals griffen nahtlos ineinander, ohne sich gegenseitig zu überlagern. Stattdessen entstand eine Dynamik, die sich direkt auf den Raum übertrug. Ich hatte schnell das Gefühl, nicht nur Zuschauer zu sein, sondern Teil des Geschehens.

Im Publikum wechselte die Stimmung immer wieder zwischen konzentriertem Genießen und kollektivem Mitwippen. Besonders hängen blieb mir ein langsamer Song, bei dem plötzlich überall Feuerzeuge und Handylampen gezückt wurden. Für einen kurzen Moment lag eine beinahe andächtige Ruhe im Raum. Diese wurde jedoch gezielt gebrochen, als der nächste Song in einer kompromisslosen Wall of Death endete, die direkt in einen Moshpit überging. Der Übergang wirkte organisch und zeigte, wie sicher Vaentis mit Spannungsbögen umgingen.

Auch visuell wurde einiges aufgefahren. CO₂-Rauchsäulen, intensive Stroboskop-Einsätze und sehr atmosphärisches Licht unterstützten die Musik, ohne sie zu überlagern. Alles wirkte durchdacht und passend zur jeweiligen Stimmung.

Besonders spannend fand ich die neu interpretierten Songs ihrer alten Band. Sie fügten sich nahtlos ins Set ein und wirkten nicht wie nostalgische Rückblicke, sondern wie eine konsequente Weiterentwicklung. Man merkte deutlich, dass hier musikalische Vergangenheit bewusst weitergetragen wurde.

Am Ende des Abends blieb bei mir vor allem ein Gedanke hängen: Auch wenn das Studio im Wizemann nicht ausverkauft war, lieferten Dishonor, Artemis Rising und Vaentis eine Show ab, die deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt hätte. Dass die Tour bereits am nächsten Tag in München enden sollte, verlieh dem Abend zusätzlich das Gefühl, Teil eines besonderen Moments gewesen zu sein.

Vaentis

Artemis Rising

Dishonor

Philipp Schadegg

Philipp Schadegg

Philipp Fotograf und Redakteur aus Fellbach. Für das Paranoyd Magazin begleitet er Konzerte und Festivals – authentisch, nah dran und unabhängig. Mit seinem erfahrenen Blick für die Live-Atmosphäre und unabhängigem Journalismus.

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