Nur vierundzwanzig Stunden nach der offiziellen Veröffentlichung ihres brandneuen, zwölf Songs starken Studioalbums „Neon Dom“ lud die Dark-Rock-Instanz Unzucht am 16. Mai zur exklusiven Record-Release-Show nach Stuttgart. Das Studio im Wizemann bot hierfür den perfekten, intimen und zugleich hochenergetischen Rahmen. Ein Abend, der von technischer Improvisation, klaren Statements und tiefen emotionalen Momenten geprägt sein sollte.
The Last Decade: Authentischer Dark Rock zum Auftakt
Pünktlich um 19:00 Uhr eröffneten The Last Decade den Konzertabend. Die Band, die im vergangenen Jahr ihre viel beachtete EP „Return To Now“ auf den Markt gebracht hatte, zog das Stuttgarter Publikum von der ersten Sekunde an in ihren Bann. Mit einem wunderbar atmosphärischen, klassischen Dark Rock trafen sie exakt den Nerv der anwesenden Szene-Gänger.
Bereits bei der packenden Nummer „Vigilance“ zeigte sich das Studio beachtlich gefüllt und die Resonanz war spürbar positiv. Spätestens beim treibenden „Shadowman“ hatten The Last Decade das Eis endgültig gebrochen. Die Band sprühte vor Spielfreude, sorgte für exzellente Stimmung im Saal und brachte den einen oder anderen Fan im dicht gedrängten Club bereits frühzeitig zum Tanzen. Mit „Destination unknown“ und „Wasteland“ verabschiedete sich die Band vom Publikum. Ein rundum gelungener Einstand.
Unzucht: Technische Tücken im Kollektiv bezwungen
Kurz nach 20:00 Uhr erloschen die Lichter erneut, und unter ohrenbetäubendem Jubel betraten Unzucht die Bühne, um das neue Zeitalter ihres „Neon Dom“ einzuläuten. Der charismatische Frontmann Timm feuerte das Publikum von Beginn an unaufhörlich an und die Menge war sofort auf Betriebstemperatur. Doch die Band wurde direkt zu Beginn vor eine ungeplante Herausforderung gestellt: Das Schlagzeug streikte unerwartet – die Bassdrum funktionierte nicht.
Was in einer langen Unterbrechung hätte enden können, verwandelte sich in einen Moment des Zusammenhalts. Ohne zu zögern übernahm das Stuttgarter Publikum den Rhythmus und stampfte die Bassdrum kurzerhand kollektiv mit den Füßen auf den Hallenboden. Getragen von dieser enormen Fan-Energie meisterte die Band die technische Panne und feuerte im Anschluss Kracher wie „Todsünde 8“ und das monumentale „Feuerregen“ ins begeisterte Publikum.
Bei der Hymne „Nur die Ewigkeit“, explizit all jenen gewidmet, die heute nicht mehr unter uns weilen können, verwandelte sich das Studio in ein emotionales Meer aus erhobenen Armen. Ein packender Moment, der für spürbare Gänsehaut im gesamten Saal sorgte.
Nach diesem emotionalen Höhepunkt zog das Tempo wieder an. Frontmann Timm fragte grinsend in die Menge, ob die Band ein wenig schneller machen solle, woraufhin das Studio mit dem peitschenden „Jenseits der Welt“ regelrecht explodierte. Die Band hatte an diesem Abend ohnehin allen Grund zur Freude, denn es galt gleich ein dreifaches Jubiläum zu zelebrieren: Das brandneue Album feierte seine Live-Premiere, der Sänger beging sein zweijähriges Bandjubiläum und obendrein war es seine allererste Show mit Unzucht in Stuttgart.
Mit unbändiger Energie ging es weiter durch das „Monsterfreilaufgehege“. Kurz darauf folgte die scherzhafte Frage des Frontmanns an die vorderen Reihen, ob das Publikum „eins auf die Fresse“ wolle – die perfekte Überleitung für den brachialen Nackenbrecher „Kettenhund“. Doch direkt im Anschluss an die harte Nummer setzte die Band ein unmissverständliches, wichtiges Zeichen, das von den Fans mit lautstarkem Applaus quittiert wurde: Bei Konzerten von Unzucht ist absolut kein Platz für Hass und Diskriminierung!
Für den emotionalen Höhepunkt des Sets sorgte Daniel de Clercq. Ganz allein stand er im Scheinwerferlicht auf der Bühne und intonierte den tiefenwirksamen Song „Nie mehr Zurück“. Die Intimität und Wucht dieses Songs waren so intensiv, dass Daniel sichtlich mit den Tränen zu kämpfen hatte. Das Publikum ehrte diese nackte Ehrlichkeit mit einem minutenlangen, tosenden Applaus. Mit dem Fan-Favoriten „1000 Scherben“ und dem epischen „Engel der Vernichtung“ verabschiedete sich die Band vorerst unter lautstarken, rhythmischen „Unzucht!“-Sprechchören von der Bühne.
Lange ließen sich die Dark-Rocker jedoch nicht bitten. Für den Zugabenblock kehrten sie zurück, um dem Studio mit dem Klassiker „Nein“ den Rest zu geben. Passend zum Release-Wochenende folgte mit „Katharsis“ eine weitere triumphale Live-Premiere des neuen Albums, bevor der finale, selbstbetitelte Kulthit „Unzucht“ ein absolut denkwürdiges Konzert endgültig beschloss. Stuttgart hat bewiesen, dass es nicht nur feierwütig, sondern auch absolut textsicher ist. Ein grandioser Einstand für den „Neon Dom“!
Ende November gehen Unzucht auf „Neon Dom -Tour“. Die Tickets für die Tour bekommt ihr bei Eventim.
Unzucht
The Last Decade
Selina Dreher
Selina Fotografin und Redakteurin beim Paranoyd Magazin. Sie dokumentiert die dunkle Szene – von Gothic-Rock bis NDH. Selina versteht es, Live-Momente authentisch und leidenschaftlich einzufangen und verbindet visuelle Ästhetik mit fundierter Berichterstattung über die Facetten der schwarzen Szene.


















































