STUTTGART 21.02.2026 – Während nebenan die Grünen zur politischen Versammlung luden, schlangelte sich vor der Clubstage im Wizemann eine lange Reihe schwarzer Jeanskutten durch den Stuttgarter Regen. Ein reizvoller Kontrast: Drinnen wurde debattiert, draußen warteten die Fans von In Extremo, Eisbrecher, Slime und Dritte Wahl. Kein Wunder, schließlich vereint das Kollektiv UNIVERSUM25 genau diese Welten. Laut, hart und unverkennbar eigen.
An einem verregneten, kalten Samstagabend fand im Wizemann eine große politische Veranstaltung der Grünen statt – und nur wenige Meter weiter warteten zahlreiche betagte Rocker in ihren Jeanskutten geduldig in der langen Schlange vor dem Einlass. Ein schöner Kontrast. Während drinnen diskutiert wurde, standen draußen Fans mit bunten Patches von In Extremo, Eisbrecher, Slime und Dritte Wahl. Kein Wunder – schließlich vereint UNIVERSUM25 genau diese musikalischen Welten in einem Kollektiv. Laut. Hart. Und bunt.
Schon in der Schlange war zu spüren, dass hier kein gewöhnliches Konzert stattfinden würde. Man kannte sich, nickte sich zu, fachsimpelte über frühere Shows der jeweiligen Hauptbands. Es war dieses besondere Gefühl, wenn Fans unterschiedlicher Szenen zusammenkommen, weil etwas Neues entstanden ist, das trotzdem vertraut wirkt.
SOAB – Norddeutscher Charme zum Auftakt
Den Start in den Abend machten die Rostocker von SOAB. Das Sängerduo nahm die Zuschauer mit seinen deutschen Texten direkt mit und band vor allem die erste Reihe immer wieder aktiv ein. Zwischen den Songs gab es norddeutschen Schnack: locker, sympathisch, nahbar.
Sie schafften es, über ihr gesamtes Set hinweg eine konstant gute Stimmung aufzubauen. Animierende Songs wechselten sich mit kurzen Ansagen ab, die Clubstage füllte sich zunehmend. Mitten im Set erleuchtete plötzlich ein Meer aus LED-Lichtern die Bühne und tauchte den Raum in eine besondere Atmosphäre. Nach den letzten Songs verabschiedete sich SOAB unter tosendem Applaus – ein starker Auftakt.

UNIVERSUM25 – Brachialer Industrial-Rock mit klarer Ansage
Nach einer kurzen Umbau- und Verschnaufpause war die Clubstage bis auf den letzten Platz gefüllt. Schließlich betraten UNIVERSUM25 die Bühne – und das ausgerechnet am Tag nach dem Release ihres neuen Albums „Die Maschinen wollen leben“. Mit Michael Rhein, dessen markante Stimme man sofort erkannte, sowie Musikern aus Bands wie In Extremo, Eisbrecher, Dritte Wahl und Slime stand hier geballte Erfahrung auf der Bühne. Doch statt wie ein loses Projekt wirkte die Band wie eine feste Einheit – eingespielt, souverän, voller Spielfreude.
Von Beginn an entstand eine enge Verbindung zwischen Band und Publikum. Textsicher wurden die Songs mitgesungen, rhythmisch geklatscht, Fäuste gingen nach oben. Sichtlich ergriffen und dankbar verkündete Rhein zwischen zwei Songs, dass der Abend ausverkauft sei – und man durchaus stolz darauf sei. Zu Recht.
Zwischen den Songs neckten sich die Bandmitglieder gegenseitig, immer mit einem Augenzwinkern. Diese Lockerheit machte das Projekt greifbar und lebendig. Doch musikalisch blieb es ernst: Stampfende Industrial-Rhythmen trafen auf messerscharfe Texte und eine dichte Atmosphäre. Gerade die neuen Songs vom aktuellen Album fügten sich nahtlos ins Set ein und wirkten live noch druckvoller.
Spätestens beim Song „Wir warten“ kochte die Stimmung über. Das Publikum sang stellenweise lauter als die Band selbst – ein Moment, der sich eingebrannt hat. Dieser Chor aus hunderten Stimmen zeigte, wie sehr diese Songs bereits angenommen wurden.
UNIVERSUM25 sind mehr als nur eine Supergroup bekannter Namen. Sie sind ein Kollektiv mit Haltung, mit Wucht und mit einem Sound, der aktuell und relevant ist. Und so verließ ich das Wizemann dankbar – für einen Abend, der laut war, kritisch, gemeinschaftlich. Und genau deshalb so wichtig.
UNIVERSUM25
SOAB
Philipp Schadegg
Philipp Fotograf und Redakteur aus Fellbach. Für das Paranoyd Magazin begleitet er Konzerte und Festivals – authentisch, nah dran und unabhängig. Mit seinem erfahrenen Blick für die Live-Atmosphäre und unabhängigem Journalismus.























