Kleiner Rahmen, große Energie: Twin Noir starten Tournee im Stuttgarter „Im Wizemann“

Twin Noir | Im Wizemann „Studio“ | Stuttgart 02.10.2026 – Credit: Sören Wittmann

Twin Noir, Stuttgart, 02.10.2026 – Nach einem intensiven Festivalsommer zieht es die Live-Musik wieder zurück in die verdunkelten Clubs. An diesem Freitagabend feierte das Duo TWIN NOIR im Stuttgarter „Studio“ den Auftakt seiner Herbsttournee zur neuen Scheibe „Chapter III“. Ein angenehm überschaubarer Abend, der sowohl musikalisch als auch aus der Perspektive hinter der Kamera eine entspannte Abwechslung bot.

Der Reiz eines Clubkonzerts liegt oft in seiner Konzentration auf das Wesentliche. Nach Wochen und Monaten auf Großveranstaltungen, auf denen dutzende Bands im Akkord abgelichtet werden müssen und im Nachgang Tausende von Fotos sortiert und bearbeitet werden wollen, versprach dieser Abend eine wohltuende Reduktion: nur eine Band, rund anderthalb Stunden Live-Performance, kurze Wege und ein überschaubares Programm.

Die Rahmenbedingungen und Organisation im Stuttgarter Im Wizemann zeigten sich an diesem Freitagabend vielversprechend. Obwohl das Areal durch drei parallel stattfindende Events gut besucht war und sich um 19:00 Uhr eine lange Schlange vor dem Eingang bildete, verlief der Einlass diesmal recht zügig und ohne größere Verzögerungen. Da die Hauptströme des Publikums vor allem zu den Rap-Veranstaltungen in der großen Halle und im Club strebten, blieb das kleinere „Studio“ zunächst recht leer. Bis zum Konzertbeginn füllte sich der Raum jedoch recht gut. Mit geschätzten 150 bis 200 Besucherinnen und Besuchern war das Studio optisch gut besetzt, bot aber dennoch ausreichend Bewegungsfreiheit – ideale Arbeitsbedingungen für die Konzertfotografie ohne das gewohnte Gedränge im Fotograben.

Twin Noir vor begeistertem Publikum beim Konzert beim Konzert in Noir – Credit: Sören Wittmann

Von Punk bis Wave: Wechselnde Formationen und minimalistische Show

Der für 20:00 Uhr angesetzte Beginn verzögerte sich um einige Minuten, was dem Ablauf im Ein-Band-Format jedoch keinen Abbruch tat. Eingeleitet wurde die Show eher ungewöhnlich durch das eingespielte Intro von Marlene Dietrichs Klassiker „Ich hab’ noch einen Koffer in Berlin“. Anschließend betrat die Formation die Bühne. Obwohl insgesamt drei Personen zum Line-up des Abends gehörten, agierten über die gesamte Spieldauer hinweg jeweils nur zwei Musiker gleichzeitig auf der Bühne – abgesehen von einem kurzen Übergangssong. Das Konzert war strukturell in zwei nahtlos ineinander übergehende Abschnitte unterteilt, ein Punk Set und ein Wave Set.

Das optische Setting blieb dabei bewusst minimalistisch. Zwei glitzernde Aufsteller mit dem Bandlogo „Twin Noir“ im Hintergrund bildeten das gesamte Bühnenbild. Auch die Lichtgestaltung hielt sich zurück und verweilte weitgehend statisch in violetten Farbtönen. Dieser Verzicht auf aufwendige Effekte stellte die musikalische Darbietung klar in den Vordergrund. Musikalisch bewegte sich der Auftritt in der Schnittmenge aus Synth-Wave und Post-Punk. Das Fundament bildeten Drumcomputer und Synthesizer, ergänzt durch E-Gitarre, E-Bass, Keyboard und Live-Gesang. Für ein ungewöhnliches Element sorgte ein kurzer Einsatz eines Theremins direkt im Publikum. Zwar brachte dieser Ausflug die Abstimmung der Gitarre im Nachgang kurzzeitig etwas aus dem Konzept, was jedoch souverän überspielt wurde und den Fluss der Show nicht nachhaltig störte.

Zwischenmenschliche Dynamik und gelungener Auftakt

Auf der Ebene der Band-Publikum-Interaktion zeigte sich die Formation nahbar und humorvoll. Ein Element war das gemeinsame „Miau“-Rufen zwischen Bühne und Raum. Sänger Cody Barcelona, dessen Mimik und Sprechen streckenweise leichte Erinnerungen an Bill Kaulitz weckten, wandte sich mehrfach direkt an die anwesenden Zuschauer. Neben augenzwinkernden Ansagen wie „Nice to meet you, Küsschen, Küsschen“ sprach die Band auch expliziten Dank für die Nutzung des Kartenvorverkaufs aus, der Touren in dieser Größenordnung überhaupt erst kalkulierbar macht.

Das Stuttgarter Publikum nahm das zweigeteilte Set positiv auf. Zwar blieb das Tanzgeschehen im Raum eher auf einzelne Bereiche konzentriert, doch der durchgängige Beifall sowie die Zugaberufe nach dem regulären Set verdeutlichten den Spaß und die Begeisterung des Publikums. Kurz nach 21:30 Uhr endete die Performance. Im Anschluss nutzten viele Gäste die Gelegenheit für kurze Gespräche, Autogramme oder den Kauf von Tonträgern und Merchandise direkt am Stand, bevor sich die Besucher in den Abend verabschiedeten. Für TWIN NOIR markierte dieser Auftritt im Stuttgarter Studio einen handwerklich soliden und stimmungsvollen Start in ihre „Chapter III“-Herbsttournee 2026.

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Sören Wittmann

Sören ist Konzertfotograf beim Paranoyd Magazin. Er fängt die Leidenschaft von Live-Musik ein – von Irish/Folk Punk bis Metal und Musicals. Als Festival-Experte liegt sein Fokus auf den unentdeckten Perlen der Szene und kleineren, atmosphärischen Events abseits des Mainstreams.

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