Seit 20 Jahren prägen die Australier von Thy Art Is Murder das Deathcore-Genre wie nur wenige andere Bands. Im Sommer standen natürlich auch Auftritte auf europäischen Festivals auf dem Programm, und um die freien Tage dazwischen zu überbrücken, kamen einige Clubshows dazu. Eine davon führte die Band am 12. August 2026 in den Schlachthof nach Wiesbaden. Unterstützt wurden Thy Art Is Murder von Sun Eater, Signs Of The Swarm und Fit For An Autopsy. Bei tropischen 38 Grad Celsius wurde es ein entsprechend heißer Abend.
Sonnenfinsternis = Sun Eater
Den Anfang machten bereits um 18:30 Uhr die Lokalmatadoren von Sun Eater. Seit Kurzem mit neuem Frontmann Sten am Mikrofon, startete das Quartett kompromisslos mit seinem harten Sound. Obwohl der Schlachthof zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht besonders gut gefüllt war, ging es vor der Bühne bereits ordentlich zur Sache. Circle- und Moshpits bildeten sich, während Sun Eater mit voller Energie durch ihr Set gingen.
Eine besondere Überraschung gab es zum Abschluss des rund 30-minütigen Auftritts. Lukas Nicolai, der die Band im vergangenen Jahr verlassen hatte, weil die Doppelbelastung mit Mental Cruelty und Sun Eater nicht mehr zu stemmen gewesen war, kehrte für das letzte Lied noch einmal auf die Bühne zurück. Gemeinsam mit Sten sorgte er für eine doppelte Vocalpower und damit für einen viel umjubelten Abschluss.
Was für ein Auftakt in den Abend. Die kleine Ironie dabei: Während Sun Eater auf der Bühne standen, begann draußen die partielle Sonnenfinsternis.
Signs Of The Swarm: Kurz und intensiv
Als Nächstes betraten Signs Of The Swarm die Bühne und knüpften mühelos dort an, wo Sun Eater aufgehört hatten. Auch im Sound des US-amerikanischen Quartetts war kein Platz für Durchschnaufpausen. Die Band ist für ihren druckvollen Livesound bekannt und enttäuschte auch an diesem Abend nicht.
Lediglich das Mikrofon von Sänger Dave Simonich war nicht optimal abgemischt und übersteuerte des Öfteren. Auf die Energie des Auftritts wirkte sich das allerdings kaum aus. Trotz der zu diesem Zeitpunkt nur etwa zu einem Drittel gefüllten Halle flogen die ersten Crowdsurfer nach vorne.
Mit knapp 30 Minuten fiel das Set zwar kurz aus, dafür war es intensiv und ohne unnötige Pausen.
Urgesteine der Deathcore-Szene: Fit For An Autopsy
Als vorletzte Band des Abends standen mit Fit For An Autopsy weitere Urgesteine der Deathcore-Szene auf der Bühne. Die Band aus New Jersey war seit 2008 aktiv und verband eine besondere Geschichte mit dem Headliner Thy Art Is Murder.
Gitarrist Will Putney, der bei dieser Tour nicht dabei war, arbeitete gleichzeitig als Produzent und hatte unter anderem das letzte Thy-Art-Is-Murder-Album „Godlike“ produziert. Zudem gab es Gerüchte, dass diese Kombination aktuell an neuer Musik arbeitete.

Fit For An Autopsy waren an diesem Abend die einzige Band, die auch einige cleane Vocalparts in ihrem Repertoire hatte. Sänger Joe Badolato wechselte sicher zwischen den verschiedenen Facetten des Sounds, während die Band einen starken und drückenden Livesound auf die Bühne brachte.
Dazu kamen sympathische Interaktionen mit den Fans und 45 Minuten gnadenloser Deathcore. Der Auftritt hatte definitiv das Format eines Headliners.
„Who the f*ck is Jerry Grimefeld?“
Dann war es Zeit für den Headliner. Bereits zu Beginn der Tour hatten Thy Art Is Murder mit einem neuen Gesicht am Mikrofon für Aufmerksamkeit gesorgt. Eine offizielle Erklärung zum Wechsel hatte es im Vorfeld nicht gegeben. Stattdessen tauchten die Australier beim Rockstadt Extreme Festival plötzlich mit einem neuen Frontmann auf.
Der Rückenaufdruck seines Shirts stellte dabei gleich eine provokante Frage: „Who the f*ck is Jerry Grimefeld?“
Und genau diese Frage dürften sich an diesem Abend viele Zuschauer gestellt haben. Grimefeld war bislang eher als australischer Rapper bekannt, beherrschte aber auch den Deathcore ohne erkennbare Mühe. Schnell wurde deutlich, dass hier jemand auf der Bühne stand, der genau wusste, was er tat.
Mit viel Humor und einer Energie, die ihn während des gesamten Sets kaum stillstehen ließ, führte Grimefeld durch die rund 60 Minuten. Er sprang über die Bühne, suchte immer wieder den Kontakt zum Publikum und lieferte einen Querschnitt durch die Diskografie von Thy Art Is Murder.
Die Vermutung, dass Jerry Grimefeld künftig fester Bestandteil von Thy Art Is Murder sein würde, lag zu diesem Zeitpunkt nahe. Ein offizielles Statement der Band oder von Tyler Miller zu seinem Status gab es allerdings weiterhin nicht. Entsprechend wurde in den einschlägigen Foren bereits ausgiebig über die Hintergründe spekuliert.

Hohe Temperaturen und eine starke Stimmung
Dass der Schlachthof an diesem Abend nicht aus allen Nähten platzte, hatte einen nachvollziehbaren Grund. Zeitgleich fanden mit dem Summer Breeze und dem Reload große Festivals statt, während das Tells Bells Festival unmittelbar bevorstand. Für eine Clubshow bedeutete diese Konkurrenz eine entsprechend schwierige Ausgangslage.
Die Fans, die trotzdem nach Wiesbaden gekommen waren, machten daraus allerdings keinen ruhigen Abend. Vor der Bühne wurde gemosht, gecrowdsurft und getanzt, während sich die 38 Grad Außentemperatur auch im Schlachthof deutlich bemerkbar machten.
Thy Art Is Murder, Fit For An Autopsy, Signs Of The Swarm und Sun Eater lieferten trotz der vergleichsweise kleinen Kulisse einen intensiven Deathcore-Abend. Die Halle war vielleicht nicht voll, die Stimmung dafür umso besser. Die anwesenden Fans brachten den Schlachthof ordentlich zum Kochen und machten den Abend für Bands und Publikum gleichermaßen zu einem gelungenen Tourstopp.
Thy Art Is Murder
Fit For An Autopsy
Signs Of The Swarm
Sun Eater
Kevin Richter
Kevin, Fotograf und Redakteur für das Paranoyd Magazin. Er blickt auf eine fundierte Erfahrung durch die Zusammenarbeit mit diversen Musikmagazinen zurück und ist derzeit festes Mitglied der Paranoyd-Redaktion. Kevin verbindet den geschulten Blick für den Moment mit journalistischer Präzision, um authentische Konzertberichte und visuell beeindruckenden Content für die Szene zu schaffen.
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DARKEST HOUR – Support-Tour mit Fit For An Autopsy und Sylosis























































