Stuttgart, 2. September 2026 – The White Buffalo Tour 2026: Der Sommer neigt sich so langsam dem Ende zu, die Open-Air-Festivals schließen allmählich ihre Pforten, und das musikalische Geschehen verlagert sich wieder dorthin, wo Dynamik und Atmosphäre am unmittelbarsten spürbar sind: in die Clubs.
Vergangenen Mittwochabend, den 02.09.2026, bot das Stuttgarter Kulturquartier „Im Wizemann“ den passenden Rahmen für diesen Übergang. Doch statt des gewohnten Trubels aus parallel bespielten Hallen herrschte eine bemerkenswerte Entschleunigung. Nur der Club war geöffnet, ein Umstand, der dem Abend von Beginn an eine angenehm intime Note verlieh.
Die Atmosphäre im Eingangsbereich und Clubraum gestaltete sich entspannt und frei von Hektik. Während sich am Essenhäuschen vor dem Gebäude einige Gäste bei Verpflegung stärkten, sammelte sich das Publikum im Saal ohne Drängeln. Einige schlenderten durch den Raum, andere warteten in ruhigen Gesprächen direkt vor der Bühne. Es war eine unaufgeregte Vorfreude spürbar, die perfekt zur Ankündigung eines Abends passte, der musikalisch eher auf Substanz und Reduktion als auf spektakuläre Showeffekte setzte.
Feinfühliger Auftakt: Paul Holland überzeugt im Alleingang
Pünktlich um 20:00 Uhr betrat der britische Musiker Paul Holland als Support Act die Bühne. Allein mit seiner akustischen Gitarre ausgestattet, gestaltete er ein rund halbstündiges Set, das sich durch große Sympathie und musikalische Klarheit auszeichnete. Holland nutzte die Zeit zwischen seinen Songs für persönliche Anekdoten, die einen Einblick in seinen musikalischen Werdegang gaben.
Besonders prägend war der Hinweis auf seine Eltern, die an diesem Abend ebenfalls im Publikum anwesend waren. Er schilderte, wie sein Vater, geschmacklich im klassischen Rock verwurzelt, einst seine Mutter in die Londoner Clubszene einführte, während sie wiederum Einflüsse aus dem traditionellen Chanson mitbrachte. Aus diesem Spannungsfeld erklärten sich die stilistischen Wurzeln seiner Kompositionen folgerichtig. Mit dem feinfühligen Stück „Sunflower“ beendete Paul Holland nach punktgenau 30 Minuten seinen gelungenen Auftritt und hinterließ ein bestens eingestimmtes Publikum.
Bühnenpräsenz ohne Attitüde: Das Trio um The White Buffalo Jake Smith
Nach einer kurzen Umbaupause betrat Jake Smith, bekannt unter seinem Künstlernamen The White Buffalo, zusammen mit seinen zwei Mitmusikern die Bühne. Das optische Erscheinungsbild war pragmatisch und ungekünstelt: blaues Hemd, eine etwas kurz geschnittene beige Chinohose, offenes langes Haar und der charakteristische graue Vollbart. Ein großflächiges Banner im Hintergrund wies auf den Act hin, während das Schlagzeug auffällig weit an den vorderen Bühnenrand gerückt war. Diese Anordnung gab jedem Musiker sichtbaren Raum und unterstrich den Charakter einer geschlossenen Bandeinheit.
Das anschließende Set umfasste knapp 20 Titel und bewegte sich stilistisch zwischen Country, Singer-Songwriter-Folk und druckvollem Bluesrock. Es gab keine ausufernden Partyszenen, wohl aber einen durchgehend aufmerksamen und nach jedem Stück anhaltenden, kräftigen Applaus. Den unbestrittenen Höhepunkt bildete die Darbietung des bekannten Sons of Anarchy-Titels „Come Join the Murder“, bei dem der Saal im Chor mitsang und für merkliche Gänsehautmomente sorgte.
Zwischen den Songs führte The White Buffalo mit gewohnt markanter, tiefer Stimme locker durch das Programm. Auch ein technischer Defekt gegen Ende des Konzerts, eine zeitweise ausfallende Gitarre, brachte die Band nicht aus der Ruhe und störte die geschlossene Atmosphäre keineswegs. Nach dem offiziellen Ende zeigte sich die Formation nahbar: Der Gitarrist trat noch einmal vor die Bühne, um sich persönlich bei den Fans zu bedanken und Setlists zu verteilen. Um 22:30 Uhr endete die Veranstaltung. Der Abend im Wizemann funktionierte somit als gelungener und unaufgeregter Auftakt in die kommende Indoorsaison, ein Konzert, das durch handwerkliche Ehrlichkeit und eine bemerkenswerte Gelassenheit in Erinnerung bleibt.
Setlist von The White Buffalo im Im Wizemann, Stuttgart
PAUL HOLLAND
Sören Wittmann
Sören ist Konzertfotograf beim Paranoyd Magazin. Er fängt die Leidenschaft von Live-Musik ein – von Irish/Folk Punk bis Metal und Musicals. Als Festival-Experte liegt sein Fokus auf den unentdeckten Perlen der Szene und kleineren, atmosphärischen Events abseits des Mainstreams.



























