Frankfurt, 23.11.2025: Zwischen Gedenken und Gitarren: Am Totensonntag ließ die Metal-Gemeinde in der Batschkapp in Frankfurt die Toten tanzen. The Rasmus lieferten auf ihrer Weirdo-Tour mit Rest in Pieces den passenden Soundtrack. Unterstützt wurden sie von The Funeral Portrait und Block of Flats.
Block of Flats: Opener mit Ohrwurmqualitäten
Um 18:45 Uhr betraten Block of Flats die Bühne. Die vier Finnen veröffentlichten nach zwei EPs und einer Reihe von Singles im Jahr 2023 ihr Debütalbum No Hope For The Hopeless. Die Arbeit am Nachfolger unterbrach die Band gerne für ein paar Wochen, um ihre Landsmänner von The Rasmus auf dieser Tour zu supporten. Einer Anekdote zufolge stammt der Name Block of Flats daher, dass der erste Auftritt der Band in einem Wohnblock im heimischen Porvoo stattfand. Bei der Namenssuche nutzten sie einfach eine Google-Übersetzung dieses Begriffs ins Englische und behielten den Namen bei.
Block of Flats Credit: Björn Vollmuth
Ihre Musik ist eine kraftvolle Mischung aus Alternative Rock, modernem Metal und elektronischen Elementen. Der Sound ist geprägt von wuchtigen Riffs, kombiniert mit großen, eingängigen Pop-Refrains und kreativen Arrangements. Klingt vertraut? Die Band beruft sich auf Vorbilder wie Bad Omens, Architects und Bring Me The Horizon. The Rasmus dürften aber sicher auch einen gewissen Einfluss auf die musikalische Sozialisation der Truppe gehabt haben, und so passte der Sound des Openers perfekt zu dem des später folgenden Headliners.
Neben den Songs Set the World on Fire, I Got Your Back (If You Got Mine), Dead Inside, Lake of Fears und Feels Like vom Debütalbum spielten die Musiker auch die beiden brandneuen Tracks Darkest Days und Lifeline, sowie das bis dato unveröffentlichte I Stand Below it All. Der Sound und die Performance waren über jeden Zweifel erhaben. Der androgyne Sänger Jonne Nikkilä wirkte charismatisch und versprühte auf der Bühne Ville Valo-Vibes. In einem Interview sagte er einmal, dass Block of Flats „eine der größten Bands der Welt“ werden wollen. Der internationale Durchbruch ist jedenfalls bereits in vollem Gange. Diese Tour mit The Rasmus dürfte der Band noch einmal deutlich mehr Aufmerksamkeit in Europa verschaffen.
The Funeral Portrait: Support mit Spielfreude und Soundgewalt
Danach war es an der Zeit für The Funeral Portrait. Die US-amerikanische Alternative-/Emo-Rock-Band, die erstmals auf europäischem Boden tourte, übernahm die Bühne mit Vehemenz. Der hünenhafte Frontmann Lee Jennings stakste übers Parkett, machte wilde Verrenkungen und dirigierte die Band durch ein rund 45-minütiges Set, das von rohem Punk-Drive und melodischer Eingängigkeit lebte. Das Publikum ging sofort mit.
The Funeral Portrait formierte sich 2014 in Atlanta, veröffentlichte 2016 das Debüt A Moment of Silence und machte nach einer nahezu vollständigen Neuformierung zuletzt mit dem 2024 erschienenen Longplayer Greetings From Suffocate City von sich reden. Die Band verbindet Elemente aus Alternative-Rock, Post-Hardcore und Emo mit einer theatralischen Bühnenshow. Sänger Lee hat den Sound der Band einmal mit My Chemical Romance, Ghost und Motionless in White verglichen. Die Formation hat sich eine wachsende internationale Fangemeinde erspielt, die sich selbst als „The Coffin Crew“ bezeichnet, und die auch in Frankfurt zahlreich vertreten war.
The Funeral Portrait Credit: Björn Vollmuth
Die Band spielte den Großteil der Songs vom aktuellen Album, darunter Voodoo Doll, Chernobyl über eine toxische Beziehung und Holy Water. Highlights waren Dark Thoughts und das Finale mit Suffocate City, bei denen das Publikum lautstark mitsang. Die Musiker waren sichtlich zufrieden mit dem Abend. Lee warf sich nach dem letzten Song eine Flagge mit den deutschen Nationalfarben und dem TFP Logo über die Schultern, die ein Zuschauer in der ersten Reihe mitgebracht hatte, und die Band bedankte sich überschwänglich für den herzlichen Empfang in Frankfurt. Doch das sollte nicht das letzte Mal sein, dass Lee an diesem Abend zu sehen und zu hören sein würde.
The Rasmus: Headliner mit Historie und Hingabe
Als dann schließlich The Rasmus die Bühne betraten, schlug die Stimmung umgehend in ausgelassene Begeisterung um. Die Finnen präsentierten ein durchdachtes, dynamisches Set, das neue Songs vom 2025er-Album Weirdo mit Klassikern der Bandgeschichte, insbesondere vom Album Dead Letters aus dem Jahr 2003, mischte. Das Programm pendelte dadurch geschickt zwischen energiegeladenen Rocknummern vom neuen Album und den melodisch-düsteren Momenten, die die Band so unnachahmlich beherrscht, hin und her.
The Rasmus entstanden Mitte der 1990er Jahre in Helsinki als Schülerband um Sänger Lauri Ylönen. International wurden sie vor allem durch den zwischenzeitlich mehrfach mit Platin ausgezeichneten Hit In the Shadows aus dem Jahr 2003 bekannt, der der Band weltweite Aufmerksamkeit und Verkaufszahlen im Millionenbereich bescherte. Seither wechselte ihre Musik zwischen melancholischen Pop-Rock-Hymnen und härteren, moderneren Rockklängen. 2022 trat die Band mit Jezebel beim Eurovision Song Contest in Turin an. Im April 2025 veröffentlichte sie mit Weirdo bereits ihr elftes Album und tourt seither ausgiebig.
Die „klassische“ Besetzung aus Lauri Ylönen (Gesang), Eero Heinonen (Bass), Pauli Rantasalmi (Gitarre) und Aki Hakala (Schlagzeug) prägte The Rasmus lange. Nach dem Ausstieg von Pauli im Jahr 2022 ist die Gitarristin Emilia „Emppu“ Suhonen inzwischen fester Teil der Formation. Diese Kombination aus Altbewährtem und frischem Wind an der Gitarre spiegelt sich auch im Sound des neuen Albums wider, auf dem die Band wieder eine härtere, rockigere Ausrichtung zeigt.

Musikalisch ließ das Konzert keine Wünsche offen: Der Sound war gut, die Band gab sich spielfreudig und das Licht war zwar zum Leidwesen der Fotografen arg düster, aber dadurch immerhin stimmungsvoll und ließ Raum für die Videoproduktion, die hinter der Band lief und passend zu den Songs ein Gewitter, die raue See oder verschiedene Iterationen des Bandlogos zeigte. Die neuen Stücke von Weirdo fügten sich überraschend organisch in das Set ein, sorgten live für mitreißende Momente und zeigten, dass die Band noch lange nicht auf Routine schaltet.
Es gab gleich mehrere Gänsehaut-Momente, bei denen fast alle Anwesenden lautstark mitsangen, darunter Rest in Pieces, Guilty, No Fear, Bullet, Break These Chains, Creatures of Chaos, Banksy, Livin‘ in a World Without You und natürlich das unvermeidliche In the Shadows. Kurz vor dem Ende der Show gab es dann bei Weirdo noch ein Duett mit Lee von The Funeral Portrait, das den Eindruck vermittelte, dass die beiden Bands einen richtig guten Draht zueinander haben.
Fazit
Der Abend in der Batschkapp war ein stimmiger Ausdruck davon, wie etablierte Bands mit neuen Produktionen die Balance halten können zwischen Vertrautem und Wagnis: The Rasmus zeigten, dass sie nach ihren Welthits immer noch Lust auf Weiterentwicklung haben, Block of Flats lieferten als Support eine starke Visitenkarte ab und The Funeral Portrait spielten sich auf sympathische Weise in die Ohren und Herzen der Besucher. Und als um kurz nach 22 Uhr die letzten Akkorde verstummt und die Besucher gegangen waren, durfte der Totensonntag dann doch noch in andächtiger Stille ausklingen.
The Rasmus
The Funeral Portrait
Block of Flats
















































