Wenn zwei Szenegrößen aus Pop-Punk und Punkrock aufeinandertreffen, ist Abriss garantiert. Und genau den gab es am 2. November 2025 in der Frankfurter Festhalle. The Offspring und Simple Plan lieferten an diesem Sonntagabend eine mitreißende Show, die zwischen jugendlicher Nostalgie und zeitloser Energie pendelte: laut, ehrlich und überraschend emotional.
Simple Plan: Jugendlicher Überschwang mit Herz
Den Auftakt machten Simple Plan. Vom ersten Akkord an war klar, dass sie die Bühne nicht bloß vorwärmen, sondern übernehmen wollten. I’d Do Anything brachte sofort Bewegung in die Menge und der nachfolgende Chart-Hit Shut Up! hielt den Spannungsbogen hoch. Frontmann Pierre Bouvier rannte grinsend und gestikulierend umher und motivierte die Fans beim anschließenden Jump mühelos zum Hüpfen im Takt.
Mit Addicted, Jet Lag und Welcome To My Life weckten die Kanadier Erinnerungen an das Lebensgefühl der 2000er-Jahre. Spätestens bei I’m Just a Kid war die ganze Festhalle auf den Beinen und verausgabte sich singend und tanzend. Am Ende des Songs übernahm Sänger Pierre die Drums und Drummer Chuck surfte auf den Händen der Fans durch die Festhalle. Den Ausklang bildete schließlich das gefühlvolle Perfect.

The Offspring: Wuchtig, wild und souverän
Die Wartezeit während der Umbaupause wurde den Fans mit einer Art Halbzeit-Show wie beim Super Bowl verkürzt. Ein kleines, ferngesteuertes Luftschiff mit The Offspring Logo kreiste über der Menge und auf der Leinwand über der Bühne gab es u. a. Bilder einer Kiss Cam, einer Booty Cam und einer Fuck You Cam zu sehen. Dem Publikum gefiel das und die Teilnahme war rege. Dann enterte ein als Gorilla verkleideter Statist die Bühne und heizte die Menge an.
Nach AC/DCs Thunderstruck als Intro schallte der Opener Come Out And Play durch die Halle. Was dann im weiteren Verlauf des Abends folgte, war eine Lehrstunde in kalifornischem Punkrock. Als The Offspring 1984 im sonnigen Kalifornien gegründet wurden, konnte niemand ahnen, dass aus der kleinen Punkband aus dem Vorort Garden Grove einmal eine der prägenden Stimmen der 1990er-Jahre werden würde. Inspiriert von Gruppen wie Dead Kennedys, Bad Religion und Social Distortion mischten Gitarrist und Sänger Dexter Holland und Gitarrist Kevin „Noodles“ Wasserman den aufkeimenden Skatepunk mit Melodie, Geschwindigkeit und einer Prise Zynismus. Rund 40 Jahre später hat die Band eine umfangreiche Diskografie und beeindruckende Verkaufserfolge (über 40 Millionen Tonträger weltweit) vorzuweisen.
Mit Klassikern wie All I Want, Want You Bad und Staring at the Sun schickte die Band das Publikum auf eine Zeitreise in die späten 1990er und frühen 2000er-Jahre. Aufgelockert wurde das Set durch eine ganze Reihe von Coversongs (Paranoid, Crazy Train, In the Hall of the Mountain King, Hey Jude), die teilweise nur kurz angespielt, aber teilweise auch in ihrer Gesamtheit zum Besten gegeben wurden.

Zwischendurch spekulierten Dexter und Noodles, dass schätzungsweise 1,3 Millionen Besucher vor Ort sein dürften. Bei der Vorstellung der Bandmitglieder machte Noodles sich einen Spaß daraus, Dexters Doktortitel im Feld der Molekularbiologie zu erwähnen. Und so kam es, dass nach „Dr. Holland“ auch alle anderen Musiker ehrenhalber von Noodles einen Doktortitel verliehen bekamen.
Bei Gotta Get Away kochte der Innenraum und Why Don’t You Get a Job? wurde zu einem der großen Mitsingmomente des Abends. Auch das brandaktuelle Looking Out for #1 vom neuen Album Supercharged fand einen Platz in der Setlist. Den Höhepunkt bildete ein fulminantes Finale mit u. a. Pretty Fly (for a White Guy) und natürlich Self Esteem.
Sound, Show und Stimmung
Die Produktion war beeindruckend: dynamisches Licht, riesige Videoleinwände, ein für die akustisch schwierige Festhalle ordentlicher Sound und eine energiegeladene Performance, die auch nach 40 Jahren Bandgeschichte kein bisschen an Drive verloren hat.
Das Publikum war ein wilder Mix aus alten Punk-Veteranen, Millennials und vielen jungen Gesichtern, die wohl ihre Erziehungsberechtigten zum Konzertbesuch überredet haben dürften. So wurde generationsübergreifend fröhlich und ausgelassen gemeinsam gefeiert.
Fazit
Frankfurt bekam an diesem Abend keine nostalgische Rückblende, sondern ein lebendiges Statement: Punkrock ist nicht tot, er ist gereift – und immer noch verdammt laut. Trotz der Größe der Festhalle fühlte sich die Show erstaunlich persönlich an. Kein übertriebenes Pathos, kein abgehobenes Rockstar-Gehabe, sondern einfach zwei Bands, die nach wie vor Spaß an ihrer Arbeit haben. Das Konzert bewies, dass viele dieser Songs die Zeit überdauern und noch immer ganze Hallen in Bewegung versetzen. Wer glaubt, Gitarrenmusik sei tot, war wohl einfach nicht in der Festhalle.
The Offspring
Simple Plan
Björn Vollmuth
Björn ist Fotograf & Redakteur beim Paranoyd Magazin. Liebt Hard Rock & Metal und fängt die Emotion von Clubshows und Festivals von seiner Homebase Frankfurt bis bundesweit hautnah ein.































