Düsseldorf, 10.07.2026. 80.000 Besucher, eine der einflussreichsten Alternative-Metal-Bands der vergangenen Jahrzehnte und eine seit Monaten mit Spannung erwartete Veranstaltung: Die Vorfreude auf den Auftritt von System Of A Down im Düsseldorfer Open Air Park war entsprechend groß.
Bevor die große Rockparty jedoch beginnen konnte, rückten zunächst die organisatorischen Herausforderungen rund um das Veranstaltungsgelände in den Mittelpunkt.
Anreise wurde zur Geduldsprobe
Die Zufahrten rund um den neu geschaffenen Open Air Park entwickelten sich bereits Stunden vor Konzertbeginn zu einem Nadelöhr. Über mehr als drei Stunden bewegte sich der Verkehr teilweise nur im Schritttempo, viele Besucher erreichten das Gelände erst deutlich später als geplant.
Die Folge: Zahlreiche Fans, wie auch wir, verpassten das Vorprogramm und somit die Auftritte von Acid Bath und Queens Of The Stone Age. Somit erreichten viele das Konzertgelände erst kurz vor dem Auftritt von System Of A Down gegen 20:45 Uhr.
Auf dem Gelände kehrte bedingt Ruhe ein
Wer das Gelände schließlich erreicht hatte, wurde allerdings mit einem völlig anderen Bild empfangen.
Während außerhalb des Open Air Parks vielerorts Frust und Stillstand dominierten, herrschte auf dem Veranstaltungsgelände eine angenehm entspannte Atmosphäre. In der lauen Abendsonne standen die Besucher gesellig beisammen, unterhielten sich bei Pizza, Burgern oder einem kühlen Bier und stimmten sich gemeinsam auf den bevorstehenden Auftritt von System Of A Down ein.
Das gastronomische Angebot war vielseitig und ließ kaum Wünsche offen. Zahlreiche Getränke- und Essensstände verteilten sich über das weitläufige Schottergelände und machten deutlich, dass der Open Air Park als Veranstaltungsort durchaus Potenzial besitzt. So entspannt sich die Situation auf dem Gelände präsentierte, so deutlich wurden mit zunehmender Besucherzahl allerdings auch die Grenzen der Veranstaltungsfläche.
30 Minuten später als geplant
Mit rund 30 Minuten Verspätung betraten System Of A Down schließlich die Bühne. Nach einem selbst eingespielten Intro eröffnete die Band den Abend mit B.Y.O.B. – kurz für Bring Your Own Bombs – und sorgten bereits mit den ersten Takten für lautstarken Jubel unter den rund 80.000 Besuchern.
Nur Augenblicke später übernahm Gitarrist Daron Malakian das Wort, stimmte das Publikum im typischen System-Of-A-Down-Stil auf den Abend ein und leitete mit Suite-Pee vom selbstbetitelten Debütalbum aus dem Jahr 1998 den eigentlichen Konzertauftakt ein.
Serj Tankian geht kurz auf die Verkehrsproblematik ein
Nach den ersten Songs ging Frontmann Serj Tankian kurz auf die Verkehrsproblematik rund um den Konzertbeginn ein und erklärte die rund 30-minütige Verspätung der Show. Die Besucher nahmen die kurze Ansprache mit zustimmendem Applaus auf.
Gerade bei einer Veranstaltung mit rund 80.000 Besuchern und Ticketpreisen jenseits der 100€ darf ein funktionierendes Verkehrs- und Parkkonzept erwartet werden. Die mehrstündigen Staus rund um das Gelände führten jedoch bei zahlreichen Besuchern zu erheblichem Frust. Für viele begann der Konzertabend nicht mit Vorfreude, sondern mit stundenlangem Stillstand auf den Zufahrtsstraßen.

Wenige Worte, viel Musik
Wer auf lange Ansagen oder ausgedehnte Interaktion mit dem Publikum gehofft hatte, wurde an diesem Abend allerdings kaum bedient. System Of A Down konzentrierten sich nahezu ausschließlich auf ihre Musik. Während Frontmann Serj Tankian zwischen den Songs eher zurückhaltend blieb, war es vor allem Gitarrist Daron Malakian, der immer wieder den Kontakt zur Menge suchte und die rund 80.000 Besucher mit kurzen Ansagen auf Betriebstemperatur hielt.
Große Showeinlagen oder ausschweifende Moderationen benötigte die Band nicht. Die Songs übernahmen an diesem Abend die Hauptrolle und sorgten vom ersten bis zum letzten Titel für eine konstant hohe Intensität.
Circle Pits unter der Einflugschneise
Mit jedem weiteren Song nahm die Dynamik auf dem weitläufigen Infield spürbar zu. Über das gesamte Konzert verteilt öffneten sich immer wieder Circle Pits unterschiedlichster Größe, während tausende Fans die Klassiker der Band lautstark mitsangen.
Ein ungewöhnliches Bild bot sich dabei regelmäßig am Himmel. Im Minutentakt setzten Passagierflugzeuge zum Landeanflug auf den unmittelbar benachbarten Düsseldorfer Flughafen an und überquerten das Konzertgelände in geringer Höhe.
Gerade in den hinteren Bereichen des riesigen Stehplatzfeldes machte sich die enorme Dimension der Veranstaltungsfläche bemerkbar. Der Sound verlor mit zunehmender Entfernung zur Bühne spürbar an Druck und wurde stellenweise sogar von den Triebwerksgeräuschen der Flugzeuge überlagert.

Hinzu kamen die Sichtverhältnisse. Zahlreiche Besucher hatten trotz eines Ticketpreises von rund 110 Euro nur eingeschränkte Sicht auf die Bühne. Tribünen, technische Aufbauten oder die Beschaffenheit des Geländes versperrten teilweise den Blick auf das Bühnengeschehen. Entsprechend groß war der Unmut bei vielen Besuchern. Immer wieder wurde versucht, durch Standortwechsel oder sogar das Klettern auf einzelne Bäume einen besseren Blick auf die Bühne zu erlangen.
Während sich im vorderen Bereich unzählige Circle Pits und Moshpits bildeten, standen viele Besucher in den hinteren Bereichen in kleineren Gruppen zusammen und verfolgten das Konzert aus der Distanz – teilweise notgedrungen, weil das Bühnengeschehen von dort nur eingeschränkt zu erkennen war.
Best-of aus fast drei Jahrzehnten
Musikalisch ließen System Of A Down dagegen kaum Wünsche offen.
Die Setlist glich einem Best-of-Programm der Bandgeschichte und führte durch nahezu alle Schaffensphasen der Kalifornier. Prison Song, Psycho, Needles, Aerials, Lonely Day, Lost in Hollywood oder das frenetisch gefeierte Chop Suey! sorgten immer wieder für lautstarke Fan-Chöre.
Den absoluten Höhepunkt erreichte das Konzert allerdings erst gegen Ende. Mit den ersten Tönen von Toxicity verwandelte sich das riesige Infield schlagartig in ein Meer aus Circle Pits. Über das gesamte Stehplatzfeld verteilt rasteten die Fans förmlich aus, während bengalische Fackeln im Publikum für einen eindrucksvollen optischen Rahmen sorgten.
Direkt im Anschluss setzte Sugar den Schlusspunkt unter einen Konzertabend, der musikalisch einen eindrucksvollen Querschnitt durch die Geschichte von System Of A Down bot.
Fazit: Starke Band, organisatorisch Luft nach oben
System Of A Down lieferten im Düsseldorfer Open Air Park eine routinierte und musikalisch überzeugende Show. Die Setlist bot einen gelungenen Querschnitt durch fast drei Jahrzehnte Bandgeschichte und ließ kaum einen der großen Klassiker vermissen. Gerade in der zweiten Konzerthälfte zeigte sich, warum die Kalifornier bis heute zu den wichtigsten Vertretern des Alternative Metal zählen.
Musikalisch lieferten System Of A Down das ab, was die Fans von ihnen erwarten durften. Rund um den Open Air Park offenbarte die Veranstaltung hingegen enormes Verbesserungspotenzial. Neben dem Verkehrsmanagement und den teils eingeschränkten Sichtverhältnissen auf dem weitläufigen Gelände zeigte auch die organisatorische Abwicklung Schwächen.
Insbesondere an den Zugängen waren Mitarbeitende und Security-Personal bei Nachfragen teilweise nur unzureichend informiert, sodass Besucher nicht immer die benötigte Orientierung oder Unterstützung erhielten. Gerade bei Veranstaltungen dieser Größenordnung sollte die Kommunikation zwischen Veranstalter, Dienstleistern und Sicherheitspersonal deutlich besser aufeinander abgestimmt sein.
Setlist – System Of A Down – 10.07.2026
- Soldier Side (Intro)
- B.Y.O.B.
- Suite-Pee
- Chic 'N' Stu
- Prison Song
- Violent Pornography
- Aerials
- I-E-A-I-A-I-O
- Innervision
- Darts
- Genocidal Humanoidz
- Needles
- Deer Dance
- Radio/Video
- Dreaming (Bridge)
- Hypnotize
- ATWA
- Bounce
- Suggestions
- Psycho
- Chop Suey!
- Lonely Day
- Lost in Hollywood
- Tentative (Gewidmet den Kindern in Gaza, den getöteten Protestierenden im Iran sowie den Menschen im Libanon und Sudan.)
- Spiders
- Forest
- Cigaro (mit "Ballad of My Cock"-Intro)
- Toxicity
- Sugar
All Pictures by Clemente Ruiz (@clemente_310)
Tilo Sief
Tilo ist Fotograf & Redakteur beim Paranoyd Magazin. Dokumentiert Konzerte & Festivals in NRW, BeNeLux & Ruhrgebiet mit Leidenschaft & Präzision. Er bringt eine Menge Erfahrung mit und kennt sich bestens in der Szene aus.

















