Stick To Your Guns verwandeln das Wizemann in einen brodelnden Hardcore-Kessel

Stick To Your Guns vor begeistertem Publikum beim Konzert © Marc Blessing

Stuttgart | 09.08.2026 – Bei hochsommerlichen Temperaturen lieferten Deez Nuts, Terror und Stick To Your Guns einen Hardcore-Abend, der kaum Luft zum Atmen lässt. Zwischen Moshpits, Crowdsurfern und ehrlichen Botschaften zeigte sich einmal mehr: Hardcore ist weit mehr als nur brachiale Musik.

Ein warmes Wochenende im Kessel neigte sich langsam dem Ende entgegen. Bei über 32 Grad flimmerte die Luft über Stuttgart, doch statt den Abend gemütlich am Neckar ausklingen zu lassen, zog es mich ins Wizemann. Schon lange vor dem Einlass warteten Hunderte Fans geduldig vor der Halle. Schwarze Bandshirts, Tattoos und Vorfreude bestimmten das Bild. Heute sollte es laut werden – denn mit Stick To Your Guns, Terror und Deez Nuts standen gleich drei Schwergewichte der Hardcore-Szene auf dem Programm.

Deez Nuts – ein Opener, der keiner sein wollte

Den Anfang machten die Australier von Deez Nuts. Ehrlicherweise wusste ich vorher kaum etwas über die Band. Nach den ersten beiden Songs fragte ich mich allerdings eher, warum sie überhaupt als Opener spielten.

Überraschenderweise war die Clubstage bereits zu diesem frühen Zeitpunkt bis auf den letzten Platz gefüllt – und das völlig zurecht. Deez Nuts legten los, als gäbe es kein Morgen. Hardcore traf auf Rap-Einflüsse, dazu ein druckvoller Sound und eine Spielfreude, die sofort auf das Publikum übersprang.

Schon nach wenigen Minuten wurde gesprungen, geschrien und der erste Moshpit ließ nicht lange auf sich warten. Das hervorragend abgemischte Set sorgte dafür, dass jede Nuance der Musik kraftvoll zur Geltung kam. Die Australier hinterließen weit mehr als nur einen guten ersten Eindruck – sie eröffneten den Abend mit einer Wucht, die nur schwer zu toppen schien.

Terror – der Name war Programm

Nach einer kurzen Umbaupause betraten Terror aus Los Angeles die Bühne. Was dann folgte, war Hardcore in seiner ursprünglichsten Form. Kaum hatte Frontmann Scott Vogel das Mikrofon in der Hand, forderte er die Menge auf, Moshpits zu eröffnen. Er wolle seine Fans kennenlernen, erklärte er – und zwar nicht aus der Distanz. Wer wolle, solle per Crowdsurfing auf die Bühne kommen.

Lange bitten musste er niemanden.

Bereits während des zweiten Songs surften die ersten Fans nach vorne, kletterten auf die Bühne und sprangen direkt wieder zurück in die Menge. Von diesem Moment an gab es kein Halten mehr. Im Sekundentakt erreichten Crowdsurfer den Bühnengraben, während die Security einen herausragenden Job machte und trotz des Daueransturms jederzeit den Überblick behielt.

Die Energie im Raum war kaum noch zu greifen. Überall entstanden neue Moshpits, ständig flogen Menschen durch die Luft, und dennoch wirkte alles wie ein großes Miteinander – rau, aber respektvoll. Mehr muss man über Terror eigentlich kaum sagen. Der Bandname beschrieb den Auftritt besser als jede noch so blumige Formulierung.

Stick To Your Guns – Katharsis zwischen Breakdowns und Botschaften

Als schließlich Stick To Your Guns die Bühne betraten, war das Wizemann längst bis auf den Siedepunkt aufgeheizt.

Die Kalifornier eröffneten ihr Set mit voller Wucht. Gewaltige Breakdowns, messerscharfe Riffs und die markanten Shouts von Jesse Barnett ließen keinen Zweifel daran, warum Stick To Your Guns seit Jahren zu den wichtigsten Bands des modernen Hardcore zählen.

Dabei beeindruckte mich vor allem eines: Trotz aller Härte verlor die Musik nie ihre Botschaft. Die Songs wirkten wie ein Ventil für all das, was die Band bewegt – Frust, Ängste, Hoffnung und Zusammenhalt. Genau diese Mischung aus kompromissloser Härte und ehrlicher Emotionalität macht Stick To Your Guns so besonders.

Vor der Bühne herrschte währenddessen der Ausnahmezustand. Moshpits öffneten sich im Minutentakt, Crowdsurfer flogen pausenlos Richtung Bühne und immer wieder verschwanden Fans in der Menge, nur um wenige Sekunden später lachend wieder aufzutauchen. Trotzdem hatte das Ganze nichts Aggressives. Es war diese besondere Form der Hardcore-Kultur, in der gegenseitiger Respekt genauso wichtig ist wie die Energie.

Die Band zog ihre Fans vom ersten bis zum letzten Song komplett in ihren Bann. Jeder Breakdown wurde gefeiert, jede Textzeile lautstark mitgeschrien. Das Publikum wirkte dabei nicht wie Zuschauer, sondern wie ein fester Bestandteil der Show.

Stick to your Guns - Im Wizemann

Hardcore mit Herz

Als die letzten Akkorde verklangen, war das Wizemann komplett durchgeschwitzt. Die Temperaturen draußen hatten bereits Sommerfeeling versprochen – drinnen wurde daraus ein regelrechter Hexenkessel.

Deez Nuts lieferten einen Einstand, der weit über die Rolle einer Vorband hinausging. Terror verwandelten die Clubstage in einen einzigen Strudel aus Moshpits und Crowdsurfern. Und Stick To Your Guns zeigten, dass Hardcore nicht nur laut und kompromisslos sein kann, sondern auch Haltung vermittelt und zum Nachdenken anregt.

Ich verließ das Wizemann völlig erschöpft, mit klingelnden Ohren und einem breiten Grinsen im Gesicht. Genau so muss sich ein Hardcore-Abend anfühlen.

Stick To Your Guns

Terror

Deez Nuts

Philipp Schadegg

Philipp Grünberg

Philipp Fotograf und Redakteur aus Fellbach. Für das Paranoyd Magazin begleitet er Konzerte und Festivals – authentisch, nah dran und unabhängig. Mit seinem erfahrenen Blick für die Live-Atmosphäre und unabhängigem Journalismus.

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