Kirchheim unter Teck, 26.09.2026 – Manchmal braucht es keine riesige Halle, keine aufwendige Produktion und keine meterhohe Bühne, damit ein Konzertabend vollkommen eskaliert. Manchmal reicht ein kleines Fachwerkhaus in Kirchheim unter Teck, vier Bands, eine Crowd mit offensichtlich überschüssiger Energie – und so viel Nebel, dass zeitweise nicht einmal mehr sicher war, ob unter den eigenen Füßen überhaupt noch ein Boden existierte.
Beim Slaughter Under Teck verwandelte sich die Linde für einen Abend in einen kleinen, verschwitzten und erstaunlich kompromisslosen Treffpunkt für Freunde der härteren Gangart. Mit Peius Morte, A Rising Chapter, No Face No Case und Kanine trafen dabei vier Bands aufeinander, die zwar allesamt irgendwo zwischen Deathcore, Slam und Beatdown zu Hause waren, diesen musikalischen Vorschlaghammer aber auf durchaus unterschiedliche Weise schwingen konnten.
Schon die Location verlieh dem Ganzen einen besonderen Charakter. Wo Fachwerk normalerweise eher an historische Altstadt und Gemütlichkeit denken ließ, dominierten an diesem Abend tief gestimmte Gitarren, Blastbeats, Breakdowns und Bassdrops. Die überschaubare Größe der Linde sorgte dabei für genau jene Nähe zwischen Bands und Publikum, die bei solchen Shows funktionierte: keine wirkliche Distanz, keine Anonymität – zumindest nicht im Publikum.
Denn auf der Bühne sah das an diesem Abend etwas anders aus.
Peius Morte – Verhüllte Gesichter, düstere Klangwelten
Als Opener hatten Peius Morte eine Besonderheit im Gepäck. Erst einen Tag zuvor hatte die 2024 in Heilbronn gegründete Band ihr Rebranding gestartet und damit nicht nur optisch ein neues Kapitel aufgeschlagen. Die Musiker präsentierten sich vollständig maskiert und anonymisiert – und machten die neue visuelle Identität erstmals unmittelbar auf der Bühne erlebbar.
Horus, Ignifer, Osiris und Charon ersetzen fortan die individuellen Gesichter der Musiker. Die Figuren greifen Motive aus ägyptischer, griechischer und römischer Mythologie sowie Symboliken rund um Tod, Feuer, Jenseits und Wiedergeburt auf.
Damit passt die neue Inszenierung erstaunlich konsequent zu einer Band, deren Name übersetzt bereits „Schlimmer als der Tod“ bedeutet.

Auch musikalisch bewegten sich Peius Morte auf entsprechend finsterem Terrain. Blackened und Symphonic Deathcore trafen auf Slam-Einflüsse, brutale Vocals, dichte Gitarrenwände und harte Breakdowns. Dazwischen tauchten klassische Instrumentierungen und atmosphärische Elemente auf, die dem Sound zusätzliche Tiefe verliehen. Inhaltlich ging es um menschliches Scheitern, Enttäuschung und innere Abgründe, verbunden mit historischen und mythischen Perspektiven.
In der kleinen Linde funktionierte diese Mischung aus Härte, Atmosphäre und neuer visueller Anonymität besonders gut. Der ohnehin reichlich vorhandene Nebel tat sein Übriges und ließ die maskierten Gestalten auf der Bühne stellenweise beinahe vollständig in der Dunkelheit verschwinden.
Dabei zeigten sich Peius Morte nicht einfach nur als Opener zum Aufwärmen. Die Band präsentierte sich als vielversprechender, aufstrebender Name der noch lokalen Szene, der musikalisch wie visuell zunehmend eine eigene Identität entwickelte – und mit diesem Abend ziemlich deutlich machte, dass dieses neue Kapitel gerade erst begonnen hatte. Diese Band sollte man in Zukunft auf jeden Fall auf dem Schirm behalten.
A Rising Chapter – Zwischen Slam, Melodie und Blastbeats
Mit A Rising Chapter aus dem bayerischen Mühldorf am Inn blieb es anschließend brachial. Musikalisch wurde das Feld allerdings breiter.
Die 2022 gegründete Band bediente sich nicht nur beim Deathcore. Brutaler Slam Death Metal traf auf schnelle Old-School-Blastbeats, groovig-stampfende Riffs und moshtaugliche Deathcore-Passagen. Dazu kamen melodische Death-Metal-Einflüsse, Metalcore-Riffs und sogar Grindcore-Elemente.
Was auf dem Papier nach einer wilden Mischung klang, sorgte live vor allem für Abwechslung zwischen Geschwindigkeit und Groove. Krachende Blasts konnten ebenso schnell in einen schweren Breakdown kippen, wie sich zwischen all der Brutalität plötzlich sphärischere und melodischere Momente ihren Weg bahnten.

Und langsam wurde es auch vor der Bühne ungemütlicher – zumindest für alle, die gehofft hatten, ihren persönlichen Bewegungsradius für sich behalten zu können. Die ersten Pits öffneten sich und die begrenzte Fläche der Linde wurde zunehmend kreativ genutzt.
Auch der Nebel entwickelte sich inzwischen zu einem beinahe eigenständigen Bestandteil der Show. Und davon gab es viel. Teilweise derart viel, dass Bühne, Publikum und Boden gleichermaßen darin verschwanden. Stellenweise konnte man sprichwörtlich kaum noch die Hand vor Augen sehen. Was für Orientierung und Sicht eher suboptimal war, passte atmosphärisch dafür hervorragend zu einem Abend, der ohnehin zunehmend im kontrollierten Chaos versank.
Kanine – No Cleans, Just Violence
Dann kamen Kanine. Und spätestens jetzt war Schluss mit Stillstehen.
Die 2020 in Straßburg gegründete Band verband modernen Deathcore mit deutlichen Einflüssen aus brutalem Slam Metal. Tief gestimmte Gitarren trafen auf technische Riffs, extreme Blastbeats, schnelle Passagen und groovende Rhythmen – zusammengehalten von einer kompromisslosen Schwere und Breakdowns, die wenig Interesse an subtilen Lösungen zeigten.
Das selbstgewählte Motto „No Cleans – Just Violence“ fasste den musikalischen Ansatz dabei erstaunlich effizient zusammen.
Bei keiner anderen Band des Abends war das Publikum derart konstant in Bewegung. Der Pit arbeitete praktisch durchgehend, Circle Pits öffneten sich, Crowdkilling gehörte längst zum normalen Abendprogramm und gefühlt hatte auch der letzte Mensch im Raum inzwischen beschlossen, dass stilles Zuschauen keine Option mehr war.

Vor allem die Bassdrops entwickelten in der kleinen Location eine beinahe absurde Wirkung. Man hörte sie nicht einfach – man spürte sie über Boden und Wände bis in die hintersten Reihen.
Und während musikalisch maximale Dröhnung herrschte, bewiesen Kanine gleichzeitig, dass sich brachiale Härte und eine ordentliche Portion Selbstironie hervorragend ergänzen konnten. Mitten zwischen Blastbeats, Breakdowns und Crowdkilling tauchte plötzlich die pinke Mini-Sonnenbrille auf – ein herrlich absurder visueller Kontrast zu dem kompromisslosen Sound, der währenddessen durch die kleine Linde geprügelt wurde.
Überhaupt lebte das Set von Gegensätzen: Vor dem Auftritt hatte die Crowd noch lautstark Britney Spears mitgesungen, wenig später gab es Slam-inspirierten Deathcore und eine Publikumsbewegung, die bei keiner anderen Band des Abends derart konstant war.
Gegen Ende des Sets wurde schließlich nicht mehr nur das Publikum einem Belastungstest unterzogen. Die Bassdrops hämmerten derart durch die kleine Linde, dass zunehmend auch die Anlage selbst Teil der Action wurde – bis beinahe das Equipment zerlegt wurde.
Bassdrops vom Feinsten – mit fast materiellen Konsequenzen. Doch Feierabend war damit noch lange nicht.
No Face No Case – Nu-Beatdown bis zum Schluss
Den Abschluss des Slaughter Under Teck übernahmen schließlich No Face No Case – und wer nach Kanine auf eine Phase körperlicher Erholung gehofft hatte, war an diesem Abend ohnehin im falschen Gebäude gelandet.
Die 2020 in Prag gegründete fünfköpfige Crew bezeichnete ihren eigenen Stil als Nu-Beatdown. Schwere, tief gestimmte Gitarren-Chugs und technisches Schlagzeug trafen auf aggressive Vocals und schnelle Rap-Flows. Dazu kamen elektronische Sounds, Samples und weitere nicht-metallische Elemente, die den Tschechen einen deutlich eigenständigen Charakter innerhalb des Line-ups verliehen.
Gerade nach der massiven Deathcore- und Slam-Wucht von Kanine setzte dieser Mix noch einmal einen anderen Akzent. Der Groove blieb schwer, die Breakdowns pit-tauglich, doch Rap-Passagen und elektronische Einflüsse brachten eine zusätzliche Dynamik in den Sound.
Und auch wenn Kanine zuvor eindeutig die aktivste Crowd des Abends für sich verbuchen konnten, bedeutete der letzte Bandwechsel keineswegs das Ende der Bewegung. Circle Pits, Crowdkilling und die kleine Wall of Death hatten längst gezeigt, wie erstaunlich viel Eskalation in eine derart überschaubare Location passte.
No Face No Case setzten schließlich den Schlusspunkt unter einen Abend, der sich von Band zu Band weiter von einer kleinen Clubshow in Richtung kontrolliertes Chaos entwickelt hatte.
Vier Bands, ein kleines Fachwerkhaus und sehr viel Bewegung
Slaughter Under Teck zeigte ziemlich eindrucksvoll, dass vier Bands aus einem ähnlichen musikalischen Kosmos keineswegs viermal dasselbe bedeuten mussten.
Peius Morte eröffneten mit Blackened- und Symphonic-Deathcore, Slam-Einflüssen und einer erst einen Tag zuvor enthüllten, konsequent düsteren Maskenästhetik.
A Rising Chapter kombinierten Slam Death Metal mit Blastbeats, Groove und melodischen Elementen.
Kanine brachten mit Slam-inspiriertem Deathcore, monströsen Bassdrops und einer vollkommen entfesselten Crowd die Linde an ihre Belastungsgrenze, bevor No Face No Case mit ihrem Mix aus Beatdown, Rap und elektronischen Einflüssen den Abend beschlossen.
Dazwischen: absurd viel Nebel, Circle Pits, Crowdkilling, eine Mini-Wall-of-Death, Britney-Spears-singende Metalheads, eine pinke Mini-Sonnenbrille und Bassdrops, die das Fachwerk vermutlich noch ein paar Tage länger in Erinnerung behalten dürften.
Keine riesige Bühne und keine Distanz zwischen Bands und Publikum, dafür ein Abend irgendwo zwischen familiärer Clubshow und kontrollierter Eskalation.
Klein genug, um mittendrin zu sein – und hart genug, dass am Ende garantiert niemand einfach nur herumstand.
Impressionen




































































