München rastet aus! Shadow of Intent starten ihre Tour

München bei der Show live auf der Bühne – Credit: sandra burgis

München, 25.09.2026 – Shadow of Intent starteten ihre „Imperium Delirium European Tour“ im Münchner Backstage und hatten mit Aborted, Disembodied Tyrant und Soreption ein Package dabei, das zwischen technischer Präzision, orchestraler Gewalt und purem Abriss kaum Luft zum Durchatmen ließ.

Vier Bands, vier unterschiedliche Spielarten extremer Musik und ein Backstage Werk, das an diesem Abend einiges auszuhalten hatte. Wer bei einem Tourauftakt noch mit vorsichtigem Warmspielen gerechnet hatte, bekam ziemlich schnell das Gegenteil bewiesen.

Düsteres, bedrohliches Licht lag über der Bühne und passte damit ziemlich genau zu dem, was in den nächsten Stunden musikalisch folgen sollte. Vor der Bühne sah es dagegen deutlich weniger finster aus: grinsende Gesichter, mitgegrölte Passagen und eine Crowd, die offensichtlich nicht vorhatte, sich diesen Abend einfach nur anzusehen.

Soreption – Präzision statt Aufwärmprogramm

Den Anfang machten Soreption – und zwar ohne lange Anlaufphase.

Die Schweden setzten von den ersten Minuten an auf das, was ihren Technical Death Metal auszeichnete: messerscharfe Riffs, vertrackte Rhythmik, abrupte Tempowechsel und eine Präzision, bei der man sich gelegentlich fragte, ob menschliche Gelenke für solche Bewegungsabläufe überhaupt vorgesehen waren.

Trotz aller technischen Finesse wirkte der Auftritt dabei nie steril. Soreption schafften es, ihre komplexen Songstrukturen mit genügend Druck auf die Bühne zu bringen, um nicht nur die Köpfe der Technik-Nerds, sondern zunehmend auch das Publikum vor der Bühne in Bewegung zu versetzen.

Die ersten Crowdsurfer ließen nicht lange auf sich warten, Bewegung kam in die Menge und spätestens jetzt wurde deutlich: Das Münchner Publikum hatte ebenfalls keine Aufwärmphase eingeplant. Der Ton für den Abend war gesetzt.

Disembodied Tyrant – orchestrierter Weltuntergang

Mit Disembodied Tyrant veränderte sich die Atmosphäre spürbar.

Wo Soreption zuvor mit chirurgischer Präzision gearbeitet hatte, wurde es jetzt größer, düsterer und dramatischer. Der moderne Deathcore der Band lebte von massiven Breakdowns, Blastbeats und orchestralen Arrangements, die den Songs stellenweise beinahe einen Soundtrack-Charakter verliehen.

Oder anders gesagt: Wenn der Weltuntergang eine musikalische Untermalung gebraucht hätte, hätte Disembodied Tyrant vermutlich gute Chancen auf den Auftrag gehabt. Das ohnehin dunkle Licht im Backstage tat sein Übriges. Viel Schatten, harte Kontraste und eine bedrohliche Grundstimmung ließen die Bühne beinahe so finster wirken wie die Musik selbst.

Immer wieder entstanden kurze atmosphärische Räume, nur damit der nächste Breakdown anschließend umso härter einschlug. Die Crowd nahm die Einladung dankend an. Circle-Pits öffneten sich, größere Wall of Deaths teilten den Raum und immer wieder verschwanden Crowdsurfer über den Köpfen in Richtung Bühne.

Dazwischen wurde mitgegrölt, gelacht und jede Gelegenheit genutzt, sich gegenseitig durch das Backstage zu schieben. Für Disembodied Tyrant war München gleichzeitig eine Premiere: Zum ersten Mal stand die Band auf einer deutschen Bühne und trotz des zugegebenen Jetlags gab sie Vollgas. Gemessen an der Reaktion im Backstage dürfte es kaum der letzte Auftritt hier gewesen sein.

Aborted – kontrollierte Eskalation

Dann kamen Aborted. Und plötzlich bekam das Wort „Eskalation“ an diesem Abend eine ziemlich konkrete Bedeutung.

Die belgische Death-Metal-Institution brauchte keine lange Einführung und erst recht keine Eingewöhnungszeit. Sobald Sven de Caluwé und seine Mitstreiter loslegten, gab es vor der Bühne kaum noch Stillstand. Was zuvor bereits wild gewesen war, erreichte hier seinen vorläufigen Höhepunkt.

Circle-Pits zogen ihre Runden durch die Menge, gleich mehrere Wall of Deaths öffneten und schlossen sich Sekunden später mit voller Wucht wieder. Vor allem aber kamen jetzt die Crowdsurfer beinahe im Dauerbetrieb. Hände gingen nach oben, Körper wanderten über die Köpfe Richtung Graben – und kaum war einer unten, folgte bereits der nächste.

Dabei wirkte die Stimmung trotz aller körperlichen Eskalation auffallend ausgelassen. Überall waren grinsende Gesichter zu sehen, Passagen wurden mitgebrüllt und die Menschen schienen offensichtlich exakt deshalb hier zu sein. Aborted lieferten dafür den passenden Soundtrack.

Nach mehr als drei Jahrzehnten Bandgeschichte merkte man ihnen ihre Erfahrung in jeder Minute an. Blastbeats, messerscharfe Riffs und Sven de Caluwés Vocals trafen mit einer Direktheit aufeinander, die nach den cineastischen Klangwelten von Disembodied Tyrant beinahe noch brutaler wirkte. Hier wurde Chaos nicht dem Zufall überlassen. Aborted beherrschten es.

Spätestens als sich die nächste Wall of Death durch das Backstage zog, dürfte auch dem Letzten klar gewesen sein, dass dieser Tourauftakt inzwischen vollständig eskaliert war – auf die bestmögliche Art und Weise.

Shadow of Intent – Willkommen im Imperium Delirium

Als Shadow of Intent schließlich die Bühne übernahmen, veränderte sich die Dimension des Abends noch einmal.

Die Band um Ben Duerr und Chris Wiseman hatte sich längst weit über die Grenzen klassischen Deathcores hinausentwickelt. Symphonische Arrangements trafen auf Melodic Death Metal, Blackened-Einflüsse und technische Präzision – live entstand daraus eine massive Klangwand, die für die Dimensionen einer Clubshow beinahe überdimensioniert wirkte. Genau das machte den Reiz aus.

Im Zentrum stand Ben Duerr. Seine tiefen Growls und gutturalen Vocals entwickelten live eine enorme Präsenz, während die Band dahinter bemerkenswert präzise durch die komplexen Arrangements navigierte.

Und die Crowd? Die hatte nach drei Bands offensichtlich noch lange nicht genug.

Weiterhin öffneten sich Circle-Pits und Wall of Deaths, Crowdsurfer wurden über die Köpfe getragen und bekannte Passagen lautstark mitgebrüllt. Die Energie war inzwischen weniger aggressiv als kollektiv ausgelassen: verschwitzte, erschöpfte und vor allem verdammt glückliche Gesichter waren überall im Raum zu sehen. Es war dieser Kontrast, der den Abend trug. Auf der Bühne herrschte eine düstere, beinahe bedrohliche Atmosphäre. Davor das genaue Gegenteil: pure Freude an der Eskalation.

Shadow of Intent lieferten dafür das passende Finale. Symphonische Passagen bauten sich beinahe monumental auf, nur um wenig später wieder von massiven Gitarren, Blastbeats und Breakdowns eingerissen zu werden.

Denn so komplex die Arrangements auch waren – wenn ein Breakdown einschlug, brauchte es keine musikwissenschaftliche Analyse mehr. Das verstand der gesamte Raum. Nach vier Bands blieben schließlich verschwitzte Shirts, heisere Stimmen und ziemlich viele lächelnde Gesichter zurück – vielleicht war genau das die passendste Zusammenfassung dieses Tourauftakts.

Soreption lieferten technische Präzision, Disembodied Tyrant orchestrale Dramatik, Aborted verwandelten das Backstage endgültig in kontrolliertes Chaos und Shadow of Intent setzten mit ihrer monumentalen Mischung aus Deathcore, Death Metal und symphonischer Wucht den Schlusspunkt.

Vier Bands, mehrere Wall of Deaths, unzählige Runden im Circle Pit und Crowdsurfer praktisch vom Beginn des Abends an. Und über all dem lag diese eigentümliche Mischung aus bedrohlicher Dunkelheit auf der Bühne und ausgelassener Euphorie davor.

München war erst der Anfang. Die Imperium Delirium European Tour war eröffnet – und leise war sie ganz sicher nicht.

Shadow of Intent

Aborted

Disembodied Tyrant

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Sandra Burgis

Paranoyd Magazin