Set It Off und The Funeral Portrait trotzen 37 Grad in Aschaffenburg

Set It Off live auf der Bühne beim Konzert in Aschaffenburg © Björn Vollmuth

Die erste Hitzewelle des Jahres hält die Südhälfte der Republik in ihrem unerbittlichen Würgegriff. 37,5 Grad Celsius zeigt das digitale Thermometer in meinem Auto an, als ich in Aschaffenburg eintreffe. Da überlegt man sich schon zweimal, ob man wirklich aussteigen will. Aber ich habe The Funeral Portrait bereits im Dezember 2025 im Vorprogramm von The Rasmus gesehen und weiß daher, dass es sich auf jeden Fall lohnen wird. Und auf Set It Off bin ich natürlich auch gespannt. 

Vor dem Colos-Saal wartet in der sengenden Abendsonne eine beachtliche Menschenmenge geduldig darauf, eingelassen zu werden. Ausverkauft ist die Show nicht. Dafür ist die Konkurrenz in Form von Fußball WM und Freibad vermutlich zu groß. Aber die geschätzt 400 Leute, die sich eingefunden haben, haben dafür umso mehr Bock. 

Einen Fotograben gibt es heute nicht, daher stehe ich mit meiner viel zu schweren Fototasche mitten im Getümmel und damit im Epizentrum der zu erwartenden Moshpits. Die Ventilatoren im Colos-Saal kämpfen eine aussichtslose Schlacht gegen die Hitze. Schweißperlen bilden sich auf der Stirn, und der eine oder andere Tropfen bahnt sich seinen Weg den Rücken hinab. Das überwiegend aus jungen weiblichen Fans bestehende Publikum ist gut vorbereitet und hat Fächer mitgebracht, um für etwas Linderung zu sorgen.

The Funeral Portrait – Dramatische Auftaktenergie aus Atlanta

Um 20 Uhr ist es dann endlich soweit: Der hünenhafte Frontmann Lee Jennings und der neue Gitarrist und Keyboarder, Gareth Calk, betreten die Bühne und performen „Mad World“ von Tears for Fears. Anschließend stößt auch der Rest der Truppe dazu und es geht mit „Generation Psycho“ und „You’re so Ugly When you Cry“ gleich richtig zur Sache. 

The Funeral Portrait sind eine unfassbar starke Liveband. Man kann nicht anders als sich mitreißen zu lassen, auch wenn man eigentlich versuchen müsste, die Kamera gerade zu halten. Die Jungs haben offensichtlich richtig Spaß und das Klima innerhalb der Band könnte augenscheinlich kaum besser sein: Immer wieder finden kleine Interaktionen zwischen den Musikern statt. Da wird gelacht, geschubst und gemeinsam gesungen. 

The Funeral Portrait, Colos-Saal, Aschaffenburg
The Funeral Portrait, Colos-Saal, Aschaffenburg © Björn Vollmuth

Lee ist ein Entertainer vor dem Herrn. Er sucht fortwährend den Kontakt zum Publikum und sorgt mit seinen unterhaltsamen Ansagen für den einen oder anderen Lacher. In der ersten Reihe steht ein Fan, der Lees Sprössling sein könnte: Er ist ähnlich groß wie der Sänger, und auch er hat den grünen Vokuhila. Er hat offenbar bereits zahlreiche Shows der laufenden Tour besucht, und so bedankt sich Lee kurz persönlich bei ihm. Neben ihm steht ein weiblicher Fan mit einer bunten Schirmmütze, auf der sich ein kleiner Propeller befindet. Lee schnappt sich die Mütze, setzt sie Bassist Robert Weston auf und dreht mit kindlicher Freude den Propeller.

Weiter geht es mit „Holy Water“, „Blood Mother“ und „Voodoo Doll“. Anschließend gibt Drummer Homer Umbanhower ein kurzes Solo zum Besten, obwohl er vermutlich derjenige ist, der am ehesten eine Pause gebrauchen könnte. Seine Kleidung ist schweißgetränkt und die nassen Haarsträhnen hängen ihm ins Gesicht. 

Das nachfolgende „Hearse for Two“ schlägt melancholischere Töne an. Mein persönliches Highlight ist „Dark Thoughts“. Das Publikum ist textsicher und unterstützt Lee bei den eingängigen Refrains mit Inbrunst. Nach rund 45 Minuten, die sich eher wie 20 anfühlen, geht die furiose Show mit „Suffocate City“ leider schon zu Ende. Ob der Headliner da noch einen draufsetzen kann?

Set It Off – Genre-Grenzgänger mit Pop-Affinität

Kurz nach 21 Uhr gibt es die Antwort: Die Band um Sänger Cody Carson betritt die Bühne und haut mit „Rotten“ und „Evil People“ gleich einmal zwei aktuelle Kracher raus, bei denen Mitgrölen Pflicht ist.

Auch Cody ist eine echte Rampensau. Er springt lachend und mit funkelnden Augen über die Bühne und klatscht mit den Fans in den vorderen Reihen ab. Er gibt viel, aber er fordert auch: Bereits beim ersten Song will er einen Moshpit sehen, und das Publikum lässt sich natürlich nicht zweimal bitten. Später gibt es auch noch eine Wall of Death. 

Set It Off , Colos-Saal, Aschaffenburg
Set It Off , Colos-Saal, Aschaffenburg © Björn Vollmuth

„Fake Ass Friends“ und „Killer in the Mirror“ halten den Spannungsbogen hoch. Bei „Pathological“ zeigt Cody seine Rap-Qualitäten, doch das Publikum ist vorbereitet und hält mühelos mit. Zwischendurch macht Cody einen kleinen Ausflug in die Menge. Er lässt sich zur Mitte des Saals tragen und singt dann weiter, während er auf den Händen der Fans steht. Zirkusreife Performance bei gefühlt 50 Grad Celsius.

Weitere musikalische Highlights sind „Switch“, „Parasite“ und „Projector“. Das optimistische „Why Worry“, das stellenweise an Bruno Mars erinnert, spricht den Fans aus der Seele und wird begeistert aufgegriffen.  

Fazit

Dieser Abend ist körperlich sicher eine Grenzerfahrung, sowohl auf der Bühne als auch davor. Aber der positive Vibe und die mitreißenden Performances beider Bands können nicht hoch genug eingeschätzt werden. Wer die Chance hat, die laufende Tour zu besuchen, sollte nicht zögern. Set It Off haben außerdem bereits angekündigt, nächstes Jahr wieder nach Deutschland zu kommen. 

Set it Off

The Funeral Portrait

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Björn Vollmuth

Björn ist Fotograf & Redakteur beim Paranoyd Magazin. Liebt Hard Rock & Metal und fängt die Emotion von Clubshows und Festivals von seiner Homebase Frankfurt bis bundesweit hautnah ein.

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