Wenn Sabaton auf Tour kommen, folgt das Paranoyd-Magazin dem Ruf natürlich. Entsprechend groß war die Überraschung, als im vergangenen Winter bekannt wurde, dass die schwedischen Power-Metal-Giganten auf dem Freiburger Münsterplatz auftreten würden. Wer die spektakulären Produktionen der Band in den vergangenen Jahren erlebt hat, konnte sich nur schwer vorstellen, wie eine Gruppe, die für monumentale Bühnenbilder, aufwendige Pyrotechnik und militärisch inspirierte Showelemente bekannt ist, mitten in der historischen Altstadt auftreten würde.
Der Münsterplatz zählt zweifellos zu den schönsten Veranstaltungsorten Deutschlands. Gleichzeitig sind die Platzverhältnisse begrenzt, die Wege für Anlieferung und Aufbau eng und die Auflagen rund um Denkmalschutz, Sicherheit und Lärmschutz entsprechend hoch. Gerade deshalb sorgte die Ankündigung schon Monate vor dem Konzert für reichlich Gesprächsstoff unter den Fans.
Für Sabaton selbst markiert der Sommer 2026 eine besondere Phase. Nachdem die komplette Nordamerika-Tour auf September verschoben wurde, richtet die Band ihren Fokus zunächst auf die europäische Festivalsaison. Erst am vergangenen Wochenende standen die Schweden noch bei Rock am Ring und Rock im Park auf den großen Festivalbühnen, nun führte sie der Weg in eine deutlich intimere Umgebung nach Freiburg.
Auch für mich persönlich war dieser Abend besonders spannend. Mein letztes Sabaton-Konzert lag mittlerweile fast drei Jahre zurück. Entsprechend neugierig war ich darauf, wie sich die Band und ihre Liveshow in dieser Zeit weiterentwickelt haben.
Dominum kämpften gegen die Abendsonne
Als Support hatten Sabaton an diesem Abend die deutschen Zombie-Metaller Dominum im Gepäck. Die Band um Sänger Felix Held alias Dr. Dead musste jedoch mit einer Herausforderung kämpfen, die man bei einer Horror- und Zombie-Show nicht unterschätzen sollte: der prallen Abendsonne. Während ihres Auftritts lag der Münsterplatz noch vollständig im Tageslicht, was nicht nur das Fotografieren erschwerte, sondern auch einen Teil der düsteren Atmosphäre schluckte, von der Dominum normalerweise lebt.
© Marc Blessing
Persönlich haben mir die Auftritte der Band in der Porsche-Arena und im LKA Longhorn in Stuttgart deutlich besser gefallen. Vielleicht lag es schlicht daran, dass eine Zombie-Band ihre Wirkung besonders dann entfaltet, wenn Dunkelheit, Lichtshow und Inszenierung zusammenspielen können. An Felix Held selbst lag es jedenfalls nicht. Dr. Dead gab alles, suchte ständig den Kontakt zum Publikum und versuchte mit vollem Einsatz, die Zuschauer auf dem Münsterplatz mitzureißen.
Regen, Sabaton und ein Münsterplatz voller Metal-Fans
Pünktlich zum Auftritt von Sabaton verschwand die Sonne hinter dunklen Wolken. Da Fotografen an diesem Abend erst ab dem vierten Song in den Fotograben durften, blieb genügend Zeit, die Wetterentwicklung zu beobachten. Wenig später setzte kräftiger Regen ein, der vor allem den Fotografen die Arbeit erschwerte.
Doch für das Wetter kann letztlich niemand etwas. Beeindruckend war vielmehr, wie wenig sich die meisten Besucher davon die Stimmung vermiesen ließen. Trotz Regen wurde mitgesungen, geklatscht und gefeiert. Auch Joakim Brodén zeigte sich bester Laune. Immer wieder scherzte der Sabaton-Frontmann über deutsches Bier und erklärte dem Publikum, dass sein deutscher Wortschatz zwar stetig wachse, sich dieser Zuwachs aber hauptsächlich auf Schimpfwörter beschränke. Gleichzeitig ließ er keinen Zweifel daran, wie beeindruckt die Band von der Atmosphäre auf dem Freiburger Münsterplatz war.
© Marc Blessing
Mit „Ghost Division“ legten Sabaton vom ersten Moment an ein hohes Tempo vor. Der Klassiker zündete sofort und verwandelte den Münsterplatz innerhalb weniger Minuten in ein Meer aus erhobenen Fäusten und lautstark mitsingenden Fans. Direkt im Anschluss folgte „Yamato“, dessen wuchtige Chöre und druckvolle Gitarren auf dem Münsterplatz besonders gut funktionierten.
Auch die aktuelle Bühnenproduktion vermittelte einen guten Eindruck davon, wohin sich Sabaton live derzeit entwickeln. Nachdem die Band in den vergangenen Jahren mehrfach mit ihrem Bühnenaufbau experimentiert hatte, erinnerte das Set-up in Freiburg wieder stärker an frühere Produktionen. Ein Panzer gehörte erneut zum Bühnenbild und sorgte für den typischen Sabaton-Wiedererkennungswert. Auf Elemente wie die früher häufig eingesetzten Sandsäcke oder Stacheldraht wurde hingegen verzichtet.
Insgesamt wirkte die Bühne aufgeräumter, ohne dabei ihre militärisch geprägte Optik zu verlieren. Gleichzeitig entstand der Eindruck, dass dieses kompaktere Set-up vor allem auf die Anforderungen der aktuellen Festival- und Open-Air-Saison zugeschnitten ist. Ob Sabaton dieses Konzept auch bei zukünftigen Hallen- und Arena-Tourneen beibehalten werden, bleibt abzuwarten.
Das Konzept wirkte stimmig und passte gut zur aktuellen Show der Schweden. Die kleinere Bühne funktionierte dabei durchaus gut und wirkte zu keinem Zeitpunkt überladen. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, dass ein solches Set-up nicht mit den aufwendigeren Produktionen vergleichbar ist, die Sabaton bei ihren großen Arena-Tourneen auf die Bühne bringen.
Während der ersten Songs blieb das Wetter zunächst ungemütlich, doch weder Band noch Publikum ließen sich davon aus der Ruhe bringen. Nach einer kräftigen Dusche zog das Unwetter schließlich weiter und die Bedingungen auf dem Münsterplatz wurden wieder deutlich angenehmer. Die Fans feierten weiter, als wäre nichts gewesen, und Sabaton nutzten die Gelegenheit, um die Stimmung Stück für Stück nach oben zu schrauben.
Im weiteren Verlauf spannte die Band einen musikalischen Bogen durch verschiedene Schaffensphasen ihrer Karriere. Stücke wie „The Last Stand“, „Great War“ und „Night Witches“ wurden vom Publikum lautstark abgefeiert, während neuere Songs wie „Templars“ oder „Hordes Of Khan“ zeigten, wie selbstverständlich sich aktuelles Material in das Liveprogramm einfügt.
Besonders während „Swedish Pagans“ erreichte die Atmosphäre ihren Höhepunkt. Der traditionelle Publikumsfavorit funktionierte auch in Freiburg hervorragend und wurde von den Zuschauern frenetisch gefeiert. Joakim Brodén hatte die Fans fest auf seiner Seite und sorgte mit seiner Mischung aus Humor, Spielfreude und Publikumsnähe dafür, dass die Stimmung selbst nach dem Regenschauer nicht abflaute.
Zum Finale setzte die Band noch einmal auf bewährte Sabaton-Hymnen. Spätestens bei „Primo Victoria“ und dem abschließenden „To Hell And Back“ verwandelte sich der Münsterplatz noch einmal in einen einzigen Chor aus Tausenden Stimmen.
Eine beeindruckende Location mit Grenzen
Und genau hier liegt für mich auch der einzige wirkliche Kritikpunkt des Abends. Optisch ist der Münsterplatz ohne Frage ein spektakulärer Veranstaltungsort. Die historische Umgebung sorgt für Bilder, die man bei einer klassischen Arena-Show niemals bekommen würde. Für eine Produktion dieser Größenordnung wurde jedoch schnell deutlich, dass der Münsterplatz auch gewisse Grenzen setzt.
Die zahlreichen Auflagen rund um Lärm, Sicherheit und Denkmalschutz waren spürbar. Pyrotechnik wurde nur sehr zurückhaltend eingesetzt, große Knalleffekte blieben weitgehend aus und insgesamt hatte man das Gefühl, dass die Band nicht alle Möglichkeiten ausschöpfen konnte, die ihre Shows normalerweise auszeichnen.

Dabei lag es keineswegs an Sabaton selbst. Die Schweden lieferten eine professionelle und spielfreudige Performance ab. Vielmehr entstand der Eindruck, dass die Rahmenbedingungen eine Art angezogene Handbremse darstellten. Der berühmte letzte Funke, der die ganz großen Sabaton-Konzerte oft auszeichnet, wollte deshalb nicht vollständig überspringen.
Sabaton werde ich mir auch in Zukunft jederzeit wieder anschauen. Der Auftritt in Freiburg war für mich jedoch eine interessante Erkenntnis: Historische Plätze können wunderschöne Konzertorte sein. Für eine Heavy-Metal-Produktion dieser Größenordnung sind sie aber nicht immer die ideale Wahl. Manchmal braucht diese Musik einfach etwas mehr Platz, etwas mehr Lautstärke und etwas mehr Freiheit, um ihre volle Wirkung zu entfalten.
Sabaton Setlist Freiburg – Münsterplatz
- Ghost Division
- Yamato
- The Red Baron
- The Last Stand
- Great War
- Stormtroopers
- Christmas Truce
- Soldier of Heaven
- Crossing the Rubicon
- Night Witches
- I, Emperor
- The Attack of the Dead Men
- Bismarck
- Hordes of Khan
- Templars
- Primo Victoria
- Swedish Pagans
- Coat of Arms
- To Hell and Back
Sabaton
Dominum
Marc Blessing
Marc ist Webmaster, Chefredakteur und Fotograf des Paranoyd Magazins. Als Spezialist für Rock und Metal News sowie Hausfotograf des LKA Longhorns verbindet er Szenekenntnis mit technischem Know-how. Er liefert authentische Konzertberichte, professionellen Content und prägt seit Beginn Qualität, Glaubwürdigkeit und digitale Stärke des Paranoyd Magazins.
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