Queensrÿche und Rivers of Nihil begeistern Frankfurt

Queensr im Scheinwerferlicht © Björn Vollmuth

Mit Queensrÿche und Rivers of Nihil sind derzeit zwei Vorreiter in ihrem jeweiligen Genre gemeinsam auf deutschen Bühnen zu bestaunen. Die einen sind Pioniere des progressiven Hard Rock und Heavy Metal, die anderen haben sich dem Progressive Death Metal verschrieben. Sie verbindet die Finesse an den Instrumenten und in den Kompositionen, doch im Härtegrad unterscheiden sich die Bands ganz erheblich. Eine ungewöhnliche Paarung, die einen unterhaltsamen Abend verspricht.

Rivers of Nihil – Der lange Weg vom Technical Death Metal zur progressiven Speerspitze

Rivers of Nihil wurden 2009 gegründet. Bereits in ihren Anfangsjahren erspielte sich die Band durch zahlreiche Shows an der US-Ostküste und im Mittleren Westen einen Namen, unter anderem im Vorprogramm etablierter Acts wie Suffocation oder Dying Fetus. Die Gruppe aus Reading, Pennsylvania, steht exemplarisch für den Wandel des Technical Death Metal hin zu einem offenen, progressiven Genre, das stilistische Grenzen nicht nur auslotet, sondern überschreitet.

Nach zwei selbstveröffentlichten EPs gelang ihnen 2018 der Durchbruch mit „Where Owls Know My Name“. Das Album gilt weithin als stilistischer Quantensprung. Hier öffnete sich die Band verstärkt für Einflüsse aus Jazz, Post-Rock und atmosphärischer Musik, was besonders durch den Einsatz eines Saxophons auffällt. Diese ungewöhnliche Instrumentierung, sowie die Mischung aus Brutalität und Melodie, machten das Album zu einem der meistdiskutierten Genrebeiträge seiner Zeit.

Rivers of Nihil im Scheinwerferlicht © Björn Vollmuth
Rivers of Nihil – Frankfurt Batschkapp 2026 – Credit: Björn Vollmuth

Um 20 Uhr beginnt die Band ihr 45-minütiges Set mit dem selbstbetitelten Song „Rivers of Nihil“. Aufgrund des guten Wetters haben es sich viele Besucher auf den Bierbänken vor der Batschkapp gemütlich gemacht, und so füllt sich der Saal erst, als die wummernden Bässe des Openers auch draußen zu vernehmen sind. 

Weiter geht es mit „The Silent Life“ und „The Void from Which No Sound Escapes“. Aufgrund der anspruchsvollen Musik bleibt hier wenig Raum für Fisimatenten und Theatralik. Die Musiker konzentrieren sich auf ihre Arbeit, doch ein bisschen Handbangen und Grimassen schneiden ist schon noch drin. Nach „Despair Church“ und „Water & Time“ kommt „House of Light“, ehe „Where Owls Know My Name“ den Abschluss macht.

Queensrÿche – Die Helden meiner Jugend (oder was von ihnen übrig ist)

Gegen 21:15 Uhr betritt dann der Headliner die Bühne. Mittlerweile haben sich auch die letzten Besucher von den Bierbänken im Hof erhoben und sich vor der Bühne eingefunden. Ausverkauft ist die Batschkapp nicht einmal ansatzweise, aber gut gefüllt ist sie dann erfreulicherweise doch.

Kaum eine Band hat den progressiven Metal so nachhaltig geprägt wie Queensrÿche. Seit ihrer Gründung Anfang der 1980er-Jahre verbinden die Musiker aus dem US-Bundesstaat Washington komplexe Songstrukturen mit eingängigen Melodien und politisch-gesellschaftlichen Themen. Diese Mischung brachte ihnen internationalen Erfolg und einen festen Platz in der Metal-Geschichte ein.

Doch es ist nicht alles eitel Sonnenschein. Auch treue Anhänger der Band werden einräumen, dass die Truppe ihren Zenit bereits vor ein paar Jahrzehnten  überschritten und sich seither lange Zeit mit der Richtungssuche schwergetan hat. „Operation: Mindcrime“ aus dem Jahr 1988 ist eines der besten und wichtigsten (Konzept-)Alben der Rockgeschichte und stellt den Höhepunkt des kreativen Schaffens der Band dar. „Empire“ aus dem Jahr 1990 bildete sodann den Höhepunkt des kommerziellen Erfolgs der Truppe. MTV war ganz verrückt nach „Silent Lucidity“.

Doch Queensrÿche wollten sich nicht auf einen Stil festnageln lassen und produzierten nach dem positiven Album „Empire“ wieder verstärkt düstere Töne in Form von „Promised Land“. Das irritierte diejenigen Fans, die erst durch „Empire“ auf die Band aufmerksam geworden waren. Haupt-Songwriter Chris DeGarmo stieg aus, weil ihm der Trubel zu viel wurde. Später trennte sich die Band in einem bitteren Rechtsstreit von Sänger Geoff Tate. Und auch Schlagzeuger Scott Rockenfield war mit seinem Exit nicht einverstanden und bemühte die Gerichte. Außerdem kamen (und gingen) bald auch schon Grunge und Nu Metal und drängten Queensrÿche an den Rand der Vergessenheit.

Queensrÿche - Frankfurt Batschkapp 2026
Queensrÿche – Frankfurt Batschkapp 2026 – Credit: Björn Vollmuth

In ihrem Bestreben relevant zu bleiben, irrlichterte die Band durch verschiedene Stilrichtungen und produzierte rund eine Dekade lang Musik, für die sie sich heute selbst zu schämen scheint. Jedenfalls finden die Stücke aus jener Zeit selten bis nie den Weg auf die Setlist. Erst seit ein paar Jahren orientiert sich die Band wieder zurück zu ihren Wurzeln, und in dem aktuelleren Material ist sie endlich wieder zu erkennen, die Queensrÿche DNA.

Und so stehen sie nun vor mir: Gitarrist Michael Wilton und Bassist Eddie Jackson, die letzten beiden verbliebenen Mitglieder der Originalformation. 40% von Queensrÿche, mit der Unterstützung von drei Neuzugängen, die teilweise gar nicht mehr so neu sind. 

Den Anfang macht wie üblich „Queen of the Reich“. Mit „Operation: Mindcrime“ und „Walk in the Shadows“ folgen zwei weitere Highlights aus der frühen Bandgeschichte.

Der Wechsel am Mikrofon im Jahr 2012, als Geoff Tate die Band verließ und durch Todd La Torre ersetzt wurde, markiert einen wichtigen Einschnitt. Seither präsentieren sich Queensrÿche wieder deutlich homogener und knüpfen stilistisch an frühere Stärken an. Der Sänger machte sich bei Crimson Glory einen Namen, ehe er zu Queensrÿche stieß. Er ist rund 15 Jahre jünger als Geoff Tate, was ihm einen biologischen Vorteil verschaffen dürfte. Dass die Stimme mit dem Alter nicht besser wird, beweisen Axl Rose und Jon Bon Jovi eindrucksvoll.

Doch auch Todd muss sich strecken, um dem anspruchsvollen Material eine ganze Tour lang gerecht zu werden. „I don’t believe in Love“ und insbesondere „London“, das Todd als seinen Lieblingssong bezeichnet, meistert er mit Bravour. Beim anschließenden „Best I Can“ scheint er hingegen etwas zu kämpfen.

Der drahtige Gitarrist Mike Stone trägt eine Sonnenbrille und einen Hut und macht im Gegenlicht akrobatische Verrenkungen. Schlagzeuger Casey Grillo macht seinen Job gut, ist aber hinter dem Drumkit kaum zu sehen, zumal das Licht auf den vorderen Teil der Bühne gebündelt ist. Der Sound ist anständig und die Musiker bewältigen den Set mit Klasse und Routine. Die harmonisierten Gitarren lassen die Herzen von Metalfans der alten Schule höher schlagen, und das Publikum ist nicht nur zum Zuschauen da: Bei „Best I Can“ übernimmt der ganze Saal in einem Duett mit Todd lautstark den „…and I won’t let go!“ Part. 

Unter das überwiegend ältere Material mischt sich mit „Behind the Walls“ ein aktueller Song aus dem Jahr 2022. Ansonsten dominieren die Klassiker, darunter „Neue Regel“ und „Revolution Calling“. Die Heavy Hitter gibt es zum Schluss: „Empire“ und „Eyes of a Stranger“ runden einen gelungenen Abend ab.

Setlist Queensrÿche – Frankfurt, Batschkapp, 17.06.2026

  1. Queen of the Reich
  2. Operation: Mindcrime
  3. Walk in the Shadows
  4. Speak
  5. I Don't Believe in Love
  6. London
  7. Best I Can
  8. Warning
  9. Neue Regel
  10. Behind the Walls
  11. Take Hold of the Flame
  12. Jet City Woman
  13. Screaming in Digital
  14. Anarchy-X
  15. Revolution Calling
  16. Empire
  17. Eyes of a Stranger

Queensrÿche 

Rivers of Nihil

björn

Björn Vollmuth

Björn ist Fotograf & Redakteur beim Paranoyd Magazin. Liebt Hard Rock & Metal und fängt die Emotion von Clubshows und Festivals von seiner Homebase Frankfurt bis bundesweit hautnah ein.

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