WIESBADEN 19.02.2026 – Ein Hauch von britischer Rock-Geschichte wehte durch den Schlachthof, als einer der schillerndsten Protagonisten der Indie-Ära die Bühne betrat. Peter Doherty, einst das Enfant terrible des Britpop, zeigt sich an diesem Abend von einer Seite, die viele jahrelang für unmöglich hielten: fokussiert, stimmgewaltig und sichtlich im Reinen mit sich selbst. Begleitet von einer hochkarätigen Band und familiärer Unterstützung, lieferte er ein Set ab, das weit über die bloße Nostalgie hinausging.
In den frühen 2000ern, während der großen Indie-Rock-Welle, machte sich Peter Doherty mit seinen Bands The Libertines und Babyshambles einen Namen. Nachdem er im letzten Jahr noch mit den Libertines im Schlachthof Wiesbaden zu Gast war, kehrte er dieses Mal als Solokünstler zurück.
Lange Zeit war er eher für seine Alkohol- und Drogenexzesse berüchtigt, doch Doherty ist mittlerweile seit mehreren Jahren clean. Im Mai 2025 veröffentlichte er mit „Felt Better Alive“ sein mittlerweile fünftes Soloalbum.

Familienunterstützung
Pünktlich um 20:00 Uhr ging es mit Amy Jo and The Spangles los. Amy Jo ist keine Geringere als Peter Dohertys ältere Schwester. Pete kündigte sie persönlich an und betont dabei, wie wichtig ihm seine Familie ist. Zudem nutzt er die Bühne, um die Biografie seines Schlagzeugers Mike Joyce zu bewerben, der bereits für Größen wie The Smiths, Sinéad O’Connor, die Buzzcocks oder Public Image Ltd. an den Kesseln saß. Eine witzige Aktion, vorgetragen mit trockenem britischem Humor.
Anschließend betraten Amy Jo und ihre Band die Bühne. Trotz des bei Weitem nicht ausverkauften Schlachthofs, versprühten sie mit ihrer Mischung aus 70s-Punk, Flower-Power und Britpop sofort gute Laune und positive Vibes. Amy Jo Doherty erwies sich als geborene Frontfrau, die während des gesamten Sets unentwegt in Bewegung blieb. Dass die Band sonst vermutlich eher auf kleineren Bühnen spielt, merkt man lediglich daran, dass sie nur einen Bruchteil der riesigen Schlachthof-Bühne nutzten. Nach 30 Minuten endete das Set – ein gelungener Start in den Abend.
Ein Best-of-Karriere-Set
Nach einer kurzen Umbaupause kam Peter Doherty die Bühne und spielt quasi ein Best-of-Set seiner gesamten Karriere: Songs der Libertines und Babyshambles standen ebenso auf dem Programm wie Stücke seiner Soloalben und das eine oder andere Cover (u. a. „How Soon is Now“ von The Smiths oder „Ride into the Sun“ von Velvet Underground).

Die Songs wurden teilweise etwas bluesiger und gemächlicher interpretiert als die Originale. Doch sowohl seine Begleitband – bestehend aus dem erwähnten Mike Joyce (Drums), Mark Neary (Bass und Pedal-Steel), Jack Jones (Gitarre) und seiner Ehefrau Katia de Vidas (Keyboard) – als auch Pete selbst, zeigten sich in großartiger Spiellaune. Sie präsentierten die Stücke mit musikalischem Können und dem typisch britischen Charme.
Als jemand, der üblicherweise auf Punk- und Metalkonzerten unterwegs ist, hätte ich mir punktuell zwar mehr Action auf der Bühne vorstellen können, doch das wäre den Liedern wohl nicht angemessen gewesen. Entgegen meiner persönlichen Erwartung war Peter Doherty auch gesanglich über jeden Zweifel erhaben und lieferte eine stimmlich großartige Leistung ab. Eine eher ungewohnte Erfahrung für einen Metalhead, aber definitiv eine gute.
Peter Doherty
Amy Jo and The Spangles
Kevin Richter
Kevin, Fotograf und Redakteur für das Paranoyd Magazin. Er blickt auf eine fundierte Erfahrung durch die Zusammenarbeit mit diversen Musikmagazinen zurück und ist derzeit festes Mitglied der Paranoyd-Redaktion. Kevin verbindet den geschulten Blick für den Moment mit journalistischer Präzision, um authentische Konzertberichte und visuell beeindruckenden Content für die Szene zu schaffen.































