Zwischen Kicker, Dosenbier und Moshpit – Nikra reißen das HeleneP. in Degerloch ab

Nikra bei der intensiven Live-Performance mit voller Energie © Philipp Schadegg

Stuttgart, 21.03.2026: Jugendhaus-Charme trifft auf Energie: Nikra und Silk liefern in Stuttgart-Degerloch einen intensiven Abend zwischen Nostalgie, Punk-Attitüde und ehrlicher Fan-Nähe und zeigen, wie gut sich Vergangenheit und Gegenwart verbinden lassen.

An einem nassen Samstagabend machte ich mich auf den Weg nach Stuttgart-Degerloch. Ziel: das Jugendhaus HeleneP. – eine Location, die ich bisher noch nicht kannte, in der ich aber an diesem Abend die Band Nikra fotografieren durfte. Das Konzert war kurzfristig aus einem kleineren Club hierher verlegt worden – eine Entscheidung, die sich als genau richtig herausstellen sollte.

Schon beim Ankommen fiel mir die besondere Atmosphäre auf. Das Publikum war warmherzig, divers und irgendwie sofort miteinander verbunden. Diese typische Jugendhaus-Stimmung lag in der Luft: Tischkicker klapperten, Bierflaschen wurden geöffnet, irgendwo wurde Drehtabak herumgereicht. Cola für 2,50 Euro – und plötzlich war man gedanklich wieder ein paar Jahre jünger. Eine Mischung aus Nostalgie und Vorfreude, die perfekt zum Abend passte.

Silk – druckvoller Auftakt ohne Pause

Den musikalischen Start machten Silk aus Düsseldorf. Zwei Frauen, zwei Männer – und vom ersten Moment an keine halben Sachen. Das Set begann mit einem wuchtigen Einstieg: harte Gitarrenriffs, laute Vocals, direkt nach vorne.

Doch schon nach den ersten Songs wurde klar, dass hier mehr passiert als nur reiner Krach. Die Musik bewegte sich schnell in eine punkig-alternative Richtung. Die Frontsängerin überzeugte nicht nur stimmlich, sondern auch mit einer starken Bühnenpräsenz – ihre Performance, inklusive wildem Haareinsatz, zog sofort Blicke auf sich.

Trotz kleiner technischer Probleme mit den In-Ears tat das der Energie keinen Abbruch. Das Publikum ließ sich direkt mitreißen, es wurde getanzt, gepogt, kaum jemand stand still. Verschnaufpausen? Fehlanzeige. Die 30 Minuten vergingen gefühlt in einem Wimpernschlag und hinterließen ein Publikum, das definitiv mehr wollte.

Nikra – Nähe, Energie und ein besonderer Moment

Unter lautem Jubel betraten anschließend Nikra aus Mannheim die Bühne. Und auch hier ging es ohne Umwege los: volle Energie, direkter Einstieg, keine Aufwärmphase.

Sichtlich gerührt verkündete die Band, dass das Konzert – trotz der kurzfristigen Verlegung – ausverkauft sei. Der Stolz war ihnen deutlich anzumerken, und genau diese Emotion übertrug sich sofort auf das Publikum. Das Set wirkte durchdacht und abwechslungsreich. Es gab Momente zum Tanzen und Pogen, aber auch ruhigere Passagen, in denen man einfach nur genießen und kurz durchatmen konnte. Genau diese Mischung machte den Auftritt so rund.

Die Frontsängerin suchte immer wieder die Nähe zum Publikum, wirkte fast so, als würde sie am liebsten mitten in der Menge stehen und von dort aus performen. Diese Verbindung zwischen Bühne und Zuschauerraum war den ganzen Abend über spürbar und machte einen großen Teil der Atmosphäre aus.

Ein echtes Highlight folgte mit dem Song „nichts tut gut“, bei dem Juli Gilde als Gast mit auf die Bühne kam. Ein besonderer Moment, der vom Publikum entsprechend gefeiert wurde und dem Set noch einmal eine zusätzliche emotionale Ebene verlieh.

Ein Abend, der hängen bleibt

Am Ende blieb nicht nur die Erinnerung an zwei starke Live-Acts, sondern vor allem dieses besondere Gefühl, das nur solche Abende erzeugen können. Das Jugendhaus „Helene P“ zeigte sich als perfekte Location für genau so ein Konzert – irgendwo zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Jugendgefühl und erwachsener Konzertkultur.

Ich verließ die Halle mit dem sicheren Gefühl: Das war nicht das letzte Mal. Und dieser Abend wird definitiv im Gedächtnis bleiben.

Nikra

Silk

Philipp Schadegg

Philipp Schadegg

Philipp Fotograf und Redakteur aus Fellbach. Für das Paranoyd Magazin begleitet er Konzerte und Festivals – authentisch, nah dran und unabhängig. Mit seinem erfahrenen Blick für die Live-Atmosphäre und unabhängigem Journalismus.

Ähnliche Beiträge

Paranoyd Magazin

Ihre Zufriedenheit ist unser Ziel, deshalb verwenden wir Cookies. Mit diesen ermöglichen wir, dass unsere Webseite zuverlässig und sicher läuft, wir die Performance im Blick behalten und Sie besser ansprechen können. Cookies werden benötigt, damit technisch alles funktioniert und Sie auch externe Inhalte lesen können. Des Weiteren sammeln wir unter anderem Daten über aufgerufene Seiten, getätigte Käufe oder geklickte Buttons, um so unser Angebot an Sie zu verbessern.   Datenschutz Erklärung