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MOTIONLESS IN WHITE: Tränen & Pyro-Wahnsinn in Frankfurt!

Motionless in White Jahrhunderthalle Frankfurt 2026 © björn vollmuth

FRANKFURT AM MAIN, 27.02.2026 – Der „Afraid of the Dark Tour“-Tross rund um MOTIONLESS IN WHITE machte Halt in der Jahrhunderthalle. Als Support waren MAKE THEM SUFFER und DAYSEEKER dabei. Die Tickets waren bereits im Vorfeld restlos ausverkauft, und so überraschte es nicht, dass sich schon rund anderthalb Stunden vor Einlass eine beachtliche Schlange vor den Toren gebildet hatte. Gut gelaunte Menschen in schwarzer Kleidung, viele von ihnen mit Corpsepaint oder Emo-Make-up, harrten geduldig in der Abendsonne darauf, MOTIONLESS IN WHITE auf ihrer bisher größten Headliner-Tour durch Europa zu bestaunen.

MAKE THEM SUFFER: Australische Urgewalt in der Jahrhunderthalle

Die Death-Metalcore-Band Make Them Suffer aus Perth eröffnete den Abend um 19:00 Uhr mit einer Wucht, die beinahe erdrückend war. Der Opener „Ghost of Me“ walzte durch die Jahrhunderthalle wie Godzilla durch Tokio und riss alles nieder, was sich ihm in den Weg stellte. In dieser apokalyptischen Klanglandschaft aus harten Breakdowns, elektronischen Elementen und präziser Rhythmusarbeit blieb für die Zuschauer nur kurz Zeit zum Verschnaufen, wenn sich die Growls von Sean Harmanis mit weiblichem Clean-Gesang und sphärischen Synth-Klängen abwechselten, für die seit 2022 Alex Reade zuständig ist. Wenn Alex nicht gerade hinter dem Keyboard stand, ließ sie ihre Mähne im Takt zur Musik fliegen und suchte regelmäßig den Blickkontakt zu Sean.

make them suffer Jahrhunderthalle Frankfurt 2026 © björn vollmuth
Make Them Suffer – Jahrhunderthalle Frankfurt 2026 © Björn Vollmuth

Das kurze Set der Australier bestand überwiegend aus Songs vom selbst betitelten Album aus dem Jahr 2024 sowie ein paar Nummern vom 2020er-Vorgänger „How to Survive a Funeral“. Weiter ging es mit „Bones“ und „Epitaph“. Es bildeten sich erste Moshpits und Sean machte eine klare Ansage ans Publikum: „When we jump, you jump!“. Für Gitarrist Nick McLernon war Hopsen an diesem Abend jedoch nicht drin: Er spielte mit einem dick bandagierten rechten Fuß, weil er sich zwei Tage zuvor den Knöchel gebrochen hatte. Auf „Mana God“, „Oscillator“ und „Erase Me“ folgte zum Abschluss das heftig groovende „Doomswitch“, ehe es in die Umbaupause ging.

DAYSEEKER: Emotionale Tiefe trifft auf brachiale Gewalt

Nach diesem infernalischen Auftakt legten Dayseeker aus dem kalifornischen Orange County den Fokus auf emotional aufgeladene Melodien und die sanftere, tiefgründige Seite des Core-Spektrums: Post-Hardcore trifft auf sehnsuchtsvolle Refrains, die an The Weeknd erinnern. Mit „Pale Moonlight“ und „Shapeshift“ gab es gleich zu Beginn zwei sensationelle Nummern vom aktuellen Album „Creature in the Black Night“. Die stimmliche Kraft von Frontmann Rory Rodriguez trug die intensiven Tracks und brachte die Menge dazu, lautstark mitzusingen. Auf der Bühne passierte deutlich weniger als zuvor bei Make Them Suffer, und so konnte man getrost die Augen schließen und sich den dafür umso einfühlsameren Klängen hingeben.

Dayseeker Jahrhunderthalle Frankfurt 2026
Dayseeker – Jahrhunderthalle Frankfurt 2026 © Björn Vollmuth

Nach „Burial Plot“ ging es weiter mit „Crawl Back to My Coffin“ und „Bloodlust“. Bei „Without Me“ übertönte das Publikum Rory beim Chorus, und spätestens bei „Crying While You’re Dancing“ waren alle Hände in der Luft. Zwischendurch erzählte Rory davon, wie die Band noch 2015 in Europa quasi nur vor einer Handvoll Zuschauern spielte, und verlieh seiner Dankbarkeit Ausdruck, dass sie nun im Vorprogramm von Motionless in White vor ausverkauftem Haus spielen dürfen. Auf „Creature in the Black Night“ und „Sleeptalk“ folgte mit „Neon Grave“ das emotionale Finale eines grandiosen Sets. Die mühelosen Übergänge zwischen balladesken Passagen und härteren Hooks zeigten, warum Dayseeker als ein Highlight moderner Core-Acts gelten.

MOTIONLESS IN WHITE: Die dunkle Zeremonie in Frankfurt

Kurz nach 21:00 Uhr war es dann an der Zeit für den Headliner. Das „OIIA OIIA“ Spinning Cat Meme auf den Videoleinwänden sorgte bei den überwiegend jungen Zuschauern für Gelächter und bei den reiferen Semestern für Verwunderung. Doch es zeigte auch, dass Motionless in White Social Media verstehen und einen Draht zur jungen Generation haben. Jubel brach aus, als Chris „Motionless“ Cerulli die Bühne betrat. Seine weiße Schminke und die schwarz umrandeten Augen konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier ein sensibler und sympathischer Mensch auf der Bühne stand; mit seinem breiten Grinsen und den ausgelassenen Gesten macht er auch keinen Hehl daraus. Diese Band nimmt sich und das Genre nicht zu ernst, und so werden ihre Shows zu einer ausgelassenen Party für alle, die sich in der Core-, Goth- und Emo-Szene zu Hause fühlen.

Motionless in White Jahrhunderthalle Frankfurt 2026 © björn vollmuth
Motionless in White Jahrhunderthalle Frankfurt 2026 © Björn Vollmuth

Den Auftakt machte „Meltdown“, gefolgt von „Sign of Life“. Bei „America“ regnete es Konfetti in den Nationalfarben Rot, Weiß und Blau, und die harsche Kritik an der modernen US-Gesellschaft, die die Band bereits 2012 vertont hat, erscheint heute aktueller denn je. Nach „Thoughts & Prayers“ und dem ikonischen „Voices“ folgte die neue Single und der Titeltrack für die Tour „Afraid of the Dark“. Der Song gibt einen Vorgeschmack auf das neue Album, an dem die Band arbeitet und das hoffentlich nicht mehr allzu lange auf sich warten lässt.

Die Produktion war gewaltig: Hervorragender Sound, aufwändiges Licht, riesige Videoleinwände und Background-Tänzerinnen, die mit Winkelschleifern Funken auf der Bühne versprühten oder lodernde Fackeln durch die Luft schwangen. Apropos Feuer: Die imposante Pyrotechnik war nicht nur optisch beeindruckend, sondern man konnte die Hitze regelrecht auf der Haut spüren. Die Fotografen wurden vor der Show eindringlich ermahnt, ausreichend Abstand zum Bühnenrand zu halten, aber dennoch musste man zwischendurch unweigerlich kurz prüfen, ob nicht doch die Armbehaarung abgefackelt worden war. Die Security verteilte zwar Wasserflaschen an die Besucher in den ersten Reihen, doch schon früh im Set ließen sich ein paar erschöpfte Zuschauerinnen vorzeitig nach draußen begleiten.

Motionless in White Jahrhunderthalle Frankfurt 2026 © björn vollmuth
Motionless in White – Jahrhunderthalle Frankfurt 2026 © Björn Vollmuth

Die Setlist umfasste überwiegend Songs vom letzten Album „Scoring the End of the World“ (darunter „Werewolf“, „Cyberhex“ und „Slaughterhouse“) sowie den Scheiben „Disguise“ (u. a. „Another Life“) aus 2022 und „Graveyard Shift“ (u. a. „Rats“, „Necessary Evil“) aus 2017. Die Band hat eine wechselhafte Geschichte hinter sich. Sie wollte sich nicht auf eine Erfolgsformel festlegen lassen, sondern strebte eine ständige Weiterentwicklung an. Dies verprellte viele Fans der ersten Stunde. Doch wer der Band bis heute die Treue gehalten hat, wurde an diesem Abend auch mit ein paar älteren Stücken belohnt, darunter „City Lights“ vom Debütalbum „Creatures“.

Chris führte wie ein charismatischer Zeremonienmeister durch die Show und war stimmlich bestens aufgelegt. Gitarrist Ryan Sitkowski headbangte sich durch das Set, während Bassist Justin Morrow mit seinem Marilyn-Manson-artigen Make-up und den zwei unterschiedlichen Kontaktlinsen wie eine verstörende Puppe aus einem Horrorfilm der alten Schule mit ausgestreckter Zunge für die Fotografen posierte.

Dieser Abend war ein musikalisches und visuelles Erlebnis der Extraklasse. Hier war für jeden etwas dabei: Die Härte von Make Them Suffer, die emotionale Tiefe von Dayseeker und der hochkarätige Metalcore mit dunkler Pop-Sensibilität von Motionless in White ließen keine Wünsche offen. Und so verwunderte es nicht, dass man nach der Show in erschöpfte, aber freudestrahlende Gesichter blickte.

MOTIONLESS IN WHITE

MAKE THEM SUFFER

DAYSEEKER

björn

Björn Vollmuth

Björn ist Fotograf & Redakteur beim Paranoyd Magazin. Liebt Hard Rock & Metal und fängt die Emotion von Clubshows und Festivals von seiner Homebase Frankfurt bis bundesweit hautnah ein.

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