Frankfurt 07.07.2026. Seit nunmehr 47 Jahren schreiben die Briten von Marillion Rockgeschichte. Als 1989 Sänger Steve Hogarth zur Band stieß, änderte sich ihr Stil hin zu atmosphärischem Progressive Rock. Seitdem ist die Band in unveränderter Besetzung nicht mehr aus der Musikszene wegzudenken.
Mit 20 Studio- und zehn Livealben sind Marillion bis heute äußerst produktiv. Zuletzt veröffentlichten sie 2024 das Livealbum An Hour Before It’s Dark: Live in Port Zelande 2023. Bei sommerlichen Temperaturen lud das Quintett in die Jahrhunderthalle nach Frankfurt ein.
Schockmoment zu Beginn
Ungewöhnlich war, dass es an diesem Abend keine Vorband gab. Marillion sind jedoch für ihre ausgedehnten Liveshows bekannt. Mit „Splintering Heart“ startete die Band pünktlich um 20:30 Uhr in den Abend. In der gut gefüllten Jahrhunderthalle wurde schnell klar, dass die Stimmung hervorragend war und sich die Band in bester Spiellaune befand.
Sänger Steve Hogarth begeisterte mit seiner einzigartigen Gesangstechnik und seiner theatralischen Bühnenpräsenz wie kaum ein anderer. Während „Easter“ sorgte er allerdings für einen kleinen Schockmoment: Als er den Fans das Mikrofon entgegenhielt, verschätzte er sich – geblendet von den Frontlichtern – und stürzte von der Bühne. Glücklicherweise blieb er unverletzt und nutzte die Gelegenheit, den Song aus dem Bühnengraben weiterzusingen und den Fans dabei ganz nah zu sein.
Zurück auf der Bühne scherzte er über seine „Gummiknochen“ – eine sympathische Art, mit der Situation umzugehen. Generell war Hogarth an diesem Abend bestens aufgelegt und füllte die Pausen zwischen den Songs mit humorvollen Geschichten und Anekdoten über deren Entstehung. Außerdem erzählte er, dass Marillion ihre Setlisten während einer Tour gerne variieren und Songs austauschen, damit ihnen selbst nicht langweilig wird. So feierte „Lucky Man“ in Frankfurt seine Tourpremiere.
Mit „Ribbon & Lace“ präsentierte die Band außerdem einen brandneuen Song, der auf dem nächsten Studioalbum erscheinen wird, das voraussichtlich im kommenden Frühjahr veröffentlicht wird.
Atmosphäre
Marillion schafften es wie kaum eine andere Band, atmosphärische Klangteppiche zu erschaffen und damit die gesamte Halle zu füllen. Vor allem Gitarrist Steve Rothery war maßgeblich für den unverwechselbaren Sound verantwortlich. Seine Melodien schienen förmlich im Raum zu schweben und bildeten gemeinsam mit Steve Hogarths markantem Gesang die Grundlage für den einzigartigen Charakter der Band. Seit vielen Jahrzehnten leisten Marillion damit Pionierarbeit im Progressive Rock.
Da ich persönlich sonst überwiegend bei moderneren und härteren Musikgenres unterwegs bin, war dieses Konzert für mich eine neue Erfahrung, die mir ausgesprochen gut gefiel. Marillion unterhielten ihr Publikum über zwei Stunden hinweg mit großartiger Musik, herausragenden Musikern und äußerst sympathischen Geschichten zwischen den Songs. Insgesamt war es ein beeindruckender Konzertabend, den man Fans atmosphärischer Rockmusik uneingeschränkt empfehlen kann.
Setlist – Marillion, 07.07.2026, Jahrhunderthalle Frankfurt
- Splintering Heart
- The Crow and the Nightingale
- Easter (Während des Songbeginns stürzte Steve Hogarth von der Bühne, setzte das Konzert jedoch unverletzt fort.)
- You're Gone
- Lucky Man (Tourpremiere)
- Ribbons and Lace
- Sounds That Can't Be Made
- Seasons End
- Care (I) Maintenance Drugs
- Care (II) An Hour Before It's Dark
- Care (III) Every Cell
- Care (IV) Angels on Earth
- Man of a Thousand Faces
- Hotel Hobbies
- Warm Wet Circles
- That Time of the Night (The Short Straw)
- Afraid of Sunlight
- Wave
- Mad
- The Great Escape
Kevin Richter
Kevin, Fotograf und Redakteur für das Paranoyd Magazin. Er blickt auf eine fundierte Erfahrung durch die Zusammenarbeit mit diversen Musikmagazinen zurück und ist derzeit festes Mitglied der Paranoyd-Redaktion. Kevin verbindet den geschulten Blick für den Moment mit journalistischer Präzision, um authentische Konzertberichte und visuell beeindruckenden Content für die Szene zu schaffen.
























