Wiesbaden, 16.03.2026: Wieder einmal stand ein Konzert im Kesselhaus in Wiesbaden auf dem Programm. Dieses Mal waren die Finnen von LOST SOCIETY und AWAKE AGAIN zu Gast, die im Rahmen ihrer Tour „Tour is a State of Mind“ ihr aktuelles Album „Hell Is a State of Mind“ präsentierten. Für mich persönlich stellte der Abend ein besonderes Highlight dar, da LOST SOCIETY schon länger auf meiner persönlichen Konzertliste standen.
Da im Vorfeld weder von einer Low-Ticket-Warnung noch von einem ausverkauften Event die Rede war, blieb die Frage, wie gut die Show letztlich besucht sein würde. Umso erfreulicher war der erste Eindruck: Bereits bei unserer Ankunft vor der Venue hatten sich einige Besucher eingefunden. Gerade die kurze Wartezeit vor dem Einlass bot zudem die Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen – ein schöner Nebeneffekt, der bei Konzerten fast immer für zusätzliche Stimmung sorgt.
Awake Again drehen das Kesselhaus auf links
Einmal in der Venue angekommen, führte der erste Weg direkt zum Merch-Stand und zur Theke, bevor man sich schließlich wieder im vorderen Bereich der Bühne einfand. Der Raum füllte sich zunehmend, blieb dabei aber angenehm überschaubar – genug Platz, um sich zu bewegen, ohne sich wie in einer Sardinenbüchse zu fühlen. Kurz darauf war es dann soweit: Die aus Turku stammende Alternative-Metal-Band Awake Again betrat die Bühne. Die sympathischen Finnen verbinden in ihrem Sound Elemente aus Metal, Post-Hardcore und Pop zu einer energiegeladenen Mischung.

Mit „River“ legten sie direkt einen ihrer Signature-Tracks vor – und setzten damit sofort ein Ausrufezeichen. Die Energie von der Bühne übertrug sich unmittelbar ins Publikum, während Frontmann Matti Österman als klarer Motor des Geschehens agierte, rastlos über die Bühne wirbelte und die Dynamik des Auftritts maßgeblich antrieb. So gestaltete sich auch der restliche Auftritt von AWAKE AGAIN: geprägt von intensiver Publikumsinteraktion und einer spürbaren Nähe zur Crowd. Mit Songs wie „Saturday Night (I Am Alive)“, „Even The Dead Fish Can Swim Upstream“ oder „Shitwreck“ animierte die Band das Publikum immer wieder zum Mitsingen und Headbangen.
Das gesamte Kesselhaus ließ sich diese Einladung nicht entgehen – der Raum geriet in Bewegung, es wurde getanzt, mitgesungen und die Energie der Band unmittelbar aufgenommen. Auch auf der Bühne war die Spielfreude von Awake Again deutlich spürbar. Zwischen spaßigen Momenten, emotionalen Passagen, harten Ausbrüchen und ruhigeren Sequenzen präsentierte die Band eine bemerkenswerte Bandbreite. Klanglich gab es zwar vereinzelt kleinere Schwächen, aber das lag hauptsächlich am Ton aus dem Mischpult. Dennoch überwogen klar die positiven Eindrücke: kraftvolle, tiefe Growls und ein kreatives Instrumentenspiel prägten das Gesamtbild. Unterm Strich bleibt es ein leidenschaftlicher Auftritt, der definitiv Lust auf ein Wiedersehen macht.
LOST SOCIETY liefern Abriss mit Ansage
Während der kurzen Umbaupause vor dem Headliner nutzt man die Gelegenheit, sich noch einmal mit Getränken zu versorgen – schließlich will man für das, was kommt, vorbereitet sein. Ein kurzer Blick auf die am Bühnenrand platzierte Setlist sorgt dabei direkt für Vorfreude: Einer meiner persönlichen Favoriten ist bereits früh im Set eingeplant. Auch wird schnell klar, dass Lost Society an diesem Abend nicht nur auf Bewährtes setzen, sondern auch mehrere Songs ihres aktuellen Albums „Hell Is a State of Mind“ präsentieren werden. Dann ist es endlich so weit: Unter lautem Jubel und tosendem Applaus betraten die Finnen von LOST SOCIETY die Bühne.
Schon optisch setzte die Band ein klares Statement – Bassist Mirko, Schlagzeuger Taz und Gitarrist Arttu erschienen geschlossen in weißer Lederkleidung, während Frontmann Samy Elbanna in schwarzem Leder und oberkörperfrei auftrat, wodurch seine zahlreichen Tattoos sofort ins Auge fielen. Mit „Afterlife“ als Opener ihres insgesamt 17 Songs umfassenden Sets legten sie direkt los – und das mit voller Wucht. Keuchende Screams, verzerrte, druckvolle Riffs und eine massive Basslinie entfalteten sofort ihre Wirkung.

Die Energie übertrug sich augenblicklich ins Publikum: Haare flogen, Köpfe nickten im Takt, und auch der Letzte im Raum spürte die Musik. Mit „Blood Diamond“ folgte der erste Song des aktuellen Albums, den LOST SOCIETY an diesem Abend präsentierten. Der Up-Tempo-Track verband treibende Härte mit klassischen, leicht symphonischen Elementen und entfaltete dabei eine dichte, mitreißende Atmosphäre.
Besonders auffällig war das Zusammenspiel der Instrumente, das hier präzise ineinandergriff – auch wenn das Schlagzeug klar als dominierende Kraft den Takt vorgab und dem Song seine unaufhaltsame Dynamik verlieh. Mit „112“ folgte ein vertrauter Moment im Set, ein „Klassiker“ aus dem Jahr 2022 („If the Sky Came Down“), der bereits mit den ersten Tönen erkannt wurde. Das Publikum übernahm hier zuweilen die Kontrolle – die Menge sang lautstark mit, sodass die Band stellenweise kaum noch selbst hätte eingreifen müssen. Ein kleiner Bruch entstand jedoch im Mittelteil: Der gesprochene Part, der sich ideal für einen wuchtigen Breakdown angeboten hätte, blieb aus. Eine Entscheidung, die etwas unverständlich wirkte.
Finale Eskalation und Nähe zur Crowd
Ungeachtet kleinerer Brüche hielten LOST SOCIETY die Intensität durchgehend auf einem hohen Level. Ähnlich wie zuvor AWAKE AGAIN trieben sie das Publikum unermüdlich vor sich her und feuerten einen kraftvollen Track nach dem nächsten ab. Besonders hervor stachen dabei „Riot“, „KILL (Those Who Oppose Me)“ und „I Am the Antidote“, die mit ihrer Energie und Aussagekraft zu den Höhepunkten des Sets zählten. Die Stimmung im Raum war elektrisierend, fast greifbar – ein kollektiver Rausch aus Bewegung, Lautstärke und Begeisterung.
Auch der Band war der Spaß am Auftritt deutlich anzumerken, was die Dynamik zusätzlich verstärkte. Zwischen den Songs nahmen sich Lost Society zudem Zeit, um von ihrem letzten Auftritt an gleicher Stelle zu erzählen – ein kurzer Moment der Verbundenheit, der die ohnehin intensive Atmosphäre noch persönlicher wirken ließ. Den Schlusspunkt des Auftritts setzte der Titeltrack „Hell Is a State of Mind“. Mit diesem finalen Statement zeigten Lost Society noch einmal eindrucksvoll, wozu sie imstande waren.
Der vielschichtige Song entfaltete sich mit voller Wucht, steigerte sich zunehmend und entlud sich schließlich in einer explosiven Schlussphase. Dabei rief die Band die letzten Energiereserven des Publikums ab – ein finales Auflodern, ein gemeinsamer Ausbruch, der den Abend mit geballter Intensität zu einem eindrucksvollen Abschluss führte.
Nach dem Konzert nahmen sich beide Bands noch Zeit für ihre Fans, standen für Fotos bereit und kamen ins Gespräch. Gerade diese Momente abseits der Bühne verliehen dem Abend eine zusätzliche, persönliche Note und rundeten das Konzerterlebnis spürbar ab. Für uns ging es anschließend nach einem langen, ereignisreichen Tag zurück nach Hause – mit vielen Eindrücken.
LOST SOCIETY
Awake Again
Jennifer Richter
Jennifer Schreibt für das Paranoyd Magazin Reviews von Doom bis Black Metal sowie Konzert- und Festivalberichte mit fundierter Leidenschaft. Spezialisiert auf die extremen Ausläufer der Metal-Szene, liefert er/sie authentische Einblicke und fachkundige Analysen, die immer nah am Kern der Musik bleiben.






























