Stuttgart, 21.01.2026 – Am Mittwochabend verwandelte sich das Wizemann in ein Zentrum der internationalen Hardcore-Szene. Mit einem hochkarätig besetzten Package aus Lionheart, Madball, Gideon und Slope trafen vier Bands aufeinander, die unterschiedliche Generationen und Spielarten des Genres repräsentieren. Dass Hardcore-Konzerte vor allem durch Effizienz und maximale Intensität geprägt sind, bestätigte sich auch an diesem Abend, der punktgenau um 22:40 Uhr sein Ende fand.
Slope: Ein solider Auftakt unter besonderen Umständen
Den Abend eröffneten Slope aus Duisburg. Zu Beginn ihres Sets war die Halle bereits gut gefüllt, wenngleich noch deutliche Lücken auszumachen waren. Das Publikum agierte zunächst noch abwartend; die Rolle des „Anheizers“ ist traditionell eine undankbare, was sich in eher verhaltenen Reaktionen widerspiegelte. Bemerkenswert war jedoch die Besetzung am Bass: Aufgrund eines kurzfristigen Ausfalls übernahm der Tour-Manager das Instrument, nachdem er die Parts erst drei Tage zuvor gelernt hatte – eine Leistung, die technisch sauber über die Bühne ging. Trotz der Distanz der Zuschauer gelang es der Band, die notwendige Grundtemperatur für den weiteren Verlauf des Abends zu etablieren.
Gideon: Der Wendepunkt in Sachen Dynamik
Nach einer exakt getakteten 20-minütigen Umbaupause betraten Gideon die Bühne. Markantes Erkennungsmerkmal: Frontmann Dan McCartney mit Cowboyhut und Vollbart. Mit dem ersten Riff schien sich die Dynamik im Saal schlagartig zu ändern. Fast wie aus dem Nichts war die Halle nun bis in die letzten Ecken gefüllt. Die US-Amerikaner lieferten ein schnörkelloses 30-Minuten-Set ab, das die Interaktion deutlich steigerte. Erste Wall of Deaths, Circle Pits und vereinzelte Crowdsurfer markierten den Moment, in dem aus passiven Zuschauern aktive Teilnehmer wurden. Die Härte ihres Sounds fungierte als Katalysator für die folgende Eskalation.

Madball: New York City Hardcore-Institution in Bestform
Eine kurze Umbaupause später übernahm mit Madball, eine der einflussreichsten Institutionen des Hardcore. Frontmann Freddy Cricien erwies sich erneut als unermüdliches Energiebündel, das auf der Bühne „Kilometergeld“ sammelte und keine Sekunde stillstand. Madball boten genau das, was die Fans erwarteten: volle Power vom ersten Takt an.
Die Stimmung in der nun prall gefüllten Halle erreichte einen ersten Siedepunkt. Neben der musikalischen Darbietung gab es eine Ankündigung für die Zukunft: Ein neues Album über das Label Nuclear Blast steht in den Startlöchern. Obwohl sie rein organisatorisch als Support agierten – was sich auch an dem vor dem Haupt-Drumkit platzierten Schlagzeug bemerkbar machte –, fühlte sich der Auftritt wie ein Co-Headliner-Set an. Madball untermauerten ihren Ruf, eine Bank in Sachen Live-Performance zu sein.
Lionheart: Kalifornische Wucht zum Abschluss
Das Finale wurde durch das Fallen des großen Lionheart-Banners eingeleitet. Die Kalifornier präsentierten sich mit neuem Album im Gepäck und einem druckvollen, fetten Sound und einer im Vergleich zu den Vorbands leicht aufgewerteten Lichtshow inklusive Raucheffekten. Die Band verstand es meisterhaft, die Masse zu dirigieren. Ein Highlight war der Moment, in dem die gesamte Halle kollektiv in die Knie ging, um auf Kommando gleichzeitig aufzuspringen – ein beeindruckendes Bild der Geschlossenheit. Gastauftritte von Musikern der vorangegangenen Bands sorgten für ein familiäres Tour-Gefühl auf der Bühne. Mit ihrem wohl bekanntesten Track „LHHC“ endete die Show schließlich unter großem Jubel.
Der Abend im Wizemann war ein Musterbeispiel für professionell durchgeführte Hardcore-Tourneen: kurz, knackig und ohne unnötige Längen. Einziger Wermutstropfen bleibt die bauliche Beschaffenheit der Location für dieses spezifische Genre. Der vorhandene Sicherheitsgraben verhindert den direkten Kontakt zwischen Band und Fans, was klassische Elemente wie Stage-Diving nahezu unmöglich macht. Dadurch geht zwangsläufig ein Teil der für Hardcore typischen, rohen Intensität verloren. Dennoch überzeugte das Gesamtpaket durch vier starke Bands und eine hervorragende Organisation.
Lionheart
Madball
Gideon
Slope
Sören Wittmann
Sören ist Konzertfotograf beim Paranoyd Magazin. Er fängt die Leidenschaft von Live-Musik ein – von Irish/Folk Punk bis Metal und Musicals. Als Festival-Experte liegt sein Fokus auf den unentdeckten Perlen der Szene und kleineren, atmosphärischen Events abseits des Mainstreams.







































































