Essen, 04.04.2026 – Im Rahmen der „Krushers of the World Tour 2026“ tragen Kreator ihre kompromisslose Thrash-Metal-DNA rund um den Globus und machen auf den großen Bühnen dieser Welt Station. Doch zwischen all den internationalen Tourstopps nimmt ein Termin eine besondere Rolle ein: das Heimspiel in ihrer Herkunftsstadt. In Essen, wo die Geschichte der Band ihren Anfang nahm, erhält die Tour eine zusätzliche Bedeutungsebene, die über den regulären Konzertbetrieb hinausgeht. Am gestrigen Abend wurde die Grugahalle genau zu diesem zentralen Schauplatz – einem Ort, an dem globale Präsenz und lokale Verwurzelung unmittelbar aufeinandertrafen und dem Abend eine spürbar besondere Intensität verliehen.
Tatsächlich war die Stadt schon lange vor Konzertbeginn voll und ganz auf die Krushers eingestellt: Auf den Anzeigen des Parkleitsystems prangten in großen Buchstaben die Worte „KREATOR“, als würde selbst die Infrastruktur der Stadt den Abend ankündigen. Und wer dennoch Zweifel hatte, wo es hingehen sollte, wurde spätestens vor Ort eines Besseren belehrt – die Band hatte ihre Trucks, geschmückt mit großflächigen Bandmotiven, direkt vor dem Haupteingang der Halle positioniert. Das Ziel war also kaum zu verfehlen.
Schon Stunden vor Konzertbeginn zeichnete sich ab, welche Bedeutung dieser Abend für viele haben würde: Eine mehrere hundert Meter lange Schlange zog sich rund um die Halle, während sich Fans aus der gesamten Region ihren Platz sicherten. Die tiefe Verwurzelung der Band im Ruhrgebiet war dabei unübersehbar – Kreator verfügen hier seit Jahrzehnten über eine außergewöhnlich loyale und hartnäckige Fanbase, die auch diesmal eindrucksvoll Präsenz zeigte.
Hinzu kam eine besondere persönliche Note: Zahlreiche Freunde, Wegbegleiter und Familienmitglieder der Band waren angereist, was sich nicht zuletzt an einer ungewöhnlich langen Gästeliste bemerkbar machte. Dadurch entstand bereits im Vorfeld eine fast familiäre Atmosphäre, die dem Heimspiel zusätzlichen emotionalen Nachdruck verlieh.
Die Vorfreude im Publikum war entsprechend greifbar – nicht zuletzt wegen eines Supportpakets, das mit Carcass, Exodus und Nails eine beeindruckende Bandbreite harter Klänge versprach. Noch bevor der erste Ton erklang, war klar: Dieser Abend würde nicht nur musikalisch intensiv werden, sondern auch emotional – ein Heimspiel im wahrsten Sinne des Wortes.
Newcomer Nails mit starkem Auftakt!

Den Auftakt des Abends übernahmen Nails, die pünktlich gegen 18:20 Uhr die Bühne der Grugahalle betraten. Zu diesem Zeitpunkt war die Halle erst etwa zur Hälfte gefüllt, doch das hinderte die Band keineswegs daran, von Beginn an mit voller Intensität zu spielen. Besonders auffällig war die Lautstärke: Das Soundsystem schien einige Dezibel über dem üblichen Niveau zu liegen, wodurch der ohnehin brachiale Sound von Nails noch druckvoller wirkte. Ohne große Ansagen oder visuelle Effekte konzentrierte sich das Trio komplett auf seine Musik und lieferte ein kompromisslos geradliniges Set ab.
Gerade die Tatsache, dass lediglich drei Musiker auf der Bühne standen, wirkte angesichts dieser massiven Klangwand fast schon ironisch. Dennoch sprang die Energie schnell auf das Publikum über: Erste Moshpits entstanden, und die Stimmung zog merklich an. Nails schafften es mühelos, die Menge früh anzuheizen, und wurden für ihren intensiven, schnörkellosen Auftritt entsprechend gefeiert.
Exodus walzten Essen nieder!

Kommen wir zum ersten Highlight des Abends: Exodus. Nach einer sehr kurzen Umbaupause standen die Thrash-Urgesteine aus Kalifornien, denen einst in den frühen Jahren der Band Kirk Hammett von Metallica angehörte, auf der Bühne und rasierten das hungrige Publikum nach allen Regeln der Kunst. Exodus legten ein unfassbares Power-Set hin und zeigten von der ersten Minute an, warum sie seit Jahrzehnten zur Spitze des Genres gehören.
Das Publikum war völlig hin und weg und ging kräftig mit. Exodus spielten sich gemeinsam mit ihren Fans in einen regelrechten Rausch. Auch wenn das Set recht kurz wirkte, haute die Band um Slayer-Gitarrist Gary „Officer“ Holt hier alles raus, was in so kurzer Zeit möglich ist. Wer die Band vorher nicht kannte, dem wird sie nach diesem Auftritt so schnell nicht mehr aus dem Gedächtnis gehen.
Carcass übernahmen das Ruder!

Es ist schon Wahnsinn, was für Bands an diesem Abend im Vorprogramm auf der Bühne standen. Als Nächstes betraten Carcass die Bühne. Die Band aus Liverpool gilt als Vorreiter für viele melodische Death-Metal-Bands wie In Flames und Soilwork. So war Michael Amott viele Jahre bei Carcass aktiv, bevor er eine kleine Melodic-Death-Metal-Band namens Arch Enemy gründete. Was daraus geworden ist, sollte jeder einigermaßen informierte Metal-Fan wissen.
Carcass polarisierten bei ihrem Auftritt und konnten leider nicht jeden in der Halle für sich gewinnen. Die Band um Bill Steer spielte ein solides Set, das allerdings stellenweise etwas eintönig wirkte. Trotz handwerklich starker Performance fehlte es dem Auftritt phasenweise an Abwechslung, sodass die Reaktionen im Publikum gemischt ausfiel.
Die Krushers of Essen ließen die Grugahalle explodieren!
Endlich war die Zeit für die Lokalmatadore gekommen: Kreator betraten die Bühne in ihrer Heimatstadt Essen, und die starke Fanbase ließ keinen Zweifel daran, worauf sie gewartet hatte. Lautstark wurden die „Krushers of the World“ auf die Bühne gefordert, die Spannung in der Grugahalle war greifbar. Nach einem etwa vierminütigen Intro-Video, in dem ikonische Kämpfe und historische Schieflagen der Weltgeschichte visuell eindrucksvoll und kreativ verarbeitet wurden, standen die vier Musiker zunächst als Silhouetten hinter einem riesigen Vorhang im Scheinwerferlicht. Mit den ersten Klängen des Openers „Seven Serpents“ fiel dieser schließlich – und die Halle explodierte förmlich. Von der ersten Sekunde an war das Publikum voll da und ging komplett mit.
Nach diesem wuchtigen Einstieg ließ die Band keine Zeit zum Durchatmen. Schlag auf Schlag folgten mit „Hail to the Hordes“ und „Enemy of God“ direkt die nächsten Vollgas-Nummern, die das ohnehin schon aufgeheizte Publikum weiter antrieben. Die Essener präsentierten sich dabei in absoluter Bestform und wirkten über die gesamte Spielzeit hinweg extrem fokussiert und spielfreudig. Jeder Song wurde von einer aufwendigen Produktion begleitet: Meterhohe Flammen, druckvolle CO₂-Shots, Luftschlangenkanonen und Konfettiregen sorgten für eine visuelle Wucht, die der musikalischen Intensität in nichts nachstand. Kreator haben hier sichtbar an nichts gespart, und so entfaltete sich die Show Song für Song immer weiter und zog das Publikum komplett in ihren Bann.

Der Name der Tour passt dabei perfekt zu diesem Auftritt: Kreator agierten wie eine perfekt eingespielte Maschine und zerlegten das gesamte Feld mit beeindruckender Präzision und Energie. Es dürfte an diesem Abend nur wenige Besucher gegeben haben, die von dieser Performance nicht komplett mitgerissen wurden. Im weiteren Verlauf des Sets mischte die Band geschickt neues Material mit den Klassikern, die ihren Status über Jahrzehnte hinweg gefestigt haben. Songs wie „People of the Lie“, „Satan Is Real“, „Hordes of Chaos“, „Krushers of the World“, „Phantom Antichrist“ und „666 – World Divided“ sorgten für konstant hohe Intensität und wurden vom Publikum lautstark gefeiert.
Ein besonderes Highlight setzte der Song „Tränenpalast“, bei dem Britta Görtz von Hiraes die Band unterstützte und dem ohnehin starken Set eine zusätzliche emotionale Note verlieh. Nach rund eineinhalb Stunden fand die Show schließlich ihren traditionellen Abschluss mit „Pleasure to Kill“. Ein Finale, das perfekt zu diesem Abend passte – und ein Publikum zurückließ, das sichtlich erschöpft, aber zugleich euphorisiert und beseelt den Heimweg antrat.
Kreator – Krushers of the World 2026 – 04.04.26 – Essen – Setlist
- Intro: Eve of Destruction
- Seven Serpents
- Hail to the Hordes
- Coma of Souls (Intro)
- Enemy of God
- Satanic Anarchy
- Intro II: Sergio Corbuccis dead
- Hate über Alles
- People of the Lie
- Betrayer
- Krushers of the World
- Hordes of Chaos
- Intro III: Bells
- Satan is Real
- Loyal to the Grave
- Intro IV: Mars Mantra
- Phantom Antichrist
- Tränenpalast (mit Britta Görtz)
- Endless Pain
- 666 – World Divided
- Intro V: The Patriarch
- Violent Revolution
- Pleasure to Kill
Kreator
Nails
Exodus
Carcass
Tilo Sief
Tilo ist Fotograf & Redakteur beim Paranoyd Magazin. Dokumentiert Konzerte & Festivals in NRW, BeNeLux & Ruhrgebiet mit Leidenschaft & Präzision. Er bringt eine Menge Erfahrung mit und kennt sich bestens in der Szene aus.



















































