KRAFTKLUB verwandeln die Schleyer-Halle in die „Slayerhalle“

KRAFTKLUB Band auf der Bühne in  in  | Foto: Philipp Schadegg

Stuttgart, 17.03.2026: KRAFTKLUB sorgten in der ausverkauften Schleyer-Halle für ein intensives Live-Erlebnis voller Energie, Moshpits und politischer Botschaften. Die Band um Felix Brummer verwandelte die Arena – von ihm selbst augenzwinkernd „Slayerhalle“ genannt – in ein pulsierendes Zentrum aus Mitsingchören, Eskalation und Fan-Nähe.

An einem typischen Dienstag im März wird schnell klar: Dieser Abend wird kein gewöhnlicher Konzertabend. Bereits eine Stunde vor Einlass versammelten sich zahlreiche Fans vor der Schleyer-Halle, oder wie sie an diesem Abend liebevoll genannt wurde: „Slayerhalle“. Die Ränge füllten sich früh, die Stimmung war spürbar aufgeladen, und noch bevor das Konzert begann, bewegte sich die Menge tanzend im Innenraum. Kraftklub standen vor einer ausverkauften Halle und einem Publikum, das von der ersten Minute an bereit war zu eskalieren.

Yung Pepp – vom Klassenzimmer auf die große Bühne

Den Auftakt machte Yung Pepp, gerade einmal 17 Jahre alt und für diese Tour extra von der Schule freigestellt. Ein junger Künstler aus Leipzig, der seinen ersten Song bereits mit 12 geschrieben hat, und nun vor einer gut gefüllten Halle stand.

Mit einfachem Bühnenbild und selbst gemalten Bannern blieb er seinem Image treu: authentisch und nahbar, irgendwie genau dazwischen – Schüler und Künstler zugleich. Seine Songs wurden vom Publikum aufmerksam aufgenommen, spätestens bei „Lichtermeer“ war die Verbindung zur Menge spürbar.

Zwischen den Tracks setzte er auch klare politische Statements, positionierte sich deutlich gegen Nazis und verteilte symbolisch Mützen ins Publikum. Mit „Wassereis“ beendete er sein Set – eine nostalgische Hymne an vergangene Sommer, die mit lautem Applaus gefeiert wurde. Ein Auftritt, der zeigte: Hier wächst etwas heran.

Kraftklub – vom Wohnzimmer-Vibe zur völligen Eskalation

Nach einer kurzen Umbaupause wirkte das Bühnenbild zunächst überraschend schlicht. Doch dieser Eindruck sollte sich schnell relativieren.

Mit „Marlboro Mann“ starteten Kraftklub in ihr Set. Nebel zog durch die Halle, rotes Licht flutete die Decke, und mit dem Herunterfahren des Bühnenbilds wurde klar: Hier ist nichts zufällig. Kaum stand die Band auf der Bühne, hielt es niemanden mehr auf den Sitzen. Konfetti schoss durch die Luft, Lichter blinkten, das Publikum kreischte.

Was folgte, war ein fließender Übergang von Song zu Song. Mal wirkte die Bühne wie ein intimes Wohnzimmerkonzert, nur punktuell beleuchtet, dann wieder explodierte das Licht in alle Richtungen und riss die Menge komplett mit. Spätestens bei „Ich will nicht nach Berlin“ war die Richtung des Abends klar: Arme oben, erste Moshpits, die komplette Halle in Bewegung. Die Energie von Frontmann Felix Brummer übertrug sich unmittelbar auf das Publikum.

weiteres bühnenbild Kraftklub - Schleyerhalle - Stuttgart 17.03.26 © philipp schadegg
Kraftklub – Schleyerhalle – Stuttgart © Philipp Schadegg

Zwischen Ansagen, Eskalation und klaren Botschaften

Mit „Fahr mit mir (4×4)“ kam die erste größere Ansprache. Die Band erzählte von ihrer Zeit in Stuttgart, von einer Stadtrundfahrt im Geländewagen – locker und humorvoll. Gleichzeitig wurde bei „So rechts“ klar, dass Kraftklub mehr sind als nur Unterhaltung: Awareness, Zusammenhalt und klare Kante wurden thematisiert.

Immer wieder gelang es der Band, zwischen kompletter Eskalation und ruhigen Momenten zu wechseln. „Schief in jedem Chor“ fühlte sich fast wie ein Wohnzimmerkonzert an – trotz tausender Menschen. Das Publikum sang weiter, selbst als die Band kurz von der Bühne ging.

Mini-Rave und totale Kontrolle

Ein absolutes Highlight: der Moment, als die Band ins Publikum wechselte. Die Halle bebte, ein spontaner Mini-Rave entstand, Bässe drückten durch den Raum, und für einige Minuten gab es kein Halten mehr.

Überhaupt war das Spiel mit Licht ein zentrales Element. Taschenlampen wurden gezückt, das Publikum leuchtete die Band an – und umgekehrt. Diese Wechselwirkung verstärkte das Gefühl, Teil von etwas Gemeinsamen zu sein.

Setlist, Überraschungen und totale Fan-Nähe

Die Setlist war ein perfekt abgestimmter Mix aus Klassikern und neueren Songs. Tracks wie „Kippenautomat“ wurden mehrfach angestimmt, weil das Publikum einfach nicht genug bekam. Mit Aktionen wie einem Glücksrad aus dem Publikum („Scheiß in die Disco“) oder spontanen Interaktionen blieb die Show unvorhersehbar.

mitten in der menge Kraftklub - Schleyerhalle - Stuttgart 17.03.26 © philipp schadegg
Kraftklub – Schleyerhalle – Stuttgart © Philipp Schadegg

Politische Statements gegen Rassismus sowie Queer- und Transfeindlichkeit waren genauso Teil des Abends wie pure Eskalation bei „Schüsse in die Luft“ oder „Randale“. Letzterer, noch unveröffentlichter Song, wurde frenetisch gefeiert.

Als Kraftklub schließlich stolz verkündeten, dass die Schleyerhalle ausverkauft sei – ihr bisher größter Stuttgarter Auftritt –, wurde klar, wie besonders dieser Moment für Band und Fans war.

Ein Abend, der bleibt

Auch nach der Zugabe war noch lange nicht Schluss. Die Band zeigte sich nicht nur auf der Bühne oder im Innenraum – nein, sie waren sprichwörtlich auf jeder Bühne bei den Fans und performten Songs, als würde dieser Abend einfach nicht enden wollen.

Was bleibt, ist mehr als nur ein Konzert. Es war ein Abend, der Generationen zusammengebracht hat und der Beweis, dass Kraftklub auch heute noch zu den stärksten Livebands des Landes gehören.

Ich ging mit einem breiten Grinsen nach Hause, und selbst da war noch nicht genug Fan-Nähe zelebriert. Am Veranstaltungsparkplatz gesellte sich die Band spontan zu einem Straßenmusiker und spielte mit ihm zusammen drei Songs.

Diese Art und Intensität der Fan-Nähe habe ich so noch nicht erlebt.

Philipp Schadegg

Philipp Schadegg

Philipp Fotograf und Redakteur aus Fellbach. Für das Paranoyd Magazin begleitet er Konzerte und Festivals – authentisch, nah dran und unabhängig. Mit seinem erfahrenen Blick für die Live-Atmosphäre und unabhängigem Journalismus.

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