Neu-Ulm, 19.09.2026 – 5.000 Menschen waren gekommen, um Hannes Braun noch einmal mit Kissin’ Dynamite zu erleben. Niemand wusste in diesem Moment, was dieser Abend bringen würde. Ich selbst hatte die Band schon mehrfach live gesehen – aber noch nie unter solchen Vorzeichen.
Denn Hannes Braun hatte bereits im September 2025 seinen Abschied von der Bühne angekündigt. Damals war klar: 2026 würde er seine letzten Shows als Sänger von Kissin’ Dynamite spielen. Was zu diesem Zeitpunkt allerdings noch niemand ahnen konnte: Auf vielfachen Wunsch der Fans würde die Band noch einmal gemeinsam mit Hannes ins Studio gehen und ein letztes Album mit ihm am Mikrofon aufnehmen.
Dieses Album trug schlicht den Namen „Kissin’ Dynamite“ und war am 18.09.2026 erschienen. Nun stand die Band damit in Neu-Ulm auf der Bühne – vor 5.000 Menschen, die gekommen waren, um nicht nur die neuen Songs zu feiern, sondern gleichzeitig einen Frontmann zu verabschieden, der diese Band fast zwei Jahrzehnte geprägt hatte.
Ein neues Album und gleichzeitig der Abschied des Sängers – viel mehr Widerspruch konnte ein Konzertabend eigentlich kaum in sich tragen.
Für mich war es zudem der erste Besuch in der Ratiopharm Arena. Die moderne, beeindruckende Halle bot den passenden Rahmen für diesen besonderen Abend. Doch als Kissin’ Dynamite schließlich die Bühne betraten, war von Abschiedsstimmung zunächst überhaupt nichts zu spüren.
League Of Distortion eröffneten den Abend
Den Auftakt übernahmen League Of Distortion mit Anna Brunner am Mikrofon. Pünktlich begann der Support vor einer zu diesem Zeitpunkt noch gut halb gefüllten Halle. Ich hatte die Band bereits mehrfach live erlebt – von den ersten Auftritten im kleinen Wizemann-Studio in Stuttgart bis hin zur größeren Bühne des LKA Longhorn. Entsprechend interessant war es zu sehen, wie deutlich sich die Formation seit ihren ersten Shows weiterentwickelt hatte.
Was damals noch etwas roher gewirkt hatte, präsentiert sich inzwischen deutlich souveräner und abgeklärter. League Of Distortion haben ihren eigenen Sound weiter geschärft und treten entsprechend selbstbewusst auf.

Anna Brunner, die ich sonst als regelrechten Wirbelwind auf der Bühne erlebt hatte, hielt sich an diesem Abend etwas mehr zurück. Dafür überzeugte sie stimmlich auf ganzer Linie und lieferte eine starke Performance am Mikrofon ab.
Nach dem letzten Song füllte sich die Halle zunehmend. Aus der zunächst überschaubaren Kulisse war innerhalb kurzer Zeit ein dicht gefüllter Innenraum geworden. Die Gespräche wurden lauter, die Vorfreude spürbarer. Immer mehr Blicke richteten sich zur Bühne, während die letzten Vorbereitungen für den Hauptact liefen. Dann wurde es dunkel.
Jetzt gehörte die Bühne Kissin’ Dynamite – und vor allem einem Mann: Hannes Braun.
5.000 Menschen warteten auf Hannes Braun
Rund 5.000 Menschen waren gekommen, um eine der letzten Shows von Hannes Braun mit der Band zu erleben. Dabei musste ich unweigerlich an unser Interview vor ein paar Wochen denken. Hannes hatte mir erzählt, wie stolz er auf seine „Jungs“ war und was sie gemeinsam über all die Jahre aufgebaut hatten.
Jetzt bekam diese Aussage für mich eine ganz andere Bedeutung. Die 5.000 Menschen vor der Bühne waren plötzlich nicht mehr nur eine Zahl. Es waren Menschen, die seine Songs hören wollten, die den Weg der Band begleitet hatten und nun gekommen waren, um Hannes bei einer seiner letzten Shows zu erleben.
Dann wurde es dunkel. Die ersten Reaktionen gingen durch die Halle und mit „I’ve Got the Fire“ fiel der Startschuss – im wahrsten Sinne des Wortes mit einem Knall. Pyrofontänen schossen in die Höhe, Feuerblitze erhellten die Bühne und tauchten Hannes Braun für Sekunden in ein Meer aus Feuer. Dazu der wuchtige Sound – mehr Ansage für diesen Abend ging eigentlich nicht.
Vielleicht kam es mir an diesem Abend auch nur so vor oder ich hatte es mir selbst eingeredet – aber Hannes lieferte eine saugeile Performance ab.
Von der ersten Sekunde an riss er das Geschehen an sich, rannte über den Laufsteg, suchte immer wieder die Nähe zum Publikum und versprühte dabei eine Energie, die einfach ansteckte. Jede Bewegung wirkte selbstverständlich, jeder Blick saß – er war an diesem Abend ganz in seinem Element.
Fast hatte ich dabei das Gefühl, dass die Band ein wenig hinter ihm zurückblieb. Nicht, weil die Jungs schlecht gewesen wären, ganz im Gegenteil. Aber Hannes war an diesem Abend einfach eine Klasse für sich. Bei dieser Mischung aus Energie, Spielfreude und Charisma blieb bei mir deshalb nur ein Gedanke: Warum zur Hölle hört dieser Kerl auf?

Überraschungsgäste und ein emotionaler Abschied
Doch nicht nur Hannes sorgte an diesem Abend für besondere Momente. Den ersten Gast hatte ich bereits erwartet: Anna Brunner kam für „Ecstasy“ gemeinsam mit ihm auf die Bühne.
Und natürlich durfte auch „Flying Colours“ nicht fehlen. Für mich war der Song nach wie vor einer der stärksten Tracks von Kissin’ Dynamite und live funktionierte er einfach jedes Mal. Kurz darauf wurde es ruhiger: Anna Brunner kehrte für die Akustikversion von „Lie for Me“ noch einmal zurück auf die Bühne. Ein schöner Kontrast zur energiegeladenen Show und ein besonderer Moment zwischen den beiden.
Dann folgte die Überraschung, mit der ich nun wirklich nicht gerechnet hatte: Plötzlich stand Primal-Fear-Sänger Ralf Scheepers vor dem Publikum.
Als die ersten Töne von „Steel of Swabia“ erklangen, war die Überraschung perfekt. Hannes und Ralf gemeinsam – zwei Stimmen, die hervorragend zu diesem Song passten. Und der Titel passte zu den beiden Schwaben natürlich wie die Faust aufs Auge. Ein herrlicher Moment, der entsprechend gefeiert wurde.
Die eine oder andere Träne blieb an diesem Abend ebenfalls nicht aus. Auch wenn es nicht das Ende von Kissin’ Dynamite war – etwas, das Hannes in Interviews immer wieder betont hatte –, fühlte sich dieser Abend unweigerlich wie ein Abschied an.
Und genau darin lag die Besonderheit dieser Tour: Eine Band, die gerade erst ihr neues Album veröffentlicht hatte, verabschiedete gleichzeitig ihren Frontmann von der Bühne. Man feierte die neuen Songs und wusste doch, dass man sie mit Hannes in dieser Form nicht mehr erleben würde.
Wir hatten in Neu-Ulm einen Hannes Braun in absoluter Topform erlebt. Jetzt blieben nur noch zwei Shows dieser besonderen Abschiedstour. Wenn ihr die Chance habt, dabei zu sein, dann nutzt sie. Holt euch ein Ticket und erlebt diesen Hannes Braun noch einmal live. Denn das hier war Kissin’ Dynamite at its best!
Die Setlist von Kissin’ Dynamite in Neu-Ulm
Kissin’ Dynamite
League Of Distortion
Marc Blessing
Marc ist Webmaster, Chefredakteur und Fotograf des Paranoyd Magazins. Als Spezialist für Rock und Metal News sowie Hausfotograf des LKA Longhorns verbindet er Szenekenntnis mit technischem Know-how. Er liefert authentische Konzertberichte, professionellen Content und prägt seit Beginn Qualität, Glaubwürdigkeit und digitale Stärke des Paranoyd Magazins.
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