Stuttgart, 09.04.2026 – Zwischen Indie-Vibes, politischen Statements und Mitsing-Ekstase feiern Kaffkiez ihren Tourstart in Stuttgart und verwandeln die ehrwürdige Liederhalle in ein Meer aus Emotionen, Lichtern und tanzenden Fans.
Der Sommer hielt an diesem Abend spürbar Einzug in Stuttgart. Schon von Weitem sah ich die langen Schlangen vor den Eingängen der Liederhalle – viele Fans, eingehüllt in Kaffkiez-Merch, die Vorfreude deutlich sichtbar. Es lag dieses besondere Kribbeln in der Luft, das nur ein Tourstart mit sich bringt.
Kaum hatte ich den Beethovensaal betreten, drangen bereits die ersten Klänge des Openers durch den Raum. Ein ungewohnter Anblick: Wo sonst klassische Musik zu Hause ist, übernahmen an diesem Abend Gitarren und Indie-Sounds das Kommando. Die sonst eher gesetzte Atmosphäre wirkte plötzlich aufgebrochen, fast schon elektrisiert.
Die ersten Reihen waren schon gut gefüllt, überall gespannte Gesichter, vereinzelte Gespräche, die langsam vom Sound geschluckt wurden. Man merkte sofort, wie sich die Aufmerksamkeit nach vorne verlagerte. Die Mischung aus neugierigen Blicken und ersten mitwippenden Köpfen zeigte: Das Publikum war bereit.
Und genau das machte diesen Moment so besonders – dieser Kontrast zwischen der ehrwürdigen Location und der frischen, direkten Energie der Musik. Es fühlte sich ein bisschen so an, als würde der Raum gerade neu definiert werden.
Corduroy Country – entspannter Auftakt mit 70s-Vibes
Den Abend eröffneten Corduroy Country aus Hamburg – und das mit einem charmanten Mix aus Rock und Indie, der direkt zum Tanzen animierte. Frontsänger und Frontsängerin wechselten sich regelmäßig ab und sorgten so für eine angenehme Dynamik im Set.
Die Bühnenshow blieb dabei bewusst zurückhaltend: ein schlichtes Neon-Schild mit dem Bandnamen, keine großen Effekte. Der Fokus lag ganz klar auf der Musik – und die funktionierte.
Besonders auffällig waren die Outfits, die stark an die 70er-Jahre erinnerten und perfekt zur entspannten, leicht nostalgischen Stimmung passten. Beim Blick ins Publikum konnte ich immer wieder sehen, wie Handys gezückt wurden – nicht nur zum Filmen, sondern auch, um Songs direkt in Playlists zu speichern. Ein besseres Kompliment kann man sich als Support wohl kaum wünschen.
Nach etwa 30 Minuten war diese kleine Zeitreise vorbei und hinterließ ein wohlig warmes Gefühl – ein gelungener Einstieg in den Abend.

Kaffkiez – zwischen Haltung, Hits und purem Gefühl
Noch bevor Kaffkiez überhaupt die Bühne betraten, war die Stimmung auf ihrem Höhepunkt. Klassiker wie „Unwritten“ oder „Griechischer Wein“ wurden lauthals aus dem Publikum angestimmt – ein kollektives Einsingen, das den Abend perfekt vorbereitete.
Mit dem eigentlichen Intro setzte die Band dann direkt ein klares Zeichen: Die Bühne tauchte in rotes Licht, und mit dem Song „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ von Danger Dan wurde die Richtung des Abends unmissverständlich vorgegeben. Die Menge tobte.
Was folgte, war ein Set, das von Anfang bis Ende lebte. Der Sänger heizte das Publikum immer wieder an, suchte die Nähe zur Menge und schaffte es mühelos, die Energie hochzuhalten. Immer wieder verwandelte sich die Liederhalle in ein riesiges Lichtermeer, wenn Handys in die Höhe gehalten wurden.
Musikalisch boten Kaffkiez genau das, was man sich erhofft: ein Wechsel aus tanzbaren Indie-Hits und kurzen, ruhigeren Momenten zum Durchatmen, Mitschunkeln oder einfach Genießen. Doch diese Verschnaufpausen waren nie von Dauer – schnell ging es zurück in die nächste Welle aus Energie.
Songs aus älteren Releases trafen auf Material vom neuen Album „Wir“, und genau diese Mischung sorgte dafür, dass sich sowohl langjährige Fans als auch neue Zuhörer abgeholt fühlten.
Ein Tourstart mit Nachhall
Die Band wirkte sichtlich emotional und stolz, diesen Tourstart genau hier zu feiern – und das völlig zu Recht. Die Verbindung zum Publikum war spürbar, fast greifbar.
Am Ende blieb ein Abend, der viele Facetten vereinte: politische Statements, Moshpits, Schunkel-Momente und große Emotionen. Eine Mischung, die man so in der Liederhalle nicht alle Tage erlebt.
Ich ging raus mit einem breiten Grinsen und dem Gefühl, dass das hier mehr war als nur ein Konzert. Eher so ein Abend, über den man noch Tage später spricht. Wenn der Rest der Tour nur annähernd dieses Level hält, wird das ein richtig starker Sommer.
Philipp Schadegg
Philipp Fotograf und Redakteur aus Fellbach. Für das Paranoyd Magazin begleitet er Konzerte und Festivals – authentisch, nah dran und unabhängig. Mit seinem erfahrenen Blick für die Live-Atmosphäre und unabhängigem Journalismus.

















