Stuttgart, 06.02.2026: Was passiert, wenn Breakcore, Operngesang und Progressive Metal aufeinandertreffen? Im Wizemann in Stuttgart wurde genau das Realität. IGORRR präsentierten gemeinsam mit DVNE und Thoughtcrimes einen Konzertabend, der sich konsequent jeder musikalischen Einordnung entzog und das Publikum von der ersten Minute an fesselte.
Schon vor dem Einlass zeigte sich, dass dieser Freitagabend kein gewöhnlicher werden würde. Eine rund 150 Meter lange Schlange voll gut gelaunter Metalfans wartete auf den Einlass ins Wizemann, bei einigermaßen angenehmen sieben Grad und spürbarer Vorfreude auf IGORRR. Das Publikum war bunt gemischt, von etwa 18 bis 68 war alles vertreten. Neben der deutschen Sprache hörte ich Englisch, Französisch, Italienisch und Schweizerdeutsch.
Ein internationales Publikum, vereint durch die Neugier auf etwas, das sich nicht in Schubladen stecken lässt. Während die Gäste langsam ins Wizemann strömten, klangen bereits die ersten Töne des Soundchecks von Thoughtcrimes durch den Raum – ein Vorgeschmack auf das, was folgen sollte.
Thoughtcrimes – Vollgas zum Einstieg
Thoughtcrimes eröffneten den Abend ohne Umschweife. Direkt ging es mit Vollgas los, und das zu diesem Zeitpunkt etwa halb gefüllte Wizemann begann sofort mitzunicken und zu headbangen. Das Set war druckvoll und kompakt, wurde in der Mitte kurz durch eine ruhigere Nummer aufgelockert, bevor es wieder nach vorne ging.
Gegen Ende mischten sich elektronische Elemente unter die harten Klänge, und inzwischen war der Raum vollständig gefüllt. Das Publikum lauschte gespannt und bewegte sich mit. Die rund 30 Minuten vergingen wie im Flug. Nach einer kurzen Stärkung am Bierstand machte sich die Menge bereit für den nächsten Support.

DVNE – Episch und progressiv
DVNE aus Schottland betraten die Bühne mit einem ungewöhnlichen Setup: Das Schlagzeug stand mittig ganz vorne, was bereits erahnen ließ, dass hier kein Standardprogramm folgen würde. Ein episches Intro eröffnete ihr Set, begleitet von lautem Jubel aus dem Publikum.
Progressive-Metal-typisch glänzte ihr Auftritt mit starken Vocals, langen Riffs und einem hervorragend ausbalancierten Mix aus Rhythmus und mitreißenden Passagen. Die Band schaffte es mühelos, die Menge zum Headbangen zu animieren, ohne dabei die Komplexität ihrer Songs zu verlieren. Für ihren ersten Besuch in Deutschland ließen DVNE keine Wünsche offen und lieferten ein Set ab, das nachhaltig Eindruck hinterließ.
IGORRR – Breakcore trifft Barock
Die Umbaupause wurde von klassischer Musik begleitet – perfekt, um noch einmal den Flüssigkeitshaushalt aufzufüllen, bevor IGORRR die Bühne betraten. Schon der Bühnenaufbau ließ die Erwartungen steigen: Schlagzeug auf einem Podest, daneben ein weiteres elektronisches Drum- und Synth-Konstrukt – schwer zu beschreiben, definitiv nichts von der Stange.
Auch an diesem Abend starteten die Franzosen kraftvoll und nahmen das Publikum sofort mit. Headbangen sah man hier weniger – stattdessen stand konzentriertes Zuhören im Vordergrund. Jeder schien die einzelnen Songs regelrecht aufzusaugen: hochkomplexe Kompositionen, bei denen Breakcore auf Barock trifft und elektronische Elemente, Progressive Metal und Operngesang zu einem einzigartigen Ganzen verschmelzen.
Sängerin Marthe Alexandre sang zum Niederknien, beherrschte mühelos unterschiedlichste Gesangstechniken und bewegte sich dabei fast schon tänzerisch über die Bühne. Das Projekt rund um Gründer Gautier Serre ließ für mich keine Wünsche offen. Lichtshow und Bühnenbild unterstrichen die musikalische Performance eindrucksvoll und machten diesen Auftritt zu einem Gesamtkunstwerk.
Am Ende verließ ich das Wizemann mit dem Gefühl, erneut Zeuge eines der spannendsten musikalischen Projekte unserer Zeit geworden zu sein. IGORRR bewiesen einmal mehr, dass Musik keine Genregrenzen braucht – nur offene Ohren.
IGORRR
Thoughtcrimes
DVNE
Philipp Schadegg
Philipp Fotograf und Redakteur aus Fellbach. Für das Paranoyd Magazin begleitet er Konzerte und Festivals – authentisch, nah dran und unabhängig. Mit seinem erfahrenen Blick für die Live-Atmosphäre und unabhängigem Journalismus.





























