Im Februar 2026 kam sie endlich: Die neue Fjørt-Platte „belle époque“! Und was darf bei einer Neuerscheinung nicht fehlen? Richtig: eine Tour! Auf ihrer „BÉ FJØRT-Tour 2026“ machten die Aachener Halt im schönen Schlachthof Wiesbaden, mit dem die Band schon seit vielen Jahren einzigartige und prägende Erlebnisse verbindet – fast schon ein kleines Heimspiel.
Als Support waren ASHES OF POMPEII am Start, die mit ihrem Post-Hardcore ordentlich Alarm machten und das Publikum anheizten. Mit ihrem intensiven, aber auch melodischen Mix ein sehr würdiger Opener an diesem wundervollen Konzertabend!
Klare Ansage und brachialer Einstieg
Nach entspannter Umbaupause ging es los. Dachte man zumindest. Bevor die Band die Bühne betrat, erschien auf dem Backdrop eine Nachricht, die über die PA erklang: Menschen mit toleranter Gesinnung sind herzlich willkommen – alle Menschen mit rechter Einstellung nicht. Dass sich bei einer Fjørt-Show bei Letzterem niemand angesprochen fühlte, muss hier, glaube ich, nicht erwähnt werden.
Mit dem Opener „ær“ begann die Show. Das Trio stürmte in gewohnter Energie die Bühne. Der Sound: brachial, aber ausgewogen – eine wahre Freude! David stürmte die Bühne auf und ab und riss das Publikum von der ersten Sekunde an komplett mit. In den ersten Reihen wurde lauthals mitgeschrien.
Es folgten „südwärts“ und „Anthrazit“, bei dem man schon beim Klavierintro Gänsehaut bekommt! Das Trio schaffte eine gekonnte Mischung aus alten und neuen Songs. Das Publikum war begeistert. „kolt“ und „windschief“ folgten und ebneten weiteren Werken der neuen Platte den Weg.
Wie Chris Hell in einer Ansage sagte, fiel es ihnen schwer, diese dunkle und schwere Platte zu beenden. Von diesen Schwierigkeiten war auf der Bühne nichts zu merken. Voller Inbrunst stehen Fjørt für ihre Werte und die ihrer Fans ein – überzeugender und mitreißender denn je! So auch in „mir“, dem nächsten Song. Begleitet von kurzen, fast schon unterbewussten Bildeinblendungen auf dem Backdrop bekam der Text des Songs noch einmal eine ganz neue Intensität – Gänsehaut!
Mit „lod“ aus dem letzten Album packt die Band ein weiteres Pfund aus. Mit „bonheur“ und „fernost“ folgten zwei weitere starke Songs, bevor es zu den (für mich) zwei Brettern der aktuellen Scheibe kam: „messer“ und „’43“!
Gänsehaut, Haltung und ein unvergesslicher Abschluss
Vor dem Schlusspart von „’43“ bahnte sich David seinen Weg durch das Publikum bis zum FOH. Von dort hielt er eine ergreifende Rede über – beziehungsweise gegen – den Rechtsruck, der sich seit Jahren in Europa und der Welt vollzieht. „Wir leben in Hakenkreuzzeiten, la résistance – Zeit, euch zu zeigen“, brüllte er voller Leidenschaft ins Mikro und stürzte sich in die menschlichen Wogen, die ihn zurück zur Bühne trugen. Ein unfassbarer Moment!
Nachdem sich die Band wieder auf der Bühne gesammelt hatte, erklangen bereits die ersten Akkorde zum „Akustik“-Intro von „Couleur“. Für mich persönlich ein sehr emotionaler Moment. Der Text trifft so oder so schon mitten ins Mark. Das dann noch in Kombination mit diesen weichen Klängen … heftig. Heftig, aber schön!
Als Rausschmeißer hauten die Aachener noch den Song raus, der meine Fjørt-Einstiegsdroge war: „Valhalla“ – einfach ein Brett!
Nach kurzem Zappelnlassen und „Zugabe“-Rufen betrat die Band erneut die Bühne und performte ihre drei Zugaben: „yin“, „feivel“ und „nacht“.
Fjørt zeigten einmal mehr: Musik ist unser Sprachrohr! Wir können und dürfen uns ausdrücken, Missstände anprangern, aufrütteln! Wenige Bands machen das so echt, leidenschaftlich und gleichzeitig stilvoll wie Fjørt.
Chris, David, Frank … ihr habt einen festen Platz in meinem Herzen und meinem Kopf! Danke für einen weiteren grandiosen Abend! Ich freue mich auf alles, was noch kommt. Vielen Dank für einen unvergesslichen Abend!
P.S.: Ich weiß, Presse sollte objektiv sein. Aber in diesem Fall geht das nicht …
Fjørt
ASHES OF POMPEII
Benjamin Uhle
Benjamin ist Konzertfotograf und Redakteur beim Paranoyd Magazin aus Stuttgart. Er hält die Live-Atmosphäre in Bildern und Texten fest – authentisch, unabhängig und kritisch. Benjamin legt Wert auf eine unvoreingenommene Berichterstattung und fängt die Energie von Konzerten und Festivals mit einem ehrlichen Blick für den Moment ein.
















































