Stuttgart, 19.12.2025: Die jährlichen „Alle Jahre Die Da“ Shows der Fantastischen Vier in der Stuttgarter Schleyer-Halle sind seit Jahren ein fester Termin zum Jahresende. Für Fans aus der Region und weit darüber hinaus sind sie weit mehr als nur Konzerte. Sie sind Tradition, Heimspiel und kollektives Ritual zugleich. 2025 schwingt dabei erstmals auch ein wenig Wehmut mit. Zwar gehen die Fantas noch bis 2028 auf Tour, danach soll jedoch Schluss sein mit dem Tourleben. Das bedeutet kein unmittelbares Ende der Band, macht diese Weihnachtsshows aber umso besonderer.
Entsprechend groß war die Vorfreude. Bewusst fiel für mich die Wahl auf das Erste der beiden Abende in der restlos ausverkauften Schleyer-Halle. Ein Ort, der in diesem Jahr ohnehin oft besucht wurde – doch jedes Konzert hier hatte seinen eigenen Charakter. Die Fantastischen Vier machen da keine Ausnahme.
Von “Jetzt geht’s ab” bis “Troy” – Drei Jahrzehnte deutscher Hip-Hop
Die Show beginnt mit einem kleinen Hänger. Kein Drama. Hinter dem Vorhang sitzen Smudo, Michi Beck, Thomas D und And.Ypsilon und wundern sich selbst, warum das verdammte Ding einfach nicht fallen will. Ein Moment, der eher für ein Schmunzeln sorgt als für Unruhe. Passiert eben auch den Besten. Als das Hindernis endlich beseitigt ist, gibt es den freien Blick auf die Bühne – und der hat es in sich.
Eine massive Videowall dominiert das Bühnenbild. Smudo, Michi Beck und Thomas D sind die komplette Show über in Übergröße zu sehen, selbst vom letzten Platz aus. Der Fokus liegt klar auf den Protagonisten, während der Rest der Band bewusst dezent im Hintergrund bleibt. Keine überladene Inszenierung, sondern klare Bilder und maximale Präsenz an diesem Abend in Stuttgart.
Die Fantastischen Vier waren von Anfang an Wegbereiter des modernen Hip-Hop in Deutschland. Und das, ohne sich jemals zu verbiegen. Sie sind immer „Troy“ geblieben. Sie haben über mehr als drei Jahrzehnte hinweg bewiesen, dass sich Hip-Hop weiterentwickeln kann, ohne seine Identität zu verlieren.
Ein Blick auf ihre Diskografie zeigt diese Entwicklung deutlich. Anfang der 90er brachten sie frischen Wind in eine noch junge Szene, schafften kurz darauf den Durchbruch im Mainstream und verbanden Ende der 90er alte Wurzeln mit modernen Sounds. In den 2000ern wurden die Texte nachdenklicher, der Sound experimenteller, später wieder organischer und rockiger. Es gab immer wieder Songs, die selbst Nicht-Szene-Kenner im Schlaf mitsingen können. Und genau diese Vielseitigkeit spiegelt sich auch in der Setlist wider.

Von der Bühne bis zum letzten Platz – German Hip Hop in Bestform
Die Schleyer-Halle bebt. Das Publikum reicht von zehn bis weit über fünfzig Jahre. Generationen feiern hier gemeinsam, hüpfen, tanzen und singen jede Zeile mit. German Hip-Hop at its best, mit allem, was Die Fantastischen Vier ausmacht. „MfG“, „Die Da!?“, „Troy“ und zahlreiche weitere Klassiker zünden wie eh und je und zeigen eindrucksvoll, wie zeitlos diese Songs geblieben sind.
Auf einen Support Act verzichten die Fantas an beiden Abenden bewusst. Stattdessen setzen sie auf Nähe und ein besonderes Erlebnis vor Showbeginn. Ohne Vorband liegt der Fokus von Anfang an komplett auf dem Publikum und der Band selbst – ein Konzept, das perfekt zur langen gemeinsamen Geschichte passt.
Zwischen all den Klassikern und der ausgelassenen Stimmung wird es an diesem Abend auch leise. Thomas D richtet sich direkt an das Publikum und findet Worte, die hängen bleiben. Er spricht darüber, wie selbstverständlich wir oft unsere Freunde, unsere Familie, unsere Eltern, sogar unsere Hunde nehmen, bis zu dem Moment, an dem sie nicht mehr da sind. Erst dann werde uns bewusst, was wir verloren haben. Ein ehrlicher, nachdenklicher Moment, der die Halle für einen Augenblick innehält und zeigt, dass die Fantastischen Vier auch nach all den Jahren mehr sind als reine Unterhaltung.
Die Weihnachtsshows der Fantas sind jedes Jahr etwas Besonderes. Nicht zuletzt wegen ihrer Geschichte. Zum 21. Mal stehen sie in der Schleyer-Halle auf der Bühne, mit der Doppelshow sind es sogar bereits 22 Auftritte an diesem Ort. Das können nur wenige Acts von sich behaupten. Diese enge Verbindung zwischen Band, Stadt und Halle ist spürbar und macht den Abend zusätzlich emotional.
Die Fantastischen Vier gehören zu Stuttgart wie der Fernsehturm. Sie waren immer „Die Da“, sie bleiben ewig „Troy“ und sind am Ende genau das geblieben, was sie immer waren: authentisch, relevant und nahbar. Keine Pose, kein unnötiger Bombast, sondern vier Künstler, die wissen, wo sie herkommen und warum sie hier stehen.
Am Ende bleibt ein rundum starker Abend. Eine Show, die zeigt, warum Die Fantastischen Vier auch nach über 30 Jahren nichts von ihrer Bedeutung verloren haben. Ich ziehe meinen Hut vor dem Erreichten und vor dieser wirklich großartigen Weihnachtsshow.
Marc Blessing
Marc ist, Webmaster, Chefredakteur und Fotograf des Paranoyd Magazins. Als Spezialist für News, Hausfotograf für das LKA Longhorn und IMAGO-Contributor verbindet er tiefgreifende Rock-Expertise mit technischem Know-how. Marc liefert authentische Konzertberichte, Profi-Content sowie pointierte Kolumnen und bildet von Beginn an das journalistische und technische Fundament von Paranoyd.



























