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Schwedenrock vom Feinsten mit Eclipse und Reach im Colos-Saal in Aschaffenburg

Schwedenrock vom Feinsten mit Eclipse und Reach im Colos-Saal in Aschaffenburg

Der Colos-Saal ist bekannt für Abende, an denen große Rock-Momente auf intime Clubatmosphäre treffen. Genau solch ein Abend war der 26. November 2025, als Eclipse und Reach den nahezu ausverkauften Saal in einen skandinavischen Hard-Rock-Schmelzofen verwandelten. Zwei Bands aus Stockholm, zwei Generationen moderner Rockkunst und ein Publikum, das vom ersten Ton an mitging.

Reach: Jugendlicher Sturm und Drang

Den Auftakt bestritt das Trio Reach, das seit den frühen 2010er Jahren kontinuierlich seinen eigenen Weg zwischen Melodic Rock, Alternative-Einflüssen und modernen, mitunter gar progressiven Klangfarben gefunden hat. Die Band, bestehend aus Ludvig Turner (Gesang/Gitarre), Marcus Johansson (Schlagzeug) und Soufian Ma’Aoui (Bass), wirkte von der ersten Minute an fokussiert und energiegeladen.

Im Interview verrieten die sympathischen Schweden, die bereits vier Alben veröffentlicht haben, dass sie einfach Rock ’n’ Roll spielen wollen und sich dabei in keine Schublade stecken lassen. Ob das nun Mainstream-tauglich ist oder nicht, spielt keine Rolle; erlaubt ist, was (ihnen) gefällt. Wer offen für Neues ist, für den gibt es hier einiges zu entdecken. Zu ihren Einflüssen zählen Bands wie Led Zeppelin, Muse, Black Sabbath und Rush.

Reach Colos-Saal in Aschaffenburg credit: björn vollmuth
Reach Colos-Saal in Aschaffenburg – Credit: Björn Vollmuth

Sänger Ludvig, im bürgerlichen Leben Kapitän eines Fährschiffs in Stockholm, ist wohl das, was man als eine „alte Seele“ bezeichnet. Trotz seiner zarten 32 Jahre transportiert seine Stimme den Weltschmerz eines Mittfünfzigers, der seine zweite Scheidung und seinen dritten Entzug hinter sich hat. Die Live-Performance der Band lebt von seinen unglaublich flexiblen Vocals mit Rock-Pathos und modernem Alternative-Timbre, in das er gelegentlich Falsett einstreut. Drummer Marcus und Bassist Soufian bilden die Rhythmussektion und geben den Songs einen kompromisslosen Drive.

Gleich nach dem Intro hauten die Schweden ihren brandneuen Ohrwurm „Hell on Earth“ raus, der beim Autor derzeit auf Dauerschleife läuft. Die Setlist umfasste zudem Songs wie „Little Dreams, „A Million Lives“, „A Beautiful Life“, „Grand Finale“ und „Save the World“ von ihrem aktuellen Album Prophecy, sowie ein paar ältere Tracks, darunter „Mama Mama“ und „Motherland.“

Reach waren an diesem Abend weit mehr als ein Warm-up: Sie lieferten ein Statement, wohin moderner schwedischer Rock sich entwickeln kann. An Weihnachten will sich das Trio zum Schreiben zusammenfinden und im Laufe des nächsten Jahres soll dann das fünfte Album erscheinen.

Eclipse: Schwedens Hard-Rock-Exportschlager in Bestform

Als wenig später Eclipse die Bühne betraten, verwandelte sich der Colos-Saal schlagartig in ein Meer aus erhobenen Fäusten und strahlenden Gesichtern. Die Band um Erik Mårtensson, die 1999 in Stockholm gegründet wurde und seit Jahren zur Speerspitze des europäischen Melodic Hard Rocks gehört, zeigte sofort, warum sie eine der zuverlässigsten Live-Kräfte im Genre ist.

Aus dem AOR-affinen Frühwerk entwickelten Erik und Mitgründer Magnus Henriksson (Leadgitarre) über die 2000er Jahre hinweg einen eigenständigen Signature-Sound: melodisch, druckvoll, hymnisch und stets getragen von Eriks markanter Stimme. Seit Mitte der 2010er Jahre ist die Gruppe mit den Brüdern Victor Crusner (Bass) und Philip Crusner (Schlagzeug) rhythmisch perfekt aufgestellt. Philip war bei dieser Tour jedoch aus familiären Gründen nicht am Start und wurde von Magnus „Adde“ Andreasson (ehemals Drummer bei HARDCORE SUPERSTAR) würdig vertreten.

Bereits zum Soundcheck kam Michael Müller von Jaded Heart zu Besuch. Man kennt sich gut: Erik hat an zahlreichen Songs von Jaded Heart mitgewirkt, sei es bei der Komposition, den Backing Vocals oder der Produktion. Michael hat für die Band und die Crew allerlei Goodies mitgebracht: Es gibt Vinyl, CDs, Shirts und Mützen von Jaded Heart. Anschließend wird gefachsimpelt: Erik musste sich im Laufe der Tour von der Nobel-Amp-Schmiede LENZ einen Verstärker leihen, weil sein eigener den Geist aufgegeben hatte.

Eclipse Colos-Saal in Aschaffenburg credit: björn vollmuth
Eclipse Colos-Saal in Aschaffenburg – Credit: Björn Vollmuth

Erik hat sich mittlerweile in den Amp verliebt und will sich schnellstmöglich selbst einen solchen Verstärker bestellen. Das Teil ist allerdings nicht ganz günstig, und so scherzt Erik mit Michael, er könne ja die von Michael mitgebrachten Shirts und Mützen verkaufen, um das Gerät zu finanzieren.

Vor der Show nahm sich Victor unglaublich viel Zeit, um mit PARANOYD über die Band, das Musikbusiness und die Welt im Allgemeinen zu sprechen. Und auch Erik und Magnus waren sich im weiteren Verlauf des Nachmittags nicht für einen Plausch zu schade. So durften wir u. a. erfahren, dass die Tour richtig gut läuft und die Band sich unglaublich darüber freut, wie viele Leute sich mitten in der Woche abends einfinden, um ihnen bei der Arbeit zuzuhören.

Sie wissen, dass das keine Selbstverständlichkeit ist, und führen die treue Fanbase auf ihre beharrliche Arbeit und die vielen Touren in den letzten 25 Jahren zurück. Deutschland ist ein gutes Pflaster für die Truppe, und so kommen sie immer wieder gerne. Zwischen den Zeilen wird deutlich, mit wie viel Leidenschaft die Musiker auch nach all der Zeit zu Werke gehen. Selbst heute noch rufen sie sich untereinander aus heiterem Himmel an, um sich neue Musik vorzuspielen und ihre Erleichterung zu teilen, wenn sie nach langwieriger Kompositionsarbeit endlich „die Single“ fürs Album geschrieben haben.

Der bewährte Set-Opener „Roses on your Grave“ war sofort ein Volltreffer: knackige Gitarren, großer Refrain, die typische Eclipse-Dramaturgie. Erik führte mit der Präzision eines Veteranen durch den Abend, ohne jemals in Routine zu verfallen. Magnus an der Leadgitarre setzte mit seinen Soli immer wieder kleine Ausrufezeichen. Er spielt nebenher in einer Yngwie Malmsteen Tribute Band, was dem Kenner hinlänglich Auskunft darüber geben dürfte, wie gut Magnus wirklich ist. Und so verwundert es nicht, wenn er schnelle Alternate Picking Licks lässig aus dem Ärmel schüttelt, während er die Gitarre wie eine Waffe ins Publikum richtet und dabei Grimassen schneidet.

Der großgewachsene Victor war omnipräsent. Er malträtierte nicht nur seinen Bass und interagierte bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit dem Publikum, sondern glänzte zudem mit präzisen Backing Vocals, bei denen er auch vor hohen Registern nicht zurückschrecken musste, obwohl seine Sprechstimme eher sonor ist. Auch Gast-Drummer Adde hatte sichtlich Spaß und ließ hinter dem Kit seine grau melierte Matte im Takt kreisen.

Eclipse schafften es, den Balanceakt zwischen neueren Songs wie „The Hardest Part is Losing You“, „Anthem“, „High Road“, „All I Want“ und ihren Fan-Favoriten wie „The Downfall of Eden“, „Runaways“, „Saturday Night“ und „The Masquerade“ perfekt auszutarieren. Jeder Refrain wurde vom Publikum mitgesungen, jeder Break saß live so scharf wie auf dem Album. Dass die Band über die Jahre in Clubs, Hallen und auf Festivals ihr Handwerk verfeinert hat, war in jeder Sekunde spürbar.

Ein Abend, der zeigt, warum Schweden Rockmusik so gut kann

Zusammen boten Reach und Eclipse ein Doppelpaket, das die Vielfalt des skandinavischen Hard- und Melodic Rocks widerspiegelte. Reach überzeugten mit modernen, mutigen Klängen und ungestümer Energie. Eclipse lieferten dazu die Vollendung eines Sounds, der melodische Größe, spielerische Klasse und Live-Erfahrung bündelt.

Eclipse

Reach

Björn Vollmuth Fotograf & Redakteur beim Paranoyd Magazin. Liebt Hard Rock & Metal, fängt die Emotion von Clubshows und Festivals hautnah ein.

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