Winterbach, 29.07.2026. Sommer, Sauna, Dropkick Murphys! Viel treffender lässt sich dieser Abend kaum beschreiben. Das Zeltspektakel Winterbach verwandelte sich am Mittwochabend in einen brodelnden Hexenkessel, als die Bostoner das Publikum trotz tropischer Temperaturen vom ersten Moment an mitrissen. Eine Band in absoluter Höchstform, ein restlos begeistertes Publikum und Temperaturen, die selbst hartgesottene Festivalgänger an ihre Grenzen brachten.
Nachdem die Temperaturen in den vergangenen Tagen noch vergleichsweise angenehm gewesen waren, zeigte sich der Sommer pünktlich zum Auftritt der Bostoner Celtic-Punk-Legende noch einmal von seiner extremen Seite. Bereits auf der Anfahrt nach Winterbach zeigte das Thermometer 40,5 Grad Celsius. Dass dieser Abend schweißtreibend werden würde, war schon lange vor Konzertbeginn klar.
Wie schon an den vorherigen Tagen gehörte zunächst ein Besuch am Maultaschen-Stand des regionalen Anbieters zum Pflichtprogramm. Schnell wurde jedoch deutlich, dass das Gelände noch einmal voller wirkte als beim Avantasia-Konzert am Sonntag. Die Dropkick Murphys lockten offenbar einen ganz eigenen Fankreis nach Winterbach.
An Slua sorgten für den perfekten Auftakt
Als Support hatten die Dropkick Murphys die irische Oi!- und Punkband An Slua mitgebracht. Die Formation sorgte mit ihrem rauen Streetpunk für den perfekten Auftakt. Die Mischung aus Irish Folk, Punk und Oi! passte hervorragend zum späteren Hauptact und brachte das Publikum schon früh auf Betriebstemperatur.
Ken Casey sucht die Nähe zum Publikum
Pünktlich um 21 Uhr stürmten die Dropkick Murphys die Bühne. Kaum zwanzig Sekunden nach Konzertbeginn hatte er bereits seine kleine Zusatzbühne direkt am Wellenbrecher erreicht. Von dort aus stand Casey praktisch mitten im Publikum, klatschte unzählige Hände ab und suchte während des gesamten Konzerts immer wieder den direkten Kontakt zu den Fans. Genau diese Nähe macht ein Konzert der Dropkick Murphys seit Jahren so besonders.
Besonders unterhaltsam war wie so oft der Blick in den Fotograben. Wer die Band noch nie live erlebt hatte, hielt die freie Gasse vor der Bühne zunächst für einen idealen Fotospot – bis die Security freundlich, aber bestimmt erklärte, warum genau das keine gute Idee ist. Denn wenn Ken Casey den Weg zu seiner kleinen Bühne am Wellenbrecher einschlägt, macht er keine Umwege und nimmt auf seinem Weg nur wenig Rücksicht auf alles, was ihm im Weg steht.

Schweiß, Klassiker und Circle Pits
Musikalisch lieferten die Dropkick Murphys genau das, was die Fans erwarteten. Die Setlist bot einen gelungenen Mix aus Klassikern und neueren Songs, sodass über die gesamte Spielzeit keinerlei Leerlauf entstand.
„The Boys Are Back“ lief bereits als zweiter Song des Abends – und vielleicht war genau das mehr als nur ein Songtitel. Nach dieser Leistung dürfte wohl jeder im Festzelt hoffen, dass die Bostoner schon bald nach Winterbach zurückkehren. Auch „Dirty Old Town“, der durch The Pogues weltbekannt gewordene Klassiker, durfte natürlich nicht fehlen. Innerhalb weniger Sekunden verwandelte sich das Festzelt in ein Meer aus erhobenen Händen und lautstark mitsingenden Fans.
Ken Casey hielt sich mit längeren Ansagen diesmal eher zurück. Einen Seitenhieb gegen Donald Trump ließ er sich allerdings dennoch nicht nehmen – die gegenseitige Sympathie dürfte auch weiterhin überschaubar bleiben.
Für ein weiteres Highlight sorgten mehrere Circle Pits, die das ohnehin brodelnde Festzelt endgültig in Bewegung versetzten. Trotz der extremen Temperaturen dachte niemand ans Durchatmen. Stattdessen wurde gesprungen, gesungen und gefeiert, als gäbe es kein Morgen.
„I’m Shipping Up to Boston“ und „Rose Tattoo“ bringen das Zelt zum Beben
Als die markanten Dudelsackklänge von „I’m Shipping Up to Boston“ einsetzten, explodierte die Stimmung endgültig. Kaum ein Song ist so eng mit den Dropkick Murphys verbunden wie dieser Welthit. Innerhalb weniger Sekunden verwandelte sich das Zelt in einen brodelnden Hexenkessel. Tausende Fans sangen jede Zeile lautstark mit, sprangen im Takt und ließen den Refrain wie eine gewaltige Wand zurück auf die Bühne rollen. Selbst in den hinteren Reihen hielt es längst niemanden mehr auf den Sitzen. – das gesamte Zelt feierte diesen Klassiker, als gäbe es tatsächlich kein Morgen.
Nicht minder emotional war es bei „Rose Tattoo“. Das Festzelt verwandelte sich in ein Meer aus erhobenen Händen, während Tausende Stimmen jede Zeile lautstark mitsangen und den Refrain durch das gesamte Zelt trugen. Gänsehaut war in diesem Moment garantiert – für viele dürfte es der emotionalste Augenblick des gesamten Abends gewesen sein.
Als nach rund 90 schweißtreibenden Minuten die letzten Töne verklungen waren, spielte die Hitze längst keine Rolle mehr. Die Dropkick Murphys lieferten ein Konzert voller Leidenschaft, Publikumsnähe und unbändiger Energie. Winterbach feierte bis zur letzten Minute – und wer diesen Abend erlebt hat, dürfte sich schon jetzt auf ein Wiedersehen mit den Bostonern freuen.
Ein großes Kompliment an die „Kultis“
Zum Schluss darf auch den Organisatoren des Zeltspektakels Winterbach, den „Kultis“, ein großes Kompliment ausgesprochen werden. Einen internationalen Act wie die Dropkick Murphys verpflichtet man nicht einfach so. Dafür braucht es über Jahre hinweg hervorragende Arbeit, das Vertrauen von Agenturen und Bands sowie den Mut, ein solches Event auf die Beine zu stellen. All das hat das Team einmal mehr eindrucksvoll bewiesen.
Ebenso gilt der Dank den zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. Ob am Einlass, an den Getränkeständen, hinter den Kulissen oder in der Organisation – ohne ihren unermüdlichen Einsatz wäre eine Veranstaltung dieser Größenordnung schlicht nicht möglich. Sie sind ein unverzichtbarer Teil des Zeltspektakels Winterbach und tragen entscheidend dazu bei, dass das Festival Jahr für Jahr zu den schönsten Open-Air-Veranstaltungen der Region gehört. Genau deshalb gehört auch ihnen der verdiente Applaus.
Dropkick Murphys
An Slua
Marc Blessing
Marc ist Webmaster, Chefredakteur und Fotograf des Paranoyd Magazins. Als Spezialist für Rock und Metal News sowie Hausfotograf des LKA Longhorns verbindet er Szenekenntnis mit technischem Know-how. Er liefert authentische Konzertberichte, professionellen Content und prägt seit Beginn Qualität, Glaubwürdigkeit und digitale Stärke des Paranoyd Magazins.
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