Es war ein Freitagabend wie aus dem Bilderbuch, als sich am 8. Mai 2026 die Tore der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle öffneten. Die baden-württembergische Landeshauptstadt zeigte sich von ihrer besten Seite: Mildes Frühlingswetter und ein goldener Sonnenschein begleiteten den nicht enden wollenden Strom an Menschen, die dem Ruf des „King of Dance“ gefolgt waren. Trotz des enormen Andrangs herrschte am Einlass eine bemerkenswerte Gelassenheit. Es lag ein Hauch von Vorfreude in der Luft, eine entspannte Erwartungshaltung, die sich wie ein roter Faden durch den gesamten Abend ziehen sollte.
Das Publikum spiegelte dabei die beeindruckende Karriere des Schweizers wider, die nun schon über drei Jahrzehnte andauert. Hier trafen Familien mit leuchtenden Kinderaugen auf Paare, die sich vermutlich zu den Klängen von „Love is all around“ kennengelernt hatten, und auf junge Musikbegeisterte, die den Eurodance-Kult für sich neu entdeckt haben. Es war ein buntes Mosaik der Generationen, vereint in der Vorfreude auf eine Show, die weit mehr als nur ein Konzert versprach.
Ein Urwald aus Licht und die Magie des Augenblicks
Beim Betreten der Halle fiel der Blick sofort auf das monumentale Bühnenbild. Eine gigantische Leinwand erstreckte sich über die gesamte Breite der Arena und präsentierte ein detailverliebtes Urwaldmotiv, das die Zuschauer sofort in die Welt von „The Great Adventure“ entführte. Ein imposanter Laufsteg ragte wie ein Pfad der Träume bis weit in die Mitte des Innenraums, was die Distanz zwischen Künstler und Fans bereits im Vorfeld optisch aufhob.
Bevor der erste Beat ertönte, sorgte eine Ansage vom Band für ein freudiges Raunen in der Menge: Fotos und Videos waren ausdrücklich erwünscht. In Zeiten von restriktiven Handyverboten wirkte diese Geste wie eine Einladung zur gemeinsamen Dokumentation eines unvergesslichen Erlebnisses. Der anschließende Countdown verkürzte die Wartezeit auf charmante Weise: Mit einer „Kiss, Sing und Dance Cam“ wurde das Publikum selbst zum Teil der Inszenierung. Kollektives Mitsingen bei Klassikern der Backstreet Boys, Rednex’ „Cotton Eye Joe“ oder dem unverwüstlichen „Y.M.C.A.“ sorgte für eine erste emotionale Welle, die das Stimmungsbarometer bereits kurz vor dem Start zum Anschlag brachte.
Kurz nach 20 Uhr erloschen die Lichter, und das Abenteuer begann. Mit einer Wucht, die man nur von DJ BoBo kennt, startete die Show in einer Explosion aus Licht, Sound und Farben. Es war ein geschickt gewobener Mix aus brandneuen Kompositionen und jenen zeitlosen Hymnen, die die 90er Jahre prägten. Besonders die Klassiker wurden frenetisch gefeiert – ein Beweis dafür, dass gute Melodien kein Verfallsdatum kennen.

Drei Jahrzehnte Nostalgie in perfektem Glanz
Die Show war eine Zeitreise mit modernster Technik. Erinnerungen an die Ära der Bravo-Starschnitte wurden wach, während auf der Videowall ein virtuelles Duo mit Kim Wilde für Gänsehautmomente sorgte. Doch DJ BoBo ist kein Künstler, der nur auf der Nostalgiewelle reitet. „The Great Adventure“ ist ein hochmodernes Spektakel, das Akrobatik, Tanz und Musik auf Weltniveau vereint. Die schiere Anzahl an Künstlern auf der Bühne war beeindruckend, ebenso wie die Präzision der Stagehands, die im Hintergrund wie ein perfekt geöltes Uhrwerk funktionierten.
Was diesen Abend jedoch so besonders machte, war die Menschlichkeit des Hauptakteurs. René Baumann ist kein Star, der das Rampenlicht für sich allein beansprucht. Mit einer fast schon bescheidenen Grandezza gab er seinen Tänzern und Musikern immer wieder den Raum, um selbst zu brillieren. Die Show lebte von dieser kollektiven Energie. Ob durch perfekt choreografierte Tanzeinlagen, atemberaubende Pyrotechnik oder die obligatorische Konfettikanone – jeder Moment war darauf ausgerichtet, die Zuschauer zu verzaubern.

Ein besonderes Highlight waren die von DJ Bobo persönlich dirigierten Laola-Wellen. In einem Meer aus Tausenden von Handylichtern verwandelte sich die Schleyerhalle in ein funkelndes Sternenmeer, das die Verbundenheit zwischen Bühne und Saal greifbar machte. Es war jener magische Moment, in dem die Zeit stillzustehen schien. Bemerkenswert war auch das Verhalten der Zuschauer gegen Ende des Konzerts.
Während bei vielen Großveranstaltungen die ersten Gäste bereits vor der Zugabe zu den Ausgängen eilen, um dem Stau zu entgehen, blieb in Stuttgart jeder bis zum allerletzten Ton. Niemand wollte diese Blase aus Glückseligkeit vorzeitig verlassen. Musik, so wurde an diesem Abend deutlich, ist der Klebstoff unserer Gesellschaft. Es wurde gemeinsam getanzt, lauthals gesungen und vor allem gemeinsam gefeiert. DJ Bobo hat bewiesen, dass er auch nach über 30 Jahren nichts von seiner Strahlkraft verloren hat – „The Great Adventure“ war ein Versprechen, das in der Schleyerhalle mehr als eingelöst wurde.
Sören Wittmann
Sören ist Konzertfotograf beim Paranoyd Magazin. Er fängt die Leidenschaft von Live-Musik ein – von Irish/Folk Punk bis Metal und Musicals. Als Festival-Experte liegt sein Fokus auf den unentdeckten Perlen der Szene und kleineren, atmosphärischen Events abseits des Mainstreams.




































