Die Toten Hosen starten ihre Deutschland-Tour vor 65.000 Fans in Stuttgart

Die Toten Hosen vor begeistertem Publikum beim Konzert in Stuttgart © Bastian Bochinsk

Der 13. Juni 2026 hätte für mich kaum einen passenderen Abschluss einer außergewöhnlichen Konzertwoche bieten können. Hinter mir lagen bereits Sabaton auf dem Münsterplatz in Freiburg und Linkin Park im Münchner Olympiastadion. Zwei Großveranstaltungen, zahlreiche Kilometer auf der Straße und jede Menge musikalische Eindrücke. Den Schlusspunkt setzte schließlich eine der größten deutschen Kultbands überhaupt: Die Toten Hosen auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart.

Bei bestem Sommerwetter versammelten sich rund 65.000 Fans auf dem Wasen, um gemeinsam mit Campino und seinen Mitstreitern den Deutschland-Auftakt der Tour „Trink aus! Wir müssen gehen“ zu feiern. Stuttgart markierte damit gleichzeitig den offiziellen Start des deutschen Tourabschnitts. Für mich war es längst nicht das erste Hosen-Konzert an dieser Stelle. In den vergangenen Jahren habe ich die Band bereits mehrfach auf dem Cannstatter Wasen erlebt. Trotzdem fühlte sich dieser Abend anders an als viele Auftritte zuvor.

Nach aktuellem Stand dürfte dies der letzte Auftritt der Toten Hosen auf dem Cannstatter Wasen gewesen sein. Mit dem für 2027 angekündigten Abschied der Band blickten viele Fans auf diesen Abend mit anderen Augen. Ob es tatsächlich das letzte Gastspiel an dieser Stelle war, wird die Zukunft zeigen. Doch allein dieser Gedanke verlieh dem Abend eine zusätzliche Dimension.

Mit ihrem aktuellen Album „Trink aus! Wir müssen gehen“ erreichten Die Toten Hosen direkt Platz 1 der deutschen Albumcharts und feierten damit ihr 13. Nummer-eins-Album. Zusammen mit einem Katalog voller Klassiker wie „Hier kommt Alex“, „Altes Fieber“ oder „Tage wie diese“ war die Erwartungshaltung auf dem Cannstatter Wasen entsprechend hoch. Bereits Stunden vor dem Auftritt der Toten Hosen war zu spüren, dass dieser Abend für viele Besucher mehr sein würde als nur eine weitere Station im Tourkalender.

Feine Sahne Fischfilet sorgt für starke Resonanz

Da Die Toten Hosen bereits im Vorfeld angekündigt hatten, auf ihrer Tour mit wechselnden Support-Acts zu arbeiten, war klar, dass sich der Konzerttag auf dem Cannstatter Wasen etwas länger gestalten würde. Mit Leftovers, Bar Stool Preachers und Feine Sahne Fischfilet hatten Die Toten Hosen drei sehr unterschiedliche Support-Acts für den Tourauftakt ausgewählt.

Während Leftovers den Nachmittag eröffneten und die Bar Stool Preachers mit ihrer Mischung aus Punkrock und Ska überzeugten, sorgten Feine Sahne Fischfilet bereits vom ersten Song an für große Resonanz im Publikum. Die Band begleitete Die Toten Hosen bereits mehrfach auf Tour und ist vielen Hosen-Fans bestens vertraut.

Schon mit den ersten Songs reagierte das Publikum begeistert, zahlreiche Fahnen wurden geschwenkt und die ersten großen Mitsingmomente ließen nicht lange auf sich warten. Sänger Monchi suchte immer wieder die Nähe zum Publikum und schaffte es mühelos, die zehntausenden Besucher in Bewegung zu bringen.

Feine Sahne Fischfilet nutzten ihre Spielzeit, um die Stimmung auf dem Cannstatter Wasen weiter nach oben zu treiben. Die Reaktionen im Innenraum und auf den Rängen zeigten schnell, dass die Band auch in Stuttgart auf viele eigene Anhänger traf und längst nicht nur als Vorgruppe wahrgenommen wurde. Als Campino und Band während des Auftritts die Bühne betrat, wurde zudem die enge Verbindung beider Bands sichtbar. Entsprechend groß fiel die Reaktion des Publikums aus und der gemeinsame Moment zählte zu den Höhepunkten des Vorprogramms.

Als Feine Sahne Fischfilet die Bühne verließen, war die Vorfreude auf den Auftritt der Toten Hosen überall auf dem Gelände spürbar.

Die Toten Hosen legten mit „Opel-Gang“ los

Gegen 20:15 Uhr betraten Die Toten Hosen die Bühne. „Wunderschönen guten Abend, Stuttgart! Wir sind aus Düsseldorf!“, rief Campino den Fans entgegen. Lange Vorreden sparten sich die Düsseldorfer an diesem Abend. Mit „Opel-Gang“ folgte direkt einer der frühen Klassiker der Band und setzte den Ton für einen Abend, der von Beginn an auf Feierlaune ausgerichtet war.

Mit „Die Show muss weitergehen“, „Wir waren nie weg“ und „Auswärtsspiel“ folgte ein starker Auftakt, der die Stimmung auf dem Gelände sofort auf ein hohes Niveau brachte. Vor der Bühne bildeten sich die ersten Moshpits, während im hinteren Bereich des Wasens tausende Fans jede Zeile mitsangen.

Die Toten Hosen live auf der Bühne beim Konzert beim Konzert in Stuttgart © Bastian Bochinski
65.000 Menschen erleben die Toten Hosen in Stuttgart © Bastian Bochinski

Zwischen den Songs nahm sich Campino immer wieder Zeit für Erinnerungen an frühere Gastspiele in Stuttgart. Er sprach über vergangene Konzerte in der Schleyer-Halle und bedankte sich ausdrücklich für die langjährige Unterstützung durch die Fans in der Region. Stuttgart sei für Die Toten Hosen über Jahrzehnte hinweg stets ein besonderer Tourstopp gewesen.

Wie so oft nutzte Campino die Bühne auch für politische und gesellschaftliche Themen. Seine Aussagen wurden von großen Teilen des Publikums mit viel Applaus aufgenommen und sorgten immer wieder für zustimmende Reaktionen auf dem gesamten Gelände.

Auch die Songs des aktuellen Nummer-eins-Albums fanden ihren Platz im Set und wurden vom Publikum begeistert aufgenommen. Gleichzeitig sorgten Klassiker wie „Altes Fieber“, „Bonnie & Clyde“ oder „Alles aus Liebe“ immer wieder für große Reaktionen auf dem gesamten Gelände. Spätestens bei „Hier kommt Alex“ zeigte sich, wie textsicher die 65.000 Besucher auf dem Cannstatter Wasen waren. Der Klassiker wurde von der ersten bis zur letzten Zeile lautstark begleitet. Die Toten Hosen hielten das Tempo dabei über den gesamten Abend konstant hoch.

©Bastian Bochinski

Mit „Augen zu (Es regnet Blumen)“ erinnern die Hosen an Wölli

Einer der emotionalsten Momente des Abends folgte mit „Augen zu (Es regnet Blumen)“. Mit dem Song gedachten Die Toten Hosen ihrem ersten Schlagzeuger Wölli, der vor zehn Jahren verstorben ist. Die zuvor ausgelassene Stimmung auf dem Cannstatter Wasen wich für einige Minuten einer spürbaren Nachdenklichkeit.

Campino fiel der Song sichtlich schwer. Er wirkte bewegt und stellenweise aufgewühlt, während das Publikum den Moment aufmerksam und respektvoll begleitete. Gemeinsam mit dem langsam untergehenden Sonnenlicht entstand eine besondere Atmosphäre, die zu den emotionalsten Augenblicken des Abends gehörte.

Drei Zugaben und ein gewaltiger Chor bei „Tage wie diese“

Nach dem regulären Set war jedoch noch lange nicht Schluss. Die Band kehrte gleich zu drei Zugabenblöcken auf die Bühne zurück und zeigte eindrucksvoll, dass an diesem Abend noch reichlich Energie vorhanden war. Mit jedem weiteren Song steigerte sich die Stimmung auf dem Cannstatter Wasen noch einmal.

Als schließlich „Tage wie diese“ erklang, verwandelte sich der Cannstatter Wasen endgültig in einen riesigen Chor. Die 65.000 Besucher sangen nahezu jede Zeile mit und sorgten für einen der lautesten Momente des gesamten Abends. Mit „Schrei nach Liebe“, „Freunde“, dem Titelsong „Trink aus“ und dem traditionellen Abschluss „You’ll Never Walk Alone“ endete schließlich ein Konzert, das den perfekten Auftakt für den Deutschland-Abschnitt der Tour markierte.

Die Toten Hosen live auf der Bühne beim Konzert beim Konzert in Stuttgart © Bastian Bochinski
Ein Lichtmeer auf dem Cannstatter Wasen erlebt man selten © Bastian Bochinski

Besonders bemerkenswert war die Energie von Campino an diesem Abend. Kaum etwas deutete darauf hin, dass der Frontmann inzwischen kurz vor seinem 64. Geburtstag steht. Über mehr als zweieinhalb Stunden jagte er über die Bühne, suchte immer wieder den Kontakt zum Publikum und führte die Band mit sichtbarer Begeisterung durch den Abend.

Die Zeilen aus „Wort zum Sonntag“ wirken heute fast wie eine Zeitreise: „Ich bin noch keine sechzig und ich bin auch nicht nah dran.“ Inzwischen liegen diese Worte weit hinter ihm. Geblieben sind Jahrzehnte voller Geschichten, die an diesem Abend immer wieder durchschimmerten. Als am Ende „Tage wie diese“ den Cannstatter Wasen in einen riesigen Chor verwandelte und die letzten Töne von „You’ll Never Walk Alone“ über das Gelände hallten, wurde vielen Besuchern bewusst, dass dieser Abend eine besondere Bedeutung hatte.

Ob es tatsächlich das letzte Konzert der Toten Hosen auf dem Cannstatter Wasen gewesen ist, wird erst die Zukunft zeigen. Sollte es so kommen, hätten sich Die Toten Hosen und ihre 65.000 Fans mit einem Abend verabschiedet, der dem Anlass mehr als gerecht wurde.

Die Toten Hosen bei der Show auf dem Wasen  im Scheinwerferlicht beim Konzert in Stuttgart © Bastian Bochinski
© Bastian Bochinski

Die Toten Hosen: Die komplette Stuttgart-Setlist 2026

  1. Opel-Gang
  2. Die Show muss weitergehen
  3. Wir waren nie weg
  4. Auswärtsspiel
  5. Du lebst nur einmal (vorher)
  6. Nur nach vorn
  7. Altes Fieber
  8. Schlechte Nachbarn
  9. Wannsee
  10. Liebeslied
  11. Was ist mit uns los
  12. Alle sagen das
  13. Augen zu (Es regnet Blumen)
  14. Steh auf, wenn du am Boden bist
  15. Bonnie & Clyde
  16. Was früher einmal war
  17. Unter den Wolken
  18. Alles aus Liebe
  19. Pushed Again
  20. Wünsch DIR was
  21. Hier kommt Alex
  22. Laune der Natur
  23. Düsseldorf
  24. Schönen Gruß, auf Wiederseh'n
  25. Alles passiert
  26. Bayern
  27. Das ist der Moment
  28. Tage wie diese
  29. Schrei nach Liebe (Cover von Die Ärzte)
  30. Freunde
  31. Trink aus
  32. You'll Never Walk Alone
Marc Blessing paranoyd

Marc Blessing

Marc ist Webmaster, Chefredakteur und Fotograf des Paranoyd Magazins. Als Spezialist für Rock und Metal News sowie Hausfotograf des LKA Longhorns verbindet er Szenekenntnis mit technischem Know-how. Er liefert authentische Konzertberichte, professionellen Content und prägt seit Beginn Qualität, Glaubwürdigkeit und digitale Stärke des Paranoyd Magazins.

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