Bush begeistern Frankfurt mit einer besonderen Clubnacht

Bush live auf der Bühne in frankfurt, batschkapp beim Konzert am 6.juni 2026 © Björn Vollmuth

Zwischen Festival und Clubbühne: Bush beglücken ihre Fans in Deutschland mit einer kleinen Sommertour, auf der sie neben großen Festivals auch vier Clubshows als Headliner spielen, u.a. in der Batschkapp in Frankfurt. Als Support sind an diesem Abend die Lokalhelden von Bird’s View am Start.

Die Londoner Alternative-Rock-Ikonen Bush kehren 2026 mit ihrem zehnten Album „I Beat Loneliness“ im Gepäck für sechs Deutschlandkonzerte zurück. Gestern spielten sie bei Rock am Ring, morgen sind sie bei Rock im Park. Und heute heizen sie 1.500 Leuten in der Batschkapp ein. Wer Bush in einem Raum mit ein paar Hundert statt in einer Arena mit ein paar Zehntausend Menschen erleben will, bekommt hier die seltene Gelegenheit.

Bush setzen auf dieser Tour nicht auf maximale Größe, sondern auf kontrollierte Intensität. Die gewählten Venues ermöglichen einen direkten Kontakt zwischen Band und Publikum. Hier ist man hautnah dabei und braucht kein Fernglas oder gigantische Videoleinwände, um die Musiker überhaupt sehen zu können. Was für ein Genuss für die Fanbase, einem solchen „Wohnzimmerkonzert“ beiwohnen zu dürfen. 

Die Show ist natürlich ausverkauft. Ende März sorgten Bush auf ihren Social-Media-Kanälen mit einem simplen Aufruf für Aufsehen: „Germany, let’s make some noise!“ – und die Fans ließen sich nicht lange bitten. Die Schlange am Einlass reichte bei meinem Eintreffen bereits über den gesamten Parkplatz bis hinaus auf die Straße.

Bird’s View – Sturm und Drang beim Heimspiel

Vor gerade einmal zwei Wochen erfuhren Bird’s View über ihr Management, dass sie die Chance haben, für Bush zu eröffnen. Da sagt man natürlich nicht nein. Dummerweise hatte Frontmann Niko bereits vor Monaten zugesagt, mit einer seiner anderen Formationen über den heutigen Tag verteilt zwei Jazz‑Gigs auf einem Event zu spielen. Und so kommt es, dass er erst zwanzig Minuten vor Beginn der Show leicht gestresst eintrudelt (und direkt nach der Show auch schon wieder los muss, um seinen dritten Gig für diesen Tag zu spielen). 

Die Truppe ist relaxt. Von Nervosität kann keine Rede sein; dies ist schließlich nicht ihre erste Show in dieser Größenordnung. Bassist Max stellt mir den neuen Drummer Lukas (mit k!) Sommer vor, der kürzlich zur Band gestoßen ist und sich schon fleißig warmtrommelt. Gitarrist Alex nippt an seinem dritten Energy-Drink und fasst im koffeininduzierten Übermut den fragwürdigen Entschluss, die gesamte Show in seiner molligen Lammfelljacke zu spielen, obwohl es in der Venue nicht gerade kühl ist. 

Um Punkt 20 Uhr starten Bird’s View ihr 30-minütiges Set, das im Wesentlichen aus Material vom brandneuen dritten Album „Above Chaos“ besteht, welches im Mai erschienen ist. Los geht es mit dem Titeltrack vom neuen Album, gefolgt von „Lay Down“, das sich auf dem ersten Album „Red Light Habits“ findet. 

Die Band hat Bock, das merkt man. Und das überträgt sich auch aufs Publikum. Lukas gibt eine ganze Weile geduldig Viertelnoten auf der Hi-Hat vor, bis das Publikum anfängt, im Takt mitzuklatschen, und sich schließlich auch richtig eingroovt. Erfreulicherweise ist der Saal von Anfang an gut gefüllt und es kommt gleich Stimmung auf. Die Techniker der Batschkapp sorgen dafür, dass auch der Support ordentliches Licht hat und nicht wie so häufig in einem blauen Dunst vor sich hinvegetieren muss.

Nach der Begrüßung durch Niko gibt es mit „Ways to Fail“, „Blinding Buzz“, „Chaos B.C.“, „Colors of a Day“, „Better Off“ und „Shadows“ wieder neues Liedgut auf die Ohren. Den Abschluss macht mit „Do I have to Call“ noch ein weiterer Song aus 2023. Nach dem obligatorischen Foto mit dem Publikum wird die Band mit wohlwollendem Applaus verabschiedet. Diese Chance, sich einer größeren Öffentlichkeit zu präsentieren, hat die Truppe auf jeden Fall hervorragend genutzt.

Bush – 35 Jahre wechselhafte Geschichte und kein bisschen leise

Mit über 24 Millionen verkauften Tonträgern, einer Grammy-Nominierung, über einer Milliarde Streams und 28 Top-40-Hits – davon achtmal Nummer eins – zählen Bush zu den erfolgreichsten und prägendsten Bands der Rockgeschichte. Gegründet wurde die Band 1991 in London und benannte sich nach dem Ort ihres ersten Auftritts: Shepherd’s Bush. Die aktuelle Besetzung besteht aus Sänger und Rhythmusgitarrist Gavin Rossdale, Leadgitarrist Chris Traynor (ehemals Helmet), Bassist Corey Britz und Schlagzeuger Nik Hughes.

Rund 30 Jahre nach ihrem Debütalbum erschien im Jahr 2025 mit „I Beat Loneliness“ das zehnte und bisher düsterste Album der Bandgeschichte. Es nimmt verstärkt elektronische Elemente auf, die den Sound erweitern, ohne die Band-Trademarks aufzugeben. Der Rolling Stone beschrieb die Veröffentlichung als „Post-Grunge in Bestform mit starkem Nostalgiefaktor”.

Um kurz nach 21 Uhr ertönt das Intro, und wenig später betreten die Musiker die Bühne, um mit „Everything Zen“ ihre Show einzuläuten. Es folgen „Bullet Holes“ und „We are all the Same“.

Das Markenzeichen der Band ist Rossdale selbst mit seiner rauchig-atmosphärischen Stimme, die die emotionalen Texte trägt, welche oft zwischen Melancholie und Wut pendeln. Er spielt in einem zerrissenen und löchrigen Tanktop und stellt seine Tattoos zur Schau. Charismatisch und gelassen führt er die Band durch ihr Set, und seinen leuchtenden Augen sieht man an, dass ihm die Arbeit immer noch Freude macht. Wenn er gerade keinen Gesangspart hat, tänzelt er mit geschürzten Lippen über die Bühne und lässt sich einfach zur Musik treiben.

Gitarrist Chris Traynor trägt einen breiten Filzhut, unter dem sein Gesicht meist im Dunkeln verborgen bleibt, der aber im Gegenlicht für eine coole Silhouette sorgt. Drummer Nik Hughes thront über dem Geschehen und geht von Anfang an steil: Er schneidet beim Trommeln Grimassen und reißt die Stöcke in die Höhe, um das Publikum anzuheizen. 

Auf der Setlist stehen heute überwiegend neuere Songs, darunter „The Land of Milk and Honey“, „Ghosts in the Machine“, „Quicksand“, „60 Ways to Forget People“, „More than Machines“ und „I Beat Loneliness“. Klassiker wie „Glycerine“ dürfen aber natürlich auch nicht fehlen. Die Fan-Favoriten „Machine Head“ und „Comedown“ hat sich die Band für das große Finale aufgehoben. Diese Songs funktionieren über drei Jahrzehnte hinweg, weil sie weniger dem Zeitgeist verhaftet sind als vielmehr einem universellen, rohen Gefühl.


Wer sich beeilt, kann Bush noch auf Tour am 9. Juni in Berlin (Huxleys Neue Welt), am 10. Juni in Köln (Carlswerk Victoria) oder am 11. Juni in Hamburg (Grosse Freiheit) erleben. Es lohnt sich, versprochen!

Bush Setlist Frankfurt: Batschkapp, 6. Juni 2026

  1. Everything Zen
  2. Bullet Holes
  3. We’re All the Same on the Inside
  4. The Chemicals Between Us
  5. The Land of Milk and Honey
  6. Ghosts in the Machine
  7. Identity
  8. Quicksand
  9. Ways to Forget People
  10. Human Sand
  11. May Your Love Be Pure
  12. Little Things
  13. Glycerine
  14. More Than Machines
  15. Flowers on a Grave
  16. I Beat Loneliness
  17. Swallowed
  18. Machinehead
  19. Comedown

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Bird’s View

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Björn Vollmuth

Björn ist Fotograf & Redakteur beim Paranoyd Magazin. Liebt Hard Rock & Metal und fängt die Emotion von Clubshows und Festivals von seiner Homebase Frankfurt bis bundesweit hautnah ein.

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