Karlsruhe hat an diesem Abend alles gegeben – und die Substage gleich mit. Schon beim Betreten der Halle war klar, dass das kein entspannter Konzertabend werden würde. Die Luft stand, jedes Shirt klebte nach wenigen Minuten am Körper und mit jedem Song wurde es wärmer.
Irgendwann tropfte der Schweiß sogar von der Decke, der Boden wurde immer rutschiger und man musste stellenweise wirklich aufpassen, wohin man trat. Eine Schlittschuhbahn hätte kaum glatter sein können.
Trotzdem dachte niemand ans Aufgeben. Im Gegenteil: Je wärmer das Substage wurde, desto mehr schien das Publikum aufzudrehen.
Boundaries brachten die Halle ins Rollen
Den Auftakt übernahmen Boundaries. Ohne große Ansagen ging es direkt los und schon nach wenigen Songs war klar, dass der Abend alles andere als ruhig werden würde.
Vor der Bühne bildeten sich die ersten Moshpits, immer mehr Menschen rückten nach vorn und mit jedem Song wurde die Stimmung ausgelassener. Crowdsurfer gab es zu diesem Zeitpunkt zwar noch keine, dafür aber jede Menge Bewegung und Fans, die vom ersten Ton an voll dabei waren.
Boundaries legten genau das Fundament, das ein Abend wie dieser brauchte.
We Came As Romans drehten weiter auf
Als We Came As Romans die Bühne betraten, war die Temperatur in der Halle längst an ihrem Limit angekommen. Davon ließ sich allerdings weder die Band noch das Publikum beeindrucken.
Zwischen lauten Mitsingmomenten bei „Darkbloom“ oder „Bad Luck“ und den nächsten geöffneten Moshpits wurde schnell klar, dass hier niemand Energie sparen wollte. Jetzt flogen auch die ersten Crowdsurfer über die Menge, während überall Menschen mit einem breiten Grinsen im Gesicht unterwegs waren. Es war einer dieser Auftritte, bei denen man ständig das Gefühl hatte, dass überall gleichzeitig etwas passierte.
Bury Tomorrow ließen Karlsruhe komplett eskalieren
Als schließlich das Licht ausging und Bury Tomorrow die Bühne betraten, brauchte es keine lange Einleitung mehr. Die Halle war längst bereit.
Vom ersten Song an herrschte vor der Bühne Ausnahmezustand. Crowdsurfer gehörten jetzt fast schon zum Bühnenbild, der Moshpit blieb praktisch durchgehend geöffnet und jeder Refrain – etwa bei „Black Flame“ oder „Choke“ – wurde lauter mitgesungen als der vorherige.
Besonders Frontmann Dani Winter-Bates hatte das Publikum vom ersten Moment an auf seiner Seite. Immer wieder suchte er den Kontakt zu den Fans und musste die Menge kaum animieren: Sie war ohnehin von der ersten bis zur letzten Minute voll dabei. Während draußen vermutlich jeder über die Sommerhitze sprach, interessierte sie in der Substage längst niemanden mehr. Der Schweiß lief in Strömen, der Boden wurde immer glatter, und trotzdem sprang, sang und tanzte die Halle weiter, als hätte der Abend gerade erst begonnen.
Das rot gehaltene Licht passte perfekt zur Atmosphäre und ließ die Bühne immer wieder in einem fast bedrohlichen Glanz erscheinen. Zusammen mit der Energie der Band entstand genau dieses Gefühl, weshalb man Livekonzerte liebt: Für knapp zwei Stunden spielte alles außerhalb der Halle keine Rolle mehr.
Es gibt Konzerte, bei denen man sich Wochen später noch an die Setlist erinnert. Und es gibt Konzerte, bei denen einem als Erstes wieder einfällt, wie sie sich angefühlt haben. Karlsruhe war an diesem Abend genau so ein Konzert.
Eine Halle, die sich in eine Sauna verwandelte. Ein Boden, der irgendwann eher an eine Schlittschuhbahn erinnerte. Drei Bands, die das Publikum Schritt für Schritt mitnahmen. Und Fans, die sich von all dem nicht im Geringsten bremsen ließen. Boundaries, We Came As Romans und Bury Tomorrow sorgten gemeinsam für einen Abend, der nicht wegen perfekter Bedingungen in Erinnerung bleibt, sondern gerade deshalb, weil alle zusammen der Hitze getrotzt haben.
Bury Tomorrow
We Came As Romans
Boundaries
Sarah Edwards
Sarah ist Konzertfotografin beim Paranoyd Magazin. Sie liebt Metal und fängt Fans, Bands & Emotionen unverfälscht ein – von intimen Clubshows bis hin zu großen Festivals. Ihr Fokus liegt auf der rohen Energie des Augenblicks, um die Atmosphäre der Live-Musik authentisch und nahbar festzuhalten.





























































