Stuttgart, 26.01.2026: Trotz Schneechaos und Montagabend füllten sich die Wagenhallen früh mit Metalfans, die Beyond the Black an diesem Abend live erleben wollten. Was zunächst nach einem gewöhnlichen Wochenstart aussah, entwickelte sich schnell zu einem Konzertabend mit besonderer Atmosphäre.
Montagabend, Schneechaos in Stuttgart – eigentlich perfekte Voraussetzungen für die üblichen Schwaben-Klischees von „schaffe, schaffe, Häusle baue“ und frühem Heimgehen. Doch an diesem Abend täuschte man sich gewaltig.Schon lange vor dem Einlass hatte sich eine rund 400 Meter lange Schlange aus Metalfans vor den Wagenhallen gebildet, die dem Abend sichtbar entgegenfieberten. Das Wetter spielte dabei trotz Schneechaos keine Rolle. Die Stimmung war von Beginn an erwartungsvoll.
Das Publikum zeigte sich bunt gemischt: alte Haudegen, junge Fans, Frauen und Männer aus allen Altersklassen. Genau diese Mischung machte früh klar, dass hier mehr passieren würde als ein gewöhnliches Montagskonzert.
Seraina Telli: Leise Momente mit großer Wirkung
Den Auftakt machte Seraina Telli, die energiegeladen in ihr Set startete, aber auch schnell zeigte, dass sie ebenso mit leisen Tönen überzeugen konnte. Besonders ihre nur vom Piano begleiteten Songs sorgten für beeindruckende Momente. Teilweise hätte man sprichwörtlich eine Stecknadel fallen hören können, so aufmerksam lauschte das Publikum.
Ihr Set lebte von der Abwechslung zwischen schnellen Rocknummern und ruhigen Rockballaden. Nach rund 30 Minuten dankte ihr die inzwischen sehr gut gefüllte Wagenhalle mit viel Applaus. Seraina Telli erwies sich als starke Frontfrau und musikalisches Multitalent an verschiedenen Instrumenten, unterstützt von einem ebenso überzeugenden Schlagzeuger. Mehr brauchte es in diesem Moment nicht.
Setyøursails: Vollgas nach vorne
Mit Setyøursails betrat direkt die nächste Powerfrau die Bühne – stilistisch in eine völlig andere Richtung, aber mit nur einem Ziel: nach vorne. Von der ersten Minute an wurde mitgewippt und geheadbangt, die Energie der Band übertrug sich spürbar auf das Publikum.
Frontfrau Jules Mitch ging hervorragend auf die Menge ein. Schnell wurde klar, dass dies nicht einfach nur ein abgespultes Set war, sondern echtes Miteinander. Zwischen den Songs gab es Crowdwork vom Feinsten – humorvoll, direkt und charmant. Spätestens mit den lauten „Fuck Off“-Chants und lautem Gesang des Publikums waren die letzten beiden Songs eingeläutet. Das war deutlich mehr als ein klassischer Supportslot.
Beyond the Black: Große Bühne, große Momente
Der LKW vor dem Gelände hatte es bereits verraten: Beyond the Black fuhren an diesem Abend schwere Geschütze auf. Zwei riesige LED-Wände, ein Schlagzeug auf einem etwa drei Meter hohen Podest – eine beeindruckende Produktion. Doch all das lenkte zu keiner Zeit von der eigentlichen Stärke ab: der Performance.
Mit Jennifer Haben betrat die dritte Powerfrau des Abends die Bühne. Ausstrahlung, Stimme und Präsenz – sie vereinte all das mühelos. Auch der Rest der Band stand ihr in nichts nach. Die Pommesgabeln flogen nach oben, es wurde lautstark mitgesungen, und die neuen Songs präsentierten sich in beeindruckender akustischer Qualität.
Einer der eindrucksvollsten Momente des Abends war „Ravens“, das Jennifer eingehüllt in zwei überdimensionale goldene Flügel performte – ein starkes Bild, das lange im Kopf blieb.
Am Ende dieses tristen Montagsabends verließ ich die Wagenhallen mit dem Gefühl, etwas Besonderes erlebt zu haben. Drei Powerfrauen hatten eindrucksvoll bewiesen, dass man selbst an einem Montag Stuttgart in Bewegung versetzen konnte – Schneechaos hin oder her.
Beyond the Black
Seraina Telli
Setyøursails
Philipp Schadegg
Philipp Fotograf und Redakteur aus Fellbach. Für das Paranoyd Magazin begleitet er Konzerte und Festivals – authentisch, nah dran und unabhängig. Mit seinem erfahrenen Blick für die Live-Atmosphäre und unabhängigem Journalismus.
































