München, 26.09.2026 – Während sich anderswo in München die Menschen in Tracht auf den Weg zum Oktoberfest machten, zog es rund 5.000 Fans ins Zenith. Dirndl und Bierbank-Schunkeln suchte man hier vergeblich – stattdessen gab es Moshpits, Crowdsurfer und jede Menge schwarze Shirts. Kingdom of Giants, Silverstein und Beartooth machten aus einem herbstlichen Abend ein Hardcore- und Metalcore-Fest, bei dem bis zum letzten Ton niemand stillstand.
Schon lange vor dem Einlass war der Eingangsbereich des ehemaligen Industriewerks prall gefüllt. Kaum öffneten sich die Türen, verteilten sich die Fans in Richtung Merch- und Getränkestände. Eine halbe Stunde vor Beginn war die Halle bereits gut gefüllt – und das Line-up versprach einiges.
Mit Kingdom of Giants, Silverstein und Beartooth standen drei Bands auf dem Programm, bei denen brachiale Riffs, wuchtige Breakdowns und jede Menge Energie vorprogrammiert waren. Ein Meer aus aufgeregten Stimmen hallte durch das Zenith. Die Vorfreude war deutlich zu spüren.
Kingdom of Giants und Silverstein heizten das Zenith auf
Den Auftakt machten die Kalifornier von Kingdom of Giants. Viel Zeit zum Eingewöhnen ließen sie dem Publikum nicht.
Bereits beim ersten Song „Asphalt“ öffnete sich der erste Moshpit. Harte Breakdowns, drückende Bässe, präzise Riffs und klarer Gesang sorgten dafür, dass die Stimmung sofort in die richtige Richtung ging.
Spätestens als die Aufforderung „Jump the f*ck up“ durch die Halle schallte, war auch die letzte Reihe in Bewegung. Aus vereinzeltem Kopfnicken wurde Springen, aus Springen wurden Moshpits – und plötzlich fühlte sich der Abend schon nach deutlich mehr als nur einer Vorband an.
Zum Abschluss von „Wayfinder“ tauchte ein Meer aus Lichtern die Halle noch einmal in eine ganz andere Atmosphäre. Ein starker Auftakt, der bereits erahnen ließ, was noch kommen sollte. Inzwischen war das Zenith bis in die letzten Reihen gefüllt. Als Silverstein die ersten Töne von „Negative Space“ anstimmten, ging ein Raunen durch die Menge, unmittelbar gefolgt von lautem Jubel.
Auch ich konnte mich der Energie nicht entziehen. Was zunächst mit vorsichtigem Nicken begann, entwickelte sich innerhalb weniger Songs zu Moshpits auf mehreren Seiten der Halle. Spätestens „Smashed Into Pieces“ löste auch die letzte Zurückhaltung.
Silverstein schafften dabei einen gelungenen Spagat zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Songs aus dem Album „Pink Moon“ trafen auf Klassiker aus ihrer langen Bandgeschichte. Emotionale Melodien wechselten sich mit rauen Shouts und treibenden Gitarren ab.
Genau diese Mischung machte das Set so abwechslungsreich. Mal wurde laut mitgesungen, mal einfach nur genossen, bevor kurze Zeit später wieder Bewegung in die Menge kam.
Nach dem letzten Song war die Stimmung bereits so aufgeheizt, dass selbst die Umbaupause nicht wirklich für Abkühlung sorgte. Harte Riffs aus den Boxen hielten das Publikum bei Laune, und die Spannung auf den Headliner stieg mit jeder Minute.
Beartooth entfesselten pure Ekstase
Dann wurde es rot und weiß. Ein Meer aus Lichtern erhellte die Halle, bevor Beartooth die Bühne betraten. Und spätestens jetzt war klar: Heute würde niemand früh nach Hause gehen wollen. Frontmann Caleb Shomo riss das Publikum vom ersten Moment an mit. Seine klare Stimme traf auf die für Beartooth typischen harten Breakdowns und eine Energie, die sich unmittelbar auf die gesamte Halle übertrug.
„Pure Ecstasy“ schien dabei nicht nur irgendein Songtitel zu sein, sondern gleichzeitig das passende Motto für den Abend. Moshpits, Crowdsurfer und Tausende Menschen, die gemeinsam sangen – das Zenith entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zu einem einzigen brodelnden Kessel.
Bei „In Between“ sang praktisch die komplette Halle mit. Ein Moment, bei dem man sich kurz zurücklehnen und einfach nur beobachten konnte, wie 5.000 Menschen denselben Song gemeinsam feierten.

Mit „Free“, der ersten Single des neuen Albums, wurde es dann noch einmal besonders intensiv. Shomo ließ sichtbar alle Hüllen fallen und zeigte eine sehr persönliche Seite. Man merkte, dass er die Musik nicht nur performte, sondern selbst mitten in ihr stand. Vielleicht war es genau diese Mischung aus Härte und Verletzlichkeit, die den Abend so besonders machte.
Während auf der Bühne die Breakdowns krachten, lagen sich im Publikum Menschen in den Armen, tanzten miteinander und feierten gemeinsam. Überall sah ich glückliche Gesichter. Bei „The Past Is Dead“ sprang schließlich die komplette Halle.
Zum Intro von „Eyes Closed“ griff Shomo selbst zur Gitarre und setzte damit noch einmal einen anderen Akzent. Überhaupt lebte der Auftritt nicht nur von der musikalischen Härte. Zwischen den wuchtigen Songs standen immer wieder tiefgehende Texte, die dem Konzert eine emotionale Ebene gaben.
Leider war das Set mit rund 70 Minuten vergleichsweise kurz. Dafür gaben Beartooth wirklich bis zum letzten Ton alles.
Pure Ekstase bis zum Schluss
Als der letzte Ton verklungen war, war das Zenith noch immer voller Energie. Beartooth hatten gemeinsam mit Silverstein und Kingdom of Giants einen Abend abgeliefert, der wohl kaum weiter vom klassischen Münchner Oktoberfest hätte entfernt sein können.
Während draußen vielleicht noch irgendwo die Bierbänke wackelten, hatte man im Zenith längst die deutlich sportlichere Variante des Abends gewählt: Moshpit statt Schunkeln, Crowdsurfen statt Maßkrugstemmen und pure Ekstase statt Wiesn-Romantik. Ein Abend, der im Zenith noch lange in Erinnerung bleiben dürfte.
Setlist Beartooth – Zenith München, 26.09.2026
Beartooth
Kingdom of Giants
Silverstein
Philipp Grünberg
Philipp Fotograf und Redakteur aus Fellbach. Für das Paranoyd Magazin begleitet er Konzerte und Festivals – authentisch, nah dran und unabhängig. Mit seinem erfahrenen Blick für die Live-Atmosphäre und unabhängigem Journalismus.
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