Winterbach, 26. Juli 2026: Manchmal fragt man sich, warum man bestimmte Veranstaltungen nicht schon viel früher besucht hat. Genau so ging es mir mit dem Winterbacher Zeltspektakel. Obwohl das Festival bereits 1995 seine Premiere feierte und sich längst zu einer festen Größe im Veranstaltungskalender der Region Stuttgart entwickelt hat, war ich erstmals vor Ort. Dass ausgerechnet Avantasia den Headliner des Abends stellten, hätte für meine Premiere kaum besser passen können.
Gelungene Premiere in Winterbach
An diesem Abend verwandelten Tobias Sammet und Avantasia das 8-Master-Zelt in eine opulente Metal-Oper. Epischer Power Metal, außergewöhnliche Stimmen und große Melodien verschmolzen dabei zu einem mitreißenden Gesamterlebnis. Das Wetter spielte mit und sorgte schon vor Konzertbeginn für beste Bedingungen auf dem Festivalgelände. Doch spätestens als die Lichter erloschen, richtete sich der Blick ausschließlich auf die Bühne.
Mit dem druckvollen Opener „Creepshow“ legten Avantasia ohne Umwege los und machten sofort klar, dass dieser Abend weit mehr als ein gewöhnliches Konzert werden würde. Als wenig später Ralf Scheepers für „Reach Out for the Light“ die Bühne betrat, kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Der Local Hero wurde vom Publikum frenetisch gefeiert und bewies einmal mehr, warum er seit Jahrzehnten zu den markantesten Stimmen des deutschen Metal gehört.

Auf das Winterbacher Zeltspektakel selbst werde ich in einem separaten Artikel noch ausführlicher eingehen. Nur so viel vorweg: Das Festival fand erstmals 1995 statt. Nach den ersten Ausgaben im Abstand von zwei bis vier Jahren hat es sich seit 2007 im festen zweijährigen Rhythmus etabliert. Aus ursprünglich drei Veranstaltungstagen sind mittlerweile neun geworden – ein deutliches Zeichen dafür, welchen Stellenwert das Zeltspektakel heute in der Region genießt. Doch genug zur Geschichte des Festivals – heute soll es ausschließlich um Avantasia gehen.
Avantasia zeigen die ganze Stärke ihrer Metal-Oper
Bereits Anfang vergangenen Jahres durfte ich Avantasia in Frankfurt fotografieren und konnte mich dort von den Live-Qualitäten des Projekts überzeugen. Entsprechend groß war die Vorfreude auf das Wiedersehen in Winterbach.
Das Besondere an Avantasia ist seit jeher das Konzept der wechselnden Sänger. Man weiß im Vorfeld nie genau, welche Gastmusiker mit auf Tour sind und welche Songs sie an diesem Abend übernehmen. Genau diese Ungewissheit macht jede Avantasia-Tour aufs Neue spannend.
Mit Tommy Karevik, Ronnie Atkins, Chiara Tricarico, Bob Catley, Herbie Langhans und Ralf Scheepers hatte Tobias Sammet erneut ein hochkarätiges internationales Sängerensemble versammelt. Jeder brachte seine ganz eigene Persönlichkeit in die Songs ein und verlieh den einzelnen Stücken eine unverwechselbare Note. Besonders bei „Phantasmagoria“ und dem epischen „Let the Storm Descend Upon You“ zeigte sich, wie harmonisch die unterschiedlichen Stimmen miteinander funktionierten und warum Avantasia seit Jahren zu den eindrucksvollsten Live-Projekten im Symphonic- und Power-Metal zählen.

Einen der unterhaltsamsten Momente des Abends lieferten Ronnie Atkins und Ralf Scheepers. Zwischen zwei Songs scherzten die beiden miteinander, ehe Scheepers augenzwinkernd erzählte, dass er in einem kleinen Ort ganz in der Nähe von Winterbach wohne. Für mich sorgte diese Bemerkung gleich doppelt für ein Schmunzeln, denn dabei stellte sich heraus, dass zwischen seinem Wohnort und meinem Zuhause gerade einmal rund zehn Kilometer Luftlinie liegen. Gerade solche spontanen und humorvollen Momente lockerten die mehr als zweieinhalbstündige Show immer wieder auf und sorgten dafür, dass trotz der opulenten Inszenierung eine angenehm lockere Atmosphäre herrschte.
Ein würdiges Finale
Auch wenn das Zelt an diesem Abend nicht vollständig ausverkauft war, tat das der Stimmung keinen Abbruch. Das Publikum feierte jede Gesangseinlage, jedes Gitarrensolo und jeden Gastmusiker gleichermaßen und sang die bekannten Refrains lautstark mit. Bei „Mystery of a Blood Red Rose“ und dem anschließenden „Lost in Space“ verwandelte sich das Zelt endgültig in einen riesigen Chor, ehe Avantasia mit den Zugaben „Lucifer“ sowie dem monumentalen „Sign of the Cross / The Seven Angels“ einen eindrucksvollen Schlusspunkt unter einen rundum gelungenen Konzertabend setzten.
Mit einer mehr als zweieinhalbstündigen Show, einem herausragenden Sängerensemble und einer Setlist, die Klassiker ebenso wie neuere Songs vereinte, lieferten Avantasia einen eindrucksvollen Beweis dafür, warum das Projekt seit Jahren zur Spitze der internationalen Metal-Szene zählt. Für mich war die Premiere beim Winterbacher Zeltspektakel einer jener Konzertabende, die mir noch lange in Erinnerung bleiben werden.
Setlist – Avantasia | Winterbacher Zeltspektakel | 26. Juli 2026
- Creepshow
- Reach Out for the Light (mit Ralf Scheepers)
- The Witch
- Devil in the Belfry
- Dying for an Angel
- The Story Ain't Over (mit Bob Catley)
- Runaway Train (mit Bob Catley und Herbie Langhans)
- Phantasmagoria (mit Ronnie Atkins)
- Let the Storm Descend Upon You (mit Ronnie Atkins und Herbie Langhans)
- Promised Land (mit Ronnie Atkins und Ralf Scheepers – ohne Tobias Sammet)
- The Toy Master (nur Tobias Sammet)
- Avantasia (mit Herbie Langhans)
- Twisted Mind (mit Ronnie Atkins – ohne Tobias Sammet)
- The Wicked Symphony (mit Ralf Scheepers – ohne Tobias Sammet)
- Shelter From the Rain (mit Ralf Scheepers, Herbie Langhans und Bob Catley – ohne Tobias Sammet)
- Farewell (mit Chiara Tricarico)
- The Scarecrow (mit Ronnie Atkins)
- No Return (mit Ralf Scheepers)
- Mystery of a Blood Red Rose (mit Bob Catley)
- Lost in Space
- Lucifer
- Sign of the Cross / The Seven Angels
Marc Blessing
Marc ist Webmaster, Chefredakteur und Fotograf des Paranoyd Magazins. Als Spezialist für Rock und Metal News sowie Hausfotograf des LKA Longhorns verbindet er Szenekenntnis mit technischem Know-how. Er liefert authentische Konzertberichte, professionellen Content und prägt seit Beginn Qualität, Glaubwürdigkeit und digitale Stärke des Paranoyd Magazins.



































