Vor nur rund 400 Besuchern lieferten Arch Enemy im restlos ausverkauften Club Volta eine Clubshow von außergewöhnlicher Intensität. Angeführt von der neuen Frontfrau Lauren Hart spielte sich die Band förmlich in einen Rausch und begeisterte mit unbändiger Spielfreude, messerscharfer Präzision und einer Performance, die den Kölner Club vom ersten bis zum letzten Ton fest in ihrer Gewalt hatte.
Ein Neuanfang auf ungewohnt kleiner Bühne
Arch Enemy wurden 1995 von Gitarrist Michael Amott gegründet und zählen heute zu den prägendsten Bands des Melodic Death Metal. Mit ihrer Mischung aus melodischen Gitarren, kompromissloser Härte und technischem Anspruch erspielten sich die Schweden über drei Jahrzehnte einen festen Platz an der Spitze des Genres. Nach den prägenden Epochen mit Johan Liiva, Angela Gossow und zuletzt Alissa White-Gluz beginnt mit Lauren Hart nun das nächste Kapitel der Bandgeschichte.
Mit ihrer aktuellen Europa-Tour präsentiert sich die Band erstmals mit der neuen Frontfrau einem breiten Publikum. Zwischen Auftritten auf den größten Festivalbühnen Europas – darunter das Wacken Open Air – führte der Tourplan Arch Enemy auch ins restlos ausverkaufte Club Volta nach Köln. Für die Besucher bot sich damit die seltene Gelegenheit, eine der erfolgreichsten Melodic-Death-Metal-Bands der Welt in einem außergewöhnlich intimen Rahmen zu erleben.
Arch Enemy entfachen vom ersten Ton an ein Inferno
Mit einer kurzen Verzögerung von rund 15 Minuten betraten Arch Enemy gegen 21:15 Uhr ohne Supportact die Bühne des restlos ausverkauften Club Volta. Schon mit dem Opener „Silent Wars“ machte die Band unmissverständlich klar, in welche Richtung dieser Abend gehen würde: kompromisslos, druckvoll und ohne Anlaufzeit.
Bei geschätzten 35 Grad im kleinen Club herrschten von Beginn an nahezu tropische Bedingungen. Einen Bühnengraben gab es nicht – lediglich wenige Zentimeter trennten die Musiker von den rund 400 dicht gedrängten Fans vor der Bühne. Genau diese Nähe verlieh dem Konzert von der ersten Minute an eine außergewöhnliche Intensität.
Kaum erklangen die ersten Riffs, eskalierte die Stimmung im Club Volta förmlich. Headbanger, erhobene Fäuste und lautstarker Jubel bestimmten das Bild, während sich die Band mit sichtbarer Spielfreude immer tiefer in ihren Auftritt hineinarbeitete.
Eine Setlist durch drei Jahrzehnte Bandgeschichte
Auch die Songauswahl ließ kaum Wünsche offen. Arch Enemy spannten mühelos den Bogen über nahezu ihre gesamte Bandgeschichte und verbanden Klassiker aus den verschiedenen Schaffensphasen der Band zu einem stimmigen Gesamtbild.
Mit „Bury Me an Angel“ schlugen die Schweden den Bogen zurück zu ihren Anfangsjahren, während Hymnen wie „We Will Rise“ die Ära um Angela Gossow eindrucksvoll repräsentierten. Mit „The Eagle Flies Alone“ durfte natürlich auch die Zeit mit Alissa White-Gluz nicht fehlen, bevor die aktuelle Single „To the Last Breath“ bereits einen ersten Ausblick auf das neue Kapitel mit Lauren Hart gab.
Gerade diese ausgewogene Mischung verlieh dem Konzert seinen besonderen Reiz. Anstatt sich auf eine einzelne Schaffensphase zu konzentrieren, präsentierten Arch Enemy einen musikalischen Querschnitt ihrer gesamten Karriere – und die neue Sängerin fügte sich dabei bemerkenswert selbstverständlich in dieses Gesamtwerk ein.
Lauren Hart überzeugt auf ganzer Linie
Naturgemäß richteten sich an diesem Abend viele Blicke auf Lauren Hart . Doch schon nach wenigen Songs machte die US-Amerikanerin deutlich, dass sie nicht den Versuch unternimmt, ihre Vorgängerinnen zu kopieren. Stattdessen brachte sie ihre eigene Persönlichkeit, enorme Bühnenpräsenz und eine beeindruckende stimmliche Bandbreite mit in die Band ein.
Bemerkenswert war dabei vor allem ihre unmittelbare Nähe zum Publikum. Sie suchte immer wieder völlig selbstverständlich den direkten Kontakt zu den Fans in der ersten Reihe und interagierte mit einer bemerkenswerten Natürlichkeit mit dem Publikum. Gerade im Club Volta verlieh diese Nahbarkeit dem Konzert eine zusätzliche Intensität.
Auch Gitarrist Michael Amott zeigte sich an diesem Abend in bestechender Form. Immer wieder suchte er den Blickkontakt zu den Fans, präsentierte sich mit markanten Powerposen an der Bühnenkante und ließ seine Gitarrenarbeit scheinbar mühelos wirken. Trotz der räumlichen Enge wirkte die gesamte Band jederzeit präsent und spielfreudig.

Einen großen Anteil daran hatte auch der Sound. Für einen Club dieser Größe präsentierte sich das Klangbild außergewöhnlich klar und druckvoll. Jeder Ton saß, die Gitarren waren messerscharf definiert, das Schlagzeug setzte sich kraftvoll durch und auch Lauren Harts Gesang blieb jederzeit transparent. Der Sound präsentierte sich über den gesamten Abend hinweg druckvoll, transparent und hervorragend abgemischt.
Die Reaktion des Publikums sprach schließlich für sich. Das neue Bandmitglied wurde vom Kölner Publikum vom ersten bis zum letzten Song begeistert aufgenommen und bewies eindrucksvoll, dass Arch Enemy auch mit neuer Frontfrau nichts von ihrer Wucht, Intensität und Ausstrahlung verloren haben.
Ein würdiger Schlusspunkt
Nach rund 90 Minuten endete die Clubshow mit „Nemesis“. Noch einmal verwandelte sich das Club Volta in einen brodelnden Hexenkessel, bevor die letzten Töne verklangen und sich Arch Enemy unter lautstarkem Applaus von ihren Fans verabschiedeten.
Mit sichtbarer Spielfreude, beeindruckender Präzision und einer nahezu selbstverständlichen Harmonie auf der Bühne präsentierte sich die Band so geschlossen wie lange nicht mehr. Gerade die neue Besetzung wirkte bereits erstaunlich eingespielt und ließ kaum erkennen, dass Lauren Hart erst seit kurzer Zeit Teil von Arch Enemy ist.
Mit Lauren Hart haben Arch Enemy spürbar frischen Wind in die Band gebracht. So viel Spielfreude, eine derart geschlossene Bühnenpräsenz und scheinbar mühelose Selbstverständlichkeit hat man bei den Schweden live schon lange nicht mehr erlebt. Dieser Abend im Club Volta machte jedenfalls Lust auf alles, was Arch Enemy in dieser neuen Besetzung noch bevorsteht.
Setlist – Arch Enemy – 02.08.2026 – Köln
- Tear Down the Walls
- Silent Wars
- Taking Back My Soul
- The First Deadly Sin
- Ravenous
- War Eternal
- To the Last Breath
- Blood Dynasty
- Bury Me an Angel
- Under Black Flags We March
- The Eagle Flies Alone
- No Gods, No Masters
- I Am Legend / Out for Blood (Instrumental, erster Teil)
- Dead Bury Their Dead
- Burning Angel
- Dead Eyes See No Future
- We Will Rise
- Blood on Your Hands
- Snow Bound
- Nemesis
- Fields of Desolation (Outro)
Tilo Sief
Tilo ist Fotograf & Redakteur beim Paranoyd Magazin. Dokumentiert Konzerte & Festivals in NRW, BeNeLux & Ruhrgebiet mit Leidenschaft & Präzision. Er bringt eine Menge Erfahrung mit und kennt sich bestens in der Szene aus.
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