Stuttgart, 26.11.2025: Annisokay im Wizemann – Gefühlt war ich dieses Jahr vielleicht fünfmal im Wizemann. Verglichen mit früheren Jahren ist das wirklich wenig, denn früher war ich hier gefühlt jede zweite Woche unterwegs. Die gesamte Gegend rund um das Wizemann ist aktuell leider durch zahlreiche Baustellen so stark beeinträchtigt, dass man oft nur noch den Kopf schütteln kann. Staus, gesperrte Zufahrten, endlose Umleitungen und ein allgemeines Verkehrschaos sind mittlerweile Standard. Wenn dann wie an diesem Abend auch noch alle drei Locations ausverkauft sind, kann man sich den Rest schon ausmalen. Chaos ist da keine Übertreibung, sondern schlicht die logische Konsequenz.
Die Straße war dicht, das Parkhaus war dicht und sogar die kleineren Ausweichmöglichkeiten waren völlig überfüllt. Natürlich muss die Location wirtschaftlich arbeiten, das versteht jeder. Aber im Moment fühlen sich drei parallel stattfindende Konzerte auf diesem Gelände wie ein ausgewachsener Geduldsprobe-Parcours an, für diejenigen, die nicht mit der Bahn anreisen. Das Wizemann ist eine fantastische Venue, aber die Infrastruktur drumherum ist derzeit eine absolute Zumutung.
Durch die verspätete Anreise habe ich dann den ersten Support verpasst. The Narrator standen bereits auf der Bühne, während ich draußen noch im Verkehr festhing und mich langsam fragte, ob ich den Abend überhaupt noch rechtzeitig erreichen würde. Macht aber nichts, die Jungs haben auch ohne mich ihr Set souverän durchgezogen und die ersten Besucher gut auf den Abend eingestimmt. Ich selbst war währenddessen zumindest mit einer Apfelschorle in der Hand im Foyer angekommen und konnte endlich in Konzertstimmung wechseln.
Our Promise lassen Stuttgart brodeln
Nach einem kurzen Umbau folgte dann die Band, die für viele im Publikum schon ein richtiges Highlight ist: Our Promise. Die Gruppe aus Stuttgart hat sich in den letzten Jahren einen stabilen und verdienten Ruf aufgebaut. Ich habe sie mittlerweile mehrfach gesehen und jedes Mal fällt mir ihre Weiterentwicklung auf. Der Sound wirkt runder, das Zusammenspiel klarer und das Auftreten selbstbewusster. Besonders stark ist das Konzept mit zwei Sängern, das live hervorragend funktioniert und den Songs zusätzliche Tiefe verleiht.
Von Beginn an herrschte eine druckvolle Stimmung im Saal. Die Crowd brauchte keine Anlaufzeit und verwandelte den Raum schnell in einen brodelnden Kessel. Als dann zu einem Song gleich mehrere Crowdsurfer gleichzeitig im Graben landeten, konnte man sehen, wie gefordert die Security an diesem Abend war. Trotzdem wirkten alle professionell und entspannt, so wie man es im Wizemann gewohnt ist. Insgesamt war das ein sehr starker Auftritt von Our Promise und ein überzeugender Beweis dafür, wie lebendig die lokale Szene nach wie vor ist.
Annisokay dominieren die Nacht mit voller Wucht
Nach einer längeren Umbaupause war es dann Zeit für den Headliner des Abends: Annisokay. Die Band setzt mit ihrer Abyss Teil zwei Tour die ganze Abyss Ära fort und tourt damit durch vierzehn Länder. Rund dreißig Shows stehen auf dem Plan, unter anderem in Skandinavien, Finnland, Südeuropa, dem Vereinigten Königreich und natürlich im deutschsprachigen Raum. Es handelt sich um die bisher größte Headliner Tour ihrer Karriere, und man merkt sofort, welche Bedeutung dieser Abschnitt für die Band hat.

Annisokay sind auf der Bühne ein Gesamtpaket aus Energie, Präzision und purer Wucht. Die Band kommt auf die Bühne und legt sofort los, ohne große Einleitung und ohne irgendwelche künstlichen Pausen. Sie spielen druckvoll nach vorne, fast explosionsartig, und reißen das Publikum sofort mit. Die Menge reagierte von der ersten Sekunde an, und die Energie im Saal steigerte sich mit jedem weiteren Song. Als dann „Ultraviolett“ gespielt wurde, gab es endgültig kein Halten mehr. Man merkt deutlich, dass Annisokay inzwischen ein großes und treues Publikum haben, das die neuen Songs genauso feiert, wie die Klassiker.
Sehr interessant war auch ein Blick ins Publikum. Viele klassische Metalfans waren da, ausgerüstet mit Kutten voller Patches von Ozzy Osbourne, Metallica, Anthrax oder Motörhead. Für mich ist das ein klares Signal, dass Annisokay längst nicht mehr nur eine Band für ein junges, reines Core Publikum sind. Sie erreichen inzwischen eine viel breitere Szene und arbeiten sich Schritt für Schritt in Bereiche vor, die früher für sie vielleicht nicht selbstverständlich waren.
Die Bühnenshow war stark, aber nicht überladen. Für einen Club dieser Größe, der rund 1300 Besucher fasst, war das Lichtdesign absolut passend und die gesamte Atmosphäre wirkte stimmig mit der musikalischen Ausrichtung der Abyss Ära. Der Sound war kräftig, sauber und nicht übersteuert, was bei dieser Art von Musik keineswegs selbstverständlich ist. Alles wirkte gut abgestimmt, routiniert, aber dennoch frisch und lebendig.
Am Ende bleibt ein klarer Eindruck hängen: Diese Band ist auf einem deutlichen Aufstieg. Die Mischung aus musikalischem Wachstum, einer immer größer werdenden Fanbasis und einer starken live Präsenz zeigt, dass Annisokay bereit für ihren nächsten großen Schritt sind. Der Abend im Wizemann war dafür ein weiterer Beweis und ein starkes Statement, wohin die Reise geht.
Annisokay
Our Promise



































