Stuttgart, 18.08.26 – Dauerregen, graue Wolken und Temperaturen, die eher an den Herbst als an einen Sommerabend erinnerten – eigentlich keine idealen Voraussetzungen für ein Open Air. Doch Amy Macdonald bewies auf der ausverkauften Freilichtbühne am Killesberg, dass gute Musik selbst den Regen vergessen lässt, und verwandelte gemeinsam mit Blair Davie einen tristen Dienstag in einen Abend voller Wärme und Gänsehautmomente.
Ein Sommertag voller Regen – denkbar schlechte Voraussetzungen für ein Konzert unter freiem Himmel. Trotzdem machte ich mich gut gelaunt auf den Weg zur Freilichtbühne am Killesberg. Bereits beim Einlass strömte der Regen unaufhörlich vom Himmel. Doch anstatt missmutiger Gesichter sah ich überall lachende Menschen in bunten Regenjacken und Ponchos. Rund 3.300 Besucherinnen und Besucher waren dem Ruf von Amy Macdonald gefolgt und ließen sich die Vorfreude nicht nehmen.
Ein schöneres Ambiente hätte man sich ohnehin kaum wünschen können. Mitten im Wald, hoch über den Dächern Stuttgarts, liegt die Freilichtbühne wie ein kleines Amphitheater im Grünen. Das Publikum war bunt gemischt – von Anfang zwanzig bis weit über siebzig war alles vertreten. Genau diese Vielfalt machte schon vor Konzertbeginn deutlich, welche Generationen die Musik der Schottin inzwischen verbindet.
Blair Davie trotzte dem Regen
Den Auftakt des Abends übernahm Landsmann Blair Davie. Nur mit seiner Akustikgitarre ausgestattet, betrat er die Bühne, während der Regen unermüdlich auf das Gelände niederprasselte.
Doch weder ihn noch das Publikum schien das zu stören. Schon nach den ersten Songs wurde mitgewippt, geklatscht und immer wieder leise mitgesungen. Nach vier Liedern bedankte sich Blair Davie für die großartige Stimmung und erzählte kurz von der gemeinsamen Tour mit Amy Macdonald.
Fast schien es, als hätte das Wetter zugehört. Kaum waren seine Worte verklungen, hörte der Regen plötzlich auf. Die inzwischen nahezu komplett gefüllte Freilichtbühne quittierte das mit hörbarer Erleichterung und genoss die zweite Hälfte seines Sets umso mehr.
Besonders gefiel mir an diesem Abend auch die Location selbst. Rund um die Bühne konnten sich die Besucher kulinarisch versorgen, ohne dabei auch nur eine Sekunde des Konzerts zu verpassen. Dieses Angebot wurde ausgiebig genutzt und verlieh dem Abend beinahe Festivalcharakter.
Amy Macdonald ließ den Regen vergessen
Mit ihrem frisch erschienenen sechsten Album Is This What You’ve Been Waiting For? im Gepäck befindet sich Amy MacDonald derzeit auf großer Tour.
Unter lautem Jubel betrat die Schottin die Bühne und sorgte gleich zu Beginn für einen Lacher. Das Wetter, erzählte sie schmunzelnd, erinnere sie stark an einen typischen schottischen Sommer. Passender hätte die Begrüßung kaum sein können.
Musikalisch verschwendete Amy Macdonald keine Zeit und eröffnete das Konzert direkt mit ihren bekanntesten Songs. Mit jeder Minute wurde es draußen dunkler, wodurch die besondere Atmosphäre der Freilichtbühne noch stärker zur Geltung kam. Umgeben von hohen Bäumen wirkte es beinahe so, als würde der Wald selbst Teil der Kulisse werden.
Ihre unverwechselbare Stimme füllte das gesamte Gelände mit einer Wärme, die man trotz der zuvor noch nassen Kleidung sofort spüren konnte. Zwischen den bekannten Klassikern fanden auch die neuen Songs ihren Platz und reihten sich ganz selbstverständlich in das Programm ein. Man merkte schnell, warum Amy Macdonald seit Jahren Millionen Menschen begeistert: Ihre Lieder erzählen persönliche Geschichten, wirken dabei ehrlich und nahbar und entfalten gerade live eine ganz besondere Kraft.
Das Publikum dankte es ihr mit lautem Gesang, begeistertem Applaus und unzähligen lächelnden Gesichtern.
Ein Abend, der den Regen vergessen ließ
Nach rund 90 Minuten verabschiedete sich Amy Macdonald unter großem Applaus von Stuttgart. Beim Verlassen des Geländes fiel mein Blick noch einmal auf den Zaun rund um die Freilichtbühne. Selbst dort hatten sich zahlreiche Schaulustige versammelt, um zumindest einen kleinen Teil dieses besonderen Abends mitzuerleben.
Als ich schließlich den Killesberg verließ, war vom tristen Regentag kaum noch etwas übrig. Amy Macdonald hatte es geschafft, mit ihrer Musik ein Stück schottischen Sommer nach Stuttgart zu bringen – und einmal mehr bewiesen, dass es manchmal weder Sonnenschein noch großes Bühnenfeuerwerk braucht, um einen Abend unvergesslich zu machen.
Setlist – Amy Macdonald, Stuttgart 2026
Amy Macdonald
Blair Davie
Philipp Grünberg
Philipp Fotograf und Redakteur aus Fellbach. Für das Paranoyd Magazin begleitet er Konzerte und Festivals – authentisch, nah dran und unabhängig. Mit seinem erfahrenen Blick für die Live-Atmosphäre und unabhängigem Journalismus.




















